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Mering

27.08.2010

Geschichte der neuen Heimat in St. Afra

Geschichte der neuen Heimat in St. Afra
4 Bilder
Die Wehrkirche Mariä Himmelfahrt bildet den Mittelpunkt der Siedlung St. Afra. Fotos: Peter Stöbich

Eine bemerkenswerte Fleißarbeit hat der unermüdliche Buchautor Franz Knittel jetzt abgeschlossen. Er beschäftigte sich monatelang intensiv mit der Geschichte des Meringer Ortsteils St. Afra. "Neue Heimat für Flüchtlinge und Vertriebene" heißt der Titel seines mehrere Hundert Seiten starken Werks, das im Herbst erscheinen soll. Von Peter Stöbich

Mering Eine bemerkenswerte Fleißarbeit hat der unermüdliche Buchautor Franz Knittel jetzt abgeschlossen. Er beschäftigte sich monatelang intensiv mit der Geschichte des Meringer Ortsteils St. Afra. "Neue Heimat für Flüchtlinge und Vertriebene" heißt der Titel seines mehrere Hundert Seiten starken Werks, das im Herbst erscheinen soll.

Enthalten sind zahlreiche bisher unveröffentlichte Bilder und Interviews mit Zeitzeugen wie zum Beispiel Stefan Mühlberger, der aus Südmähren stammt und 1955 nach Mering gekommen war. "Wie sich die Siedlung seither verändert hat, ist kaum zu glauben", sagt er. Ein eigener Bahnhaltepunkt und Kindergarten, ein Vereinsheim für die Siedlergemeinschaft und große Unternehmen - wer hätte sich vor 60 Jahren all das vorstellen können? Damals war die Not groß für die zahlreichen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge, von denen Mering rund 2000 unterbringen musste.

Der Name der Siedlung geht zurück auf die Augsburger heilige Afra, eine Märtyrerin, die angeblich 304 nach Christus auf einer Lechinsel verbrannt wurde. Im Oktober 1948 hatte Landrat Kolesnikow den ersten Spatenstich vorgenommen. Auf einem 13,5 Hektar großen Areal, das aufgrund einer Bodenreform durch Enteignung aus den Ländereien des Meringer Gutsbesitzers von Grauvogel stammte, war damals der Bau von 416 Wohnungen vorgesehen sowie einer Schule, eines Gasthauses und einer Kirche. Bereits am 8. Dezember konnten die ersten neun Häuser eingeweiht werden; Ende 1949 gab es dann schon 38 Wohnungen.

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Im Laufe des folgenden Jahres wurde der erste Bauabschnitt fertiggestellt und der zweite begonnen. "Die Gesamtleistung der Arbeitsschichten durch die produktive Arbeitslosenfürsorge erreichte bis Ende 1950 rund 59 000 Arbeitsstunden", heißt es in Knittels Buch. Das Richtfest für den vierten Bauabschnitt fand am 8. Dezember 1951 statt: In 15 Häusern fanden 30 Familien eine neue Bleibe.

Stefan Mühlberger kann sich noch gut daran erinnern, wie er als 14-Jähriger im Rohbau an der Guttenbrunnstraße übernachtete, in der er noch heute mit seiner Frau Mathilde lebt. "Für meine Mutter war der Hausbau Mitte der 50er Jahre eine enorme Leistung, denn mein Vater war in meinem Geburtsjahr 1941 gefallen", berichtet der 69-Jährige. Er hatte 1968 geheiratet und das Haus in St. Afra erweitert.

Die Familie war 1946 aus Südmähren vertrieben worden und zunächst in Heinrichshofen gelandet. "Die heutige Generation interessiert sich für solche Erinnerungen kaum noch", bedauert er. "Und die Alten, die das alles durchgemacht haben, sterben allmählich weg." Dabei hat Mühlberger viel zu erzählen, zum Beispiel, wie er zunächst mit dem Zug und später mit seinem Mofa von Mering zur Bauschlosserlehre nach Augsburg fuhr; oder wie stark der Zusammenhalt unter den Neubürgern in der Siedlung war, die 1952 den Grundstein für ihre Kirche legten (siehe Kasten).

"Wir hatten weder ein Auto noch Fernsehen oder Telefon, und auch nicht viel Geld", schildert er die schwierige Zeit. Die einzige Unterhaltung bot bei Tanzabenden am Samstag das "Afra-Trio" im Gasthaus Erlbeck, wo Mühlberger seine Frau kennenlernte. Als das Lokal abgerissen wurde, verwendeten die Siedler die Dachplatten für ihr Vereinsheim am alten Wasserhaus, das sie in Eigenregie errichteten. Viele Straßen, die nach den Donauschwaben, Egerländern oder Sudeten benannt sind, erinnern in St. Afra heute noch an die verschiedenen Volksgruppen. Ihre Mitglieder unternehmen alle zwei Jahre eine Busfahrt in die alte Heimat, die Stefan Mühlberger organisiert.

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