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Merching

19.09.2019

Giftige Blaualge: Frust über verlorene Saison ist groß

Mit zunächst noch provisorischen Schildern warnt das Landratsamt Aichach-Friedberg vor den Blaualgen im Mandichosee. Damit wird dieser ab Freitag wieder öffentlich zugänglich gemacht. Eine feste Beschilderung hier und an den anderen Badegewässern des Landkreises folgt im Laufe der nächsten Monate.
Bild: Teresa Wörle

Plus Die Lechstaustufe 23 wird nach wochenlanger Sperrung wieder freigegeben. Für Betroffene wie Wassersportcenter und die Segler kommt diese Entscheidung  zu spät.

Der Mandichosee ist ab Freitag wieder freigegeben. Dazu hat sich das Landratsamt Aichach-Friedberg nach wochenlanger Sperrung entschieden. Doch für viele Betroffene, kommt diese Nachricht zu spät. Die Seglervereinigung Merching hat die für den Samstag geplante Regatta bereits abgesagt und auch für das Wassersportcenter ist die Saison gelaufen. Indessen ist die giftige Blaualge Tychonema, die Anlass für die Sperrung war, noch immer im Uferbereich zu finden.

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Wie berichtet, hatte sich die Blaualge, die allen Vermutungen nach schon länger in dem Gewässer vorkommt, heuer massiv vermehrt. Als drei Hunde nach einem Besuch an der Lechstaustufe starben, kam es zu Nachforschungen und die Blaualge wurde durch Proben nachgewiesen. Und laut dem Landratsamt kann nach den entsprechenden Untersuchungen bei zumindest zweien der Hunde auch tatsächlich das Nervengift Anatoxin als Todesursache angenommen werden, welches von der Blaualge Tychonema produziert wird.

Schilder warnen jetzt vor der giftigen Blaualge im Mandichosee

Nach gründlicher Abwägung hat die Behörde jetzt dennoch beschlossen, es bei Warnschildern für Badende und Spaziergänger zu belassen. Nach Aufstellung der Schilder will auch Merchings Bürgermeister Martin Walch seine rotweißen Absperrbänder entfernen. Angesichts der Tatsache, dass die Badesaison mehr oder weniger vorbei ist, könne er diese Entscheidung mit seinem Verantwortungsgefühl vereinbaren.

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Dennoch bleibt bei ihm ein Unbehagen: „Wenn wir ehrlich sind, wissen wir eigentlich immer noch nichts“, sagt er. Mit Sorge blickt er auf den nächsten Sommer, wenn der volle Badebetrieb wieder beginnt. Denn die Blaualge sei ja nicht verschwunden. „Ich kann das mit meinem Bauhof nicht gewährleisten, dass wir alles restlos entfernen, was angeschwemmt wird“, sagt Walch. Natürliche bemühe er sich: „Aber alles bringe ich da auch nicht raus“, sagt er.

Giftige Blaualge: Was kommt da noch auf Merching zu?

Walch erwartet sich hier noch weitere Klärung durch das Landratsamt: „Auch wenn ich ab Mai nicht mehr im Amt bin – ich möchte wissen: was kommt da auf die Gemeinde zu?“ sagt er. Walch hofft außerdem, dass es bis zum neuen Frühjahr genauere Erkenntnisse zur Blaualge Tychonema gibt.

Wie berichtet, war diese vor der Entdeckung in Merching in Deutschland erst einmal an einem Berliner Badesee in Erscheinung getreten. Wie die langjährige Blaualgenforscherin Jutta Fastner vom Umweltbundesamt gegenüber unserer Zeitung erklärte, ist man bisher davon ausgegangen, dass die Tychonema vor allem in nördlichen Gefilden in kalten Gewässern vorkomme. Nach dem Merchinger Fund, noch dazu zur wärmsten Jahreszeit, liege die Vermutung nahe, dass diese Blaualgen-Art auch bei uns verbreiteter ist, nur bislang nicht entdeckt wurde. Sie versuche nun Forschungsgelder für eine nähere Untersuchung aufzutreiben. Und das hält auch Bürgermeister Martin Walch für sinnvoll. „Das ist eine Aufgabe für die Labore und die Wissenschaftler“, sagt er. In jedem Fall müsse man den Mandichosee aber auch die anderen Gewässer in unserer Region genau beobachten.

Betreiber des Wassersportcenters ist sauer über lange Sperrung

Für reichlich übertrieben hält dagegen Manfred Leupold, Betreiber des Wassersportcenters, den Aufruhr um die Blaualgen. Für Schwimmer bestehe erwiesenermaßen keine Gefahr.

Deswegen hat er kein Verständnis für die lange Sperrung des Gewässers. Die Öffnung bringe ihm nichts mehr. Diese Entscheidung hätte er sich wesentlich schneller gewünscht: „Jetzt sieht man mal wieder, wie lange die brauchen - typisch Behörde!“, sagt er an die Adresse des Landratsamtes. Wegen abgesagter Surfkurse aber auch Einbußen im Verkauf von Wassersportzubehör habe er heuer Verluste von mehreren Zehntausend Euro erlitten. Die gelte es im kommenden Jahr wieder auszugleichen. Er befürchtet allerdings, dass viele Menschen wegen der Blaualgen so verunsichert sind, dass sie der Lechstaustufe fernbleiben werden. „Das hängt uns jetzt die nächsten Jahre nach!“, prophezeit er. Eigentlich hätte er heuer noch bis September aufgehabt, doch jetzt lohne es sich nicht mehr, den Betrieb am See wieder aufzunehmen. Nächstes Jahr werde er wieder am 1. Mai die Saison eröffnen.

Merchinger Segler mussten Regatta absagen und sind verärgert

Verärgert klingt auch Hans-Joachim Lindstedt von der Seglervereinigung Merching. Diese plante eigentlich am Samstag eine große Regatta. Doch die Nachricht von der Freigabe des Sees, die am Mittwoch erfolgte, kam zu spät. „Jetzt habe ich die Regatta abgesagt. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung braucht auch eine Vorbereitungszeit“, erklärt er. Dafür, dass das Landratsamt so lange mit seiner Entscheidung gebraucht habe, habe er kein Verständnis mehr. „Das ist schon sehr, sehr ärgerlich für mich!“ Auch er fragt sich, wie es weiter weiter geht, falls im nächsten Sommer die Blaualgen weiter auftreten. Er hoffe, dass es dann nicht wieder „Panikaktionen unseres Landratsamtes“, gebe. Denn wenn sich noch einmal Vergleichbares abspiele, sei der Verein erledigt.

Von Seiten des Landratsamtes ist man sich des Unmuts bewusst. In der Bekanntmachung zur Freigabe des Gewässers nimmt die Behörde auch Bezug auf die Entscheidungsdauer. Es heißt dazu: „Die Behörden vor Ort hatten bislang keine Erfahrung mit dieser Gattung Blaualgen, sodass für eine seriöse Gefahrenabschätzung zunächst verschiedene Untersuchungen und Recherchearbeiten sowie ein Austausch mit diversen Fachstellen durchgeführt werden musste.“

Lesen Sie dazu auch den Artikel: Kiosk, Surfstation, Segler: Badeverbot sorgt für Unmut

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