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Merching

28.02.2020

Giftige Blaualgen: Mandichosee unter strenger Beobachtung

Noch ruhen Kios- und Badebetrieb am Merchinger Mandichosee. Doch die neuen, dauerhaften Schilder, die vor der Gefahr durch Blaualgen warnen, sind bereits aufgestellt.
Foto: Gönül Frey

Plus Besucher des Mandichosees müssen vorsichtig bleiben, denn die Blaualge Tychonema lässt sich nicht ausmerzen. Behörden behalten die Lechstaustufe 23 im Blick.

Der Winter nähert sich dem Ende. Damit rückt der Mandichosee wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit. Dieser war, wie berichtet, wegen des überraschenden Aufkommens der seltenen Blaualge Tychonema, wissenschaftlich eigentlich eine Gattung der Cyanobakterien, während der vergangenen Freiluftsaison wochenlang gesperrt. Seit Ende September ist er wieder freigegeben. Doch weil die Organismen, die das Nervengift Anatoxin erzeugen, sich nicht ausmerzen lassen, bleibt das beliebte Freizeitgewässer unter strenger Beobachtung.

Wie berichtet, war die Blaualge entdeckt worden, als drei Hunde eines unerklärlichen Todes starben. Bei zwei von ihnen konnte die Blaualge tatsächlich im Mageninhalt nachgewiesen werden. Was folgte, war eine große Verunsicherung. Denn die Tychonema galt bisher nur in nordischen Gefilden als heimisch. In Deutschland hatte sie zuvor erst einmal von sich reden gemacht – damals war sie am Tegeler See bei Berlin entdeckt worden. Entsprechend dünn waren die Erfahrungswerte und das Landratsamt Aichach-Friedberg entschied sich daher vorsichtshalber zur Sperrung.

Blaualgen im Mandichosee: Behörden hoffen auf neue Erkenntnisse

Indessen verdichteten sich die Hinweise, dass die Alge möglicherweise gar nicht so selten ist, sondern nur bislang immer unentdeckt blieb. So tauchten verdächtige Spuren auch in einer Probe vom Friedberger See auf. Sollte man nun etwa alle Badegewässer sperren? Unmöglich. Deswegen entschied sich das Landratsamt letztlich, die Sperrung wieder aufzuheben und stattdessen Schilder mit ausführlichen Warnhinweisen aufzustellen. Zu diesem Zeitpunkt war die Badesaison ohnehin fast vorbei. Über den Winter hoffte man zudem auf neue Erkenntnisse, denn zwischenzeitlich war auch das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) mit eingebunden worden.

Ein Schild warnt Besucher des Sees vor Blaualgen und listet empfohlene Verhaltensweisen auf.
Foto: Gönül Frey

Dieses sieht die Notwendigkeit, das Thema Tychonema gut im Blick zu behalten. Der Mandichosee soll deswegen verstärkt überwacht werden, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung. Das betrifft vor allem das Landratsamt , das laut LGL seine Routineüberwachung der Badegewässer an die Besonderheiten der Tychonema anpassen müsse. „Die optische Kontrolle wird intensiviert und angepasst – auch bei anderen Seen – , da sich eine Massenvermehrung von Tychonema anders zeigt als eine Massenvermehrung von anderen Cyanobakterien “, fordert das Landesgesundheitsamt. Treten Auffälligkeiten auf, werden Feststoffproben wie zum Beispiel. Treibgut, Steine und Wasserpflanzen entnommen, diese werden dann am LGL untersucht. Weitere Kontrollbegehungen und Untersuchungen von Proben seien durch die Technische Universität München (TUM) in Zusammenarbeit mit dem LGL geplant.

Anders als andere giftbildende Cyanobakterien , die frei im Wasser schweben, vermehren sich die Arten aus der Gattung Tychonema nämlich auf Oberflächen. Bei massenhafter Vermehrung, wie im vergangenen Sommer, bilden sie mit bloßem Auge gut erkennbare rötliche Matten auf dem Gewässergrund oder haften an Wasserpflanzen. Deswegen müssen auch die Proben anders genommen werden. Statt wie sonst üblich im freien Gewässer, werden hier deswegen Proben von Wasserpflanzen, bewachsenem Treibgut, Steinen oder Sediment – vor allem aus den gebildeten Matten – entnommen, erläutert das LGL. „Es ist geplant, dass die TUM über ein Projekt wieder beteiligt ist. Details dazu sind jedoch noch offen“, sagt ein Sprecher des LGL. Das Landratsamt Aichach-Friedberg plant zum Umgang mit der Blaualge Tychonema im März eine große interne Besprechung, wie es auf Anfrage unserer Zeitung heißt.

Dieses Foto stammt zwar nicht vom Mandichosee, sondern vom Weißenstädter See in Oberfranken. Es zeigt aber gut, wie sich die Blaualgen schlierenartig ausbreiten.
Foto: Nicolas Armer, dpa

Neue Schilder am Mandichosee in Merching

Viele Sorgen hat die Blaualge Merchings Bürgermeister Martin Walch bereitet, in dessen Gemeindegebiet sich der See befindet. Schon jetzt hat er beim Landratsamt vorgesprochen, wie es in der kommenden Freiluftsaison weitergehen soll und hat auch die Wassersportvereine noch einmal informiert. Vom Landratsamt gab es jetzt neue, dauerhafte Schilder, die der Merchinger Bauhof bereits aufgestellt hat. Der Bürgermeister erinnert die Badegäste daran, vorsichtig zu sein. Da sich die Algen vor allem auf Anschwemmungen im Uferbereich ansammeln, sollten Eltern darauf achten, dass Kinder nichts in den Mund nehmen. Besonders gefährdet sind Hunde, die vom muffigen Geruch der Alge angelockt werden. Am besten sollten Hundehalter sie deswegen beim Spaziergang am See an der Leine lassen.

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