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Sommergespräch

25.08.2017

Große Oper im kleinen Papiertheater

Benno Mitschka hat den Schritt gewagt und ist ohne staatliche Unterstützung als Opernintendant in Deutschlands kleinstem Opernhaus Multum in Parvo in Mering tätig.
Bild: Christine Schenk

Benno Mitschka aus Mering über die ganz besondere Freiheit, einen eigenständigen Kulturbetrieb auf die Beine zu stellen. Doch der Schritt zur Selbstständigkeit war mit einigen Risiken verbunden

Ein eigenes Opernhaus, ganz ohne staatliche Unterstützung, das gibt es in Deutschland nicht oft. Und wenn dieses Opernhaus noch ein Papiertheater ist, dann findet man dieses im deutschsprachigen Raum nur in Mering. Den Mut, mit Kultur, Musik und Oper seinen Lebensunterhalt zu verdienen, beweist Benno Mitschka seit 2014. Was den 52-Jährigen, der ursprünglich in München und zehn Jahre in London beruflich tätig war, in die 15000 Einwohner große Marktgemeinde verschlagen hat? Es waren die Familie und die zentrale Lage. „Ich wollte nicht, dass meine Kinder in der Großstadt aufwachsen“, schildert Mitschka.

Er spielt in seinem Opernhaus, dem Papiertheater Multum in Parvo, vor maximal 25 Personen. Daher braucht er einen Veranstaltungsort, der wenig Unkosten verursacht. „In Mering waren damals die Immobilien noch so erschwinglich, dass wir den Schritt gewagt und hier auf dem Land ein Opernhaus auf die Beine gestellt haben“, schildert Benno Mitschka. Wir, das sind seine Frau Christine Schenk und die beiden Söhne, die mittlerweile die dritte Klasse der Meringer Luitpoldschule besuchen.

Im Multum in Parvo ist der Name, der zu deutsch „Viel in Wenig“ bedeutet, Programm. Gezeigt werden auf der kleinen Bühne, deren Darsteller allesamt aus Papier sind, große Opern. „Sie werden von mir so bearbeitet, dass die Stücke etwa eine Stunde dauern“, sagt Mitschka. Der studierte Germanist und Theaterwissenschaftler entwirft Bühnenbilder und Vorlagen für das Papiertheater selbst am Computer. Als Verleger hat er den Papiertheater-Verlag aufgebaut, seine Werke werden in alle Welt verschickt.

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Er verbindet in seinem Opernhaus nicht nur seine Liebe zu klassischer Musik, sondern auch seine Ausbildung zum Filmemacher an der Filmhochschule in London. „Wenn auch diese Art von Theater schon sehr alt ist, so mische ich sie mit neuester Technik“, erklärt Mitschka. Die digitalisierten Hintergründe werden mit einem Beamer auf die Leinwand projiziert. Musik und die von Hand gespielten Papierfiguren sind genauestens auf einander abgestimmt.

Es sei schon ein gewisses Maß an Verrücktheit nötig, meinen die beiden Opernhaus-Intendanten, um sich auf so einen Schritt in die Selbstständigkeit einzulassen. „Wir hatten bislang keine staatliche Unterstützung und trotz aller Schwierigkeiten, die wir immer wieder zu meistern haben, macht uns das auch frei“, sagt Benno Mitschka. Diese Freiheit sei es, die ihm die Möglichkeit gibt, seine vielfältigen künstlerischen Ideen umzusetzen. „Wir entscheiden selbst, was wir spielen wollen und kein Kulturbeauftragter gibt uns die Marschroute vor“, sagt der 52-Jährige.

Oper in Mering – das sei für ihn niemals ein unmögliches Unterfangen. „Wir sind zwar auf dem Land, aber das heißt nicht, dass hier kulturell nicht auch etwas geboten ist“, so Mitschka. Denn für ihn ist Oper eine Form der Musik, die nicht ausschließlich in abgehobene Konzertsäle gehört. „Ich nenne da immer gerne Verona als Beispiel, dort kommen sie alle zusammen, die breite Masse genauso wie die elitären Musikliebhaber.“

Aufgewachsen ist er in einem kleinen Ort in der Nähe von Stuttgart – trotzdem war die Welt bei der Familie zu Hause. „Mein Vater war als Architekt international tätig, da herrschte immer eine gewisse Weltoffenheit in der Familie.“ Und so war es auch möglich, dass er sich als Jugendlicher zunächst dem Hardrock und später dem Punk zuwandte. Doch die Klassik blieb immer ein Teil von ihm. Für Mitschka ist die Trennung zwischen Klassik und moderner U-Musik ohnehin nicht nötig: „Gehen Sie mal in ein Rammstein-Konzert. Was diese Musiker auf die Bühne bringen, ist ganz große Oper“, sagt Mitschka und lacht. Er bezieht sich dabei auf die Bühnenshow mit pompösen Lichteffekten, einer Musik, die bis in die letzte Ader dringt, die einem manchmal fast den Atem nimmt und sich der Mittel einer klassischen Operninszenierung bediene.

Immer mehr Zuschauer kommen ins Multum in Parvo. Auch wenn sich keine Reichtümer mit seinem Metier verdienen lassen, kommen seine Familie und er gut über die Runden. Unterstützung erhält er von seiner Frau Christine Schenk, die als ehemalige Produktmanagerin in der IT-Branche neben ihrer Arbeit hinter der Bühne auch für Marketing und Finanzplanung zuständig ist. Beide sind zwar Idealisten, aber keineswegs Utopisten. Denn bei aller Kunst: Am Ende müssen die Rechnungen bezahlt sein. Mittlerweile sind sie in der Region und über deren Grenzen hinaus viel beachtet und angesehen: „Von den Spinnern hat sich das Bild zur Sehenswürdigkeit gewandelt“, sagt Mitschka. Es gebe sogar Menschen, die extra wegen des Opernhauses nach Mering kommen und Augsburg nur noch so als „Dreingabe“ zum Kulturprogramm mitnehmen.

Die nächsten Vorstellungen finden ab Freitag, 8. September, statt. Auf dem Spielplan steht „Rigoletto“. Weitere Informationen unter www.papiertheater.net.

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