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Asyl

11.04.2016

Gute Nachbarn helfen einander

Die neuen Nachbarn in Friedberg-West stellen sich vor – gemeinsam wird getanzt und gelacht.
Bild: Sabine Roth

Kennenlerntag in der Flüchtlingsunterkunft in Friedberg-West. Inzwischen leben dort 40 Menschen aus Syrien und Afghanistan.

Trotz des eher verregneten Wetters war ganz schön was los in der Josef-Wassermann-Straße in Friedberg-Wes. Vor der Asylunterkunft im früheren Marxer-Gebäude tanzten die Menschen, spielten miteinander und lernten sich bei leckeren landestypischen Speisen kennen. Die Unterkunft war offen und man konnte sie sich anschauen.

Eingeladen hatte die Stadt Friedberg gemeinsam mit dem ehrenamtlichen Asylhelferkreis zu diesem Kennenlerntag der Gemeinschaftsunterkunft. Der Sprecher des Helferkreises, Werner Fischer, beschrieb die Arbeit der rund 50 Freiwilligen. „Da ist unheimlich viel Engagement vorhanden, ein großes Dankeschön dafür“, sagte Bürgermeister Roland Eichmann.

Dem war nicht immer so. Bei der ersten Bürgerversammlung dazu im letzten Jahr gab es viele kritische Stimmen der Anwohner zur geplanten Asylunterkunft mit 75 genehmigten Plätzen. Im Februar und März ist die Unterkunft dann belegt worden. Momentan wohnen dort etwa 40 Menschen aus Syrien, insbesondere Aleppo, und Afghanistan, darunter alleine 20 Kinder.

Gute Nachbarn helfen einander

Untergebracht sind Familien mit Kindern 

Die Besonderheit in dieser Unterkunft ist, dass hier nur Familien mit Kindern wohnen. „Dieses Asylheim gehört zwar zur Gemeinde Friedberg-West, die Hoheit liegt aber bei der Regierung von Schwaben“, sagt Micha Neher, der sich zusammen mit Werner Fischer um den Asylhelferkreis kümmert. Wie viele Asylbewerber noch dort einziehen werden, ist im Moment noch nicht bekannt. Von den Erstaufnahmeeinrichtungen werden Asylbewerber auf die Regierungsbezirke und von dort auf die Landkreise und kreisfreien Städte verteilt. Bei dezentraler Unterbringung bestimmt die dortige Ausländerbehörde den zukünftigen Wohnsitz. Betreiber der Gemeinschaftsunterkünfte ist die Regierung von Schwaben.

Die Asylbewerber benötigen bei Weitem nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch Hilfe, sich auf die neuen Lebensumstände einzustellen. In Friedberg haben sich viele Freiwillige zusammengetan, um den Flüchtlingen über die staatlichen Hilfen hinaus beizustehen. Werner Fischer freut sich: „Die Zusammenarbeit in unserem Helferkreis in Friedberg-West ist sehr gut. Wir haben bisher nur positive Erfahrungen sammeln können.“

Helfer haben vielfältige Motive

Warum engagiert man sich im Helferkreis und welche Erfahrungen haben die ehrenamtlichen Helfer bislang gemacht? Ulrike Strerath-Bolz wohnt gleich gegenüber der neuen Unterkunft. Für sie und ihren Mann war von Anfang an klar, dass sie mithelfen wollen. „Unsere Motive sind vielfältig: Zum einen sind wir selbst vor 16 Jahren aus beruflichen Gründen nach Friedberg gekommen und haben hier schnell ein Zuhause gefunden. Wir schätzen Friedberg als eine Stadt, in der das Miteinander von Menschen verschiedener Herkunft gut funktioniert.“ Zudem stammen sie beide selbst aus Flüchtlingsfamilien, die Eltern sind nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen, Marienburg und Schlesien nach Westdeutschland gekommen: „Meine Mutter und meine Großmutter haben vier Jahre in einem dänischen Flüchtlingslager verbracht. Und natürlich wollen wir helfen, damit Integration gelingt. Dazu braucht es Kontakt und jede Menge Starthilfe. Letztlich mündet das alles in den Wunsch, ganz einfach und mit großer Selbstverständlichkeit gute Nachbarn zu sein.“

Viel Freude macht Ulrike Strerath-Bolz und ihrem Mann auch die Fröhlichkeit der Kinder dort. Die Verständigung werde durch die Deutschkurse und durch die Tatsache, dass fast alle Kinder jetzt zur Schule gehen, jeden Tag noch ein bisschen besser. „Die Zusammenarbeit im Helferkreis ist ein echter Gewinn für uns. Und wir erleben ganz viel Hilfsbereitschaft und freundliches Interesse rundum.“

Wer selbst bei der Betreuung der Flüchtlinge mithelfen will, kann sich bei Ulrike Proeller melden, Telefon 0821/ 650 73 654 oder per Mail an ulrike.proeller@friedberg.de

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