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Eurasburg

31.07.2020

Handel: Rehrosbachs kleiner Dorfladen hat ein großes Herz

Janine Schorer hat sich ganz bewusst für ihren Dorfladen entschieden. Unterstützt wird sie von Ihrem Lebensgefährten Markus Frohnauer.
Bild: Sabine Roth

Plus Vor vier Jahren hat sich Janine Schorer ihren Lebenstraum mit ihrem Dorfladen Naturfein in Rehrosbach erfüllt. Hier kann man mit allen Sinnen einkaufen.

Während der Corona-Krise standen die Menschen vor dem kleinen Dorfladen Naturfein im Herzen Rehrosbachs in einer Schlange bis zur nächsten Kurve. Wenn Janine Schorer davon erzählt, hat die zierliche, dunkelhaarige Frau Tränen der Rührung in den Augen. Bei ihr kann man nämlich anders einkaufen – mit allen Sinnen, wie sie es treffend beschreibt. Ein Besuch in ihrem besonderen Laden.

Während der Ausgangsbeschränkungen war sie eine der Letzten in der Region, die offen hatte. „Diese Zeit war für mich der absolute Hammer“, sagt die 37-Jährige rückblickend. „Die Leute wollten nicht mehr in die großen Supermärkte gehen.

Der Dorfladen in Rehrosbach ist für viele Menschen in der Umgebung eine wichtige Anlaufstelle, wenn es um Dinge des täglichen Bedarfs geht.
Bild: Sabine Roth

Deshalb habe ich mich entschieden, die Nahversorgung und ein Maß an Normalität zu erhalten. Wir haben gekämpft wie die Wikinger“, sagt die Friedbergerin und und strahlt mit ihren rehbraunen Augen.

Handel: Rehrosbachs kleiner Dorfladen hat ein großes Herz

Ihr Lebenspartner Markus Frohnauer half ihr, sonst hätte sie dem Ansturm nicht mehr gerecht werden können. „Wir brachten älteren Menschen zum Teil die Sachen ans Auto oder nach Hause, weil sie Angst vor einer Ansteckung hatten oder körperlich nicht lange anstehen konnten. Es war eine harte Zeit.“

Früher war der Dorfladen Naturfein in Rehrosbach ein Tante-Emma-Laden

Gleichzeitig war es für sie ein Balanceakt, Ruhe zu bewahren und jeden Tag aufs Neue Hygiene- und Schutzmaßnahmen einzuhalten, sodass sie und ihre Kunden sicher waren. Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt – und als Dank dafür, dass Schorer in dieser Zeit geöffnet hatte, bekam sie ganz viele Zeichnungen mit dem Wort „Danke“, die ihre Kunden einfach neben der Ladentür aufhängten.

„Ich möchte meinen Kunden für viele wertvolle und emotionale Gespräche und für ihr Vertrauen und ihre Liebe für gute Nahrungsmittel und Nachhaltigkeit danken“, sagt Schorer. „Wir haben es gemeinsam durchgestanden. Ohne diese gute Energie hätten wir das alles nicht geschafft.“

Dass sie den verwaisten Tante-Emma-Laden vor über vier Jahren übernommen hat, hat sie noch keinen Tag bereut. Sie hat sich bewusst dafür entschieden, auch um etwas gegen das Sterben der Dorfläden zu unternehmen. „Ich wollte etwas Sinnstiftendes tun“, erzählt sie.

Ihr Angebot ist vielseitig. Sie hat im Lauf der Zeit ein konsequent biologisches Vollsortiment geschaffen. Hier gehen Umweltbewusstsein und Genuss, Sinn und Freude am Einkaufen Hand in Hand. Ihre Produkte wählt sie sorgfältig aus. „So ökologisch und regional wie möglich“ müsse alles sein. Da kommt es schon mal vor, dass eine Tomate anders aussieht als die andere.

In all ihrem Tun stecken Liebe und ein großes Herz für Mensch und Natur. Wenn ein Kunde ihren Laden betritt, hört man erst einmal ein fröhliches „Hallo, wie geht es dir heute?“. Kaum 26 Quadratmeter groß ist der Dorfladen Naturfein. Trotzdem findet man hier alles für den täglichen Gebrauch.

Der Dorfladen Naturfein in Rehrosbach: Janine Schorer ergriff ihre Chance

In der Corona-Krise hatte der Laden auf: Die Kunden dankten dafür.
Bild: Sabine Roth

Wie in einem Bio-Supermarkt eben. Da gibt es frische Backwaren – abwechselnd von Bäckerei Schubert und Vollwertbäcker Schneider, frisches Gemüse und Obst genauso wie Kosmetik, Haushaltswaren, glutenfreie und vegane Köstlichkeiten, Getränke sowie Milchprodukte, Käse und vieles mehr.

Bereits als Teenager entwickelte Schorer ein Bewusstsein für Umwelt, gutes Essen, aber auch für die Missstände in unserer Zeit. Nach ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin arbeitete sie zunächst als Tanz- und Körperpädagogin und jobbte nebenbei in einem Bio-Hofladen.

Als der 2016 schloss und sie fast zur gleichen Zeit erfuhr, dass das kleine Geschäft in Rehrosbach leer steht, wusste sie, das ist ihre Chance. Und sie entschied sich innerhalb einer Woche dafür, diesen Laden mit Leben zu füllen.

Ein Bild der alten Dora, der früheren Inhaberin, hängt immer noch an der Wand, und die fast hundertjährige Theke erhielt von Schorer einen neuen Anstrich und eine neue Arbeitsplatte.

Dorfladen Naturfein in Rehrosbach ist nun eine feste Institution

Inzwischen ist ihr Dorfladen Naturfein zu einer festen Institution im Umkreis geworden. „Regionale Versorgung ist mir sehr wichtig. Dabei ist Bio das Einzige für mich, das Sinn macht, wenn wir und die Natur überleben wollen“, sagt sie. „Dafür müssen wir in der heutigen Zeit selbst die Strukturen schaffen, die wir uns wünschen.“

Das Geschäft mache zwar viel Arbeit, sagt die Betreiberin. Aber wenn sie merke, dass ihre Kunden sich für ihre Ideen begeistern lassen und spüren, dass sich das Richtige auch am besten anfühlt, ist das für Schorer das Schönste an ihrer Arbeit und sie ist glücklich.

Ein Einkaufserlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Ab 3. August macht das Team seine verdiente Sommerpause und freut sich darauf, die Kunden ab dem 8. September mit neuem Schwung begrüßen zu dürfen.

In unserer Serie stellen wir Hofläden aus dem Landkreis Aichach-Friedberg vor - und heute ausnahmsweise einen besonderen Dorfladen. Nächste Woche ist der Dominikushof in Steinach an der Reihe.

Diese Hofläden in Aichach-Friedberg haben wir bereits vorgestellt:

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