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Aichach-Friedberg

26.08.2020

Handel mit Hunden aus dem Ausland: Tierheim Lechleite ist insolvent

Was geschah wirklich im Tierheim Lechleite? Eine Betriebsprüfung bestätigte den Verdacht, dass dort mit Tieren aus dem Ausland gehandelt wurde. Das hat nun dramatische Konsequenzen für den Trägerverein.
Bild: Ute Krogull

Plus Prüfer des Finanzamtes stellten wohl fest: Im Tierheim in Friedberg stand Tierhandel im Vordergrund. Die Folgen: Verlust der Gemeinnützigkeit und Steuerschulden.

Das Drama um das Tierheim Lechleite geht in eine neue Runde: Der Notvorstand des Trägervereins hat diese Woche Insolvenz angemeldet, denn der Verein könnte bevorstehende hohe Steuernachzahlungen nicht begleichen. Hintergrund sind laut dem Interimsvorstand die Ergebnisse einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt. Dabei stellte sich offenbar heraus, dass bei der Einrichtung ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht die Fürsorge für Tiere, sondern der Tierhandel im Vordergrund gestanden hatte. Die Betriebsprüfung der Jahre 2014 bis 2016 bestätigt damit einen Verdacht, den Insider schon lange hegten: Das Tierheim handele mit Hunden aus dem Ausland.

Ein solcher gewerbsmäßiger Handel würde dazu führen, dass dem Trägerverein die Gemeinnützigkeit aberkannt wird. Dann müsste er Steuern für Mitgliederbeiträge, Spenden und sonstige Zuwendungen wie Erbschaften nachzahlen, erläutert Sabine Gassner auf Anfrage unserer Redaktion. Gassner, Geschäftsführerin des Tierschutzvereins Augsburg, und der Augsburger Rechtsanwalt Marcus R. Klopfer waren im Juni vom Registergericht Augsburg als Notvorstand des Vereins gegen Tierversuche und Tierquälerei e.V. eingesetzt worden, nachdem der vormalige Vorstand, der erst im Dezember gewählt worden war, zurückgetreten war.

Friedberger Tierheim Lechleite sah sich Vorwürfen konfrontiert

Das Tierheim wurde 1993 in Derching eröffnet und nahm viele Jahre Fund- und Pensionstiere aus dem ganzen Landkreis Aichach-Friedberg auf. Im Sommer 2018 wandten sich Vereinsmitglieder an unsere Redaktion. Ihr Vorwurf: Hunde würden nicht artgerecht gehalten und gefüttert.

Die Hygiene und die Versorgung seien katastrophal. Einige Tiere seien außerdem nicht vom Tierarzt behandelt worden, obwohl dies nötig gewesen wäre.

Nachdem die Gründerin und langjährige Leiterin nach einer Anzeige aus Mitgliederkreisen rechtskräftig wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verurteilt worden war, verbot ihr das Veterinäramt Aichach-Friedberg die Führung der Einrichtung und des Vereins. Als die über 80-Jährige dem nicht Folge leistete, wurde die Einrichtung im April 2019 vom Landratsamt geschlossen. Sie steht seitdem leer.

Die Notvorstände Gassner und Klopfer hatten ab Juni die Aufgabe, die finanzielle Situation zu prüfen und eine Mitgliederversammlung einzuberufen, die die Zukunft berät und einen neuen Vorstand wählt. Doch selbst eine Mitgliederversammlung ist laut Gassner nicht möglich. Man könne anhand der vorliegenden Unterlagen nicht garantieren, dass alle Mitglieder eingeladen werden bzw. dass alle, die auf Mitgliedslisten stehen, auch rechtmäßige Mitglieder sind.

Finanzamt prüft das Friedberger Tierheim Lechleite

Parallel lief die Betriebsprüfung des Finanzamtes für 2014 bis 2016; die weiteren Jahre bis zur Schließung 2019 stehen noch aus. Die Prüfer fanden laut Gassner heraus, dass im entsprechenden Zeitraum mehrere Hundert Hunde, unter anderem rumänische Straßenhunde, verkauft worden waren. Der ursprüngliche gemeinnützige Zweck sei dem bisherigen Stand der Prüfungen zufolge nicht mehr erfüllt gewesen.

Dieses Foto aus dem Tierheim Lechleite in Friedberg-Derching zeigt, wie sich Hunde trotz starken Regens in verschlammten Außenzwingern aufhalten.
Bild: Melanie Scharm (Archiv)

Noch stehe nicht fest, wie hoch die drohenden Rückzahlungen sind, so Gassner weiter. Klar sei allerdings: Der Verein gegen Tierversuche und Tierquälerei könne sie nicht zahlen. Momentan prüfe eine Münchner Kanzlei den Insolvenzantrag; der dort zuständige Rechtsanwalt war am Dienstag für unsere Redaktion nicht erreichbar.

Wie ist die Zukunft des Tierheims in Friedberg-Derching?

Laut Gassner muss das Tierheim Lechleite wohl verkauft oder versteigert werden, um die Forderungen des Finanzamtes decken zu können. Der Tierschutzverein Augsburg habe Interesse, allerdings müsse dies der Vorstand noch besprechen. Eine Übernahme war im vergangenen Jahr am Votum der Mitgliederversammlung gescheitert.

Und wie sieht die Situation für die frühere Vorsitzende und ihren Stellvertreter aus? Das ist Insidern zufolge unklar. Klar ist aber: Spender konnten Spenden steuerlich geltend machen. Dadurch entstand dem Staat rückwirkend Schaden, für den die Verantwortlichen (nicht die gutgläubigen Spender selbst) belangt werden können. Und Vereinsvorsitzende haften in der Regel mit ihrem Privatvermögen.

Lesen Sie dazu den Kommentar von Ute Krogull: Vorgänge im Friedberger Tierheim Lechleite sind skandalös

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Die Diskussion ist geschlossen.

26.08.2020

Wirklich wundern tut einen das nicht mehr, wenn man das Drama um diesen Tier'schutz'verein und seine dominante frühere Vorsitzende mitbekommen hat.

Was wundert ist lediglich, dass es so viele Mitglieder gab (und gibt?), die ihr bis zuletzt die Treue gehalten haben, obwohl ihre Defizite mehr als offensichtlich waren und dass man vermutlich aus reiner Eifersüchtelei bei der Übernahme das Tierheim Augsburg ausgebootet hat. Völlig unverständlich dieses Agieren. Es werden dringend Räumlichkeiten für in Not geratene Tiere benötigt und die Lechleite steht nun seit dem Beschluss des Vereins vom August 2019 leer. Vom potenziellen Übernehmer Markus Ziegler hört und liest man auch nichts mehr. Möglich, dass sein Vorhaben scheitert, weil er nicht gemeinnützig ist und deshalb eine Ablöse zahlen müsste. Hätte man sich alles ersparen können, wenn man vernunftbegabt gehandelt hätte. Dies scheint in diesem Verein aber nicht möglich zu sein. So möge er sich endlich auflösen, damit die Einrichtung wieder ihrem eigentlichen Zweck zugeführt werden kann.

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26.08.2020

Eine Schande was aus diesem Tierheim geworden ist.
Jetzt wäre der Zeitpunkt dort etwas neues anzufangen und es diesmal besser zu machen, d.h. zum Wohle der Tiere!

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