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Gemeinderat in Mering

31.01.2019

Heckenschnitt: Gartenbesitzer protestieren

Zu eher unüblicher Jahreszeit laufen in Mering-St. Afra die Heckenscheren. So mancher Eigentümer muss sich unfreiwillig noch einmal an die Arbeit machen.
Bild: Tomasz Zajda, Fotolia

Stück für Stück nimmt sich der Meringer Bauhof die Wohnviertel vor und fordert den Rückschnitt von Thuja, Lorbeer und Liguster bis zur Grundstücksgrenze. Betroffene in St. Afra ärgern sich.

Bauhoffahrzeuge, Mütter mit Kinderwagen oder Behinderte haben es stellenweise schwer, wenn alte Thujahecken oder andere Pflanzen weit über den Zaun wachsen. Einige drastische Fälle haben in Mering schon vor über zwei Jahren zu einer Grundsatzentscheidung geführt. Hecken müssen komplett bis zur Grundstücksgrenze zurück geschnitten werden. Der Vollzug des Vorhabens sorgt nun in Mering St. Afra für massiven Unmut.

Eigentlich ist es ohnehin im Bayerischen Straßen- und Wegegesetz klar geregelt. Doch seit dem Beschluss, der 2017 im Gemeinderat ohne Gegenstimmen fiel, setzt der Bauhof diese Regelung nun auch durch. Nach und nach hat die Meringer Verwaltung in mehreren Gebieten die Zustände erfasst und die betroffenen Eigentümer innerhalb einer bestimmten Frist zum Rückschnitt aufgefordert. Begeistert waren die Angeschriebenen in keinem Fall.

Denn gerade, wenn es um die beliebten Thujahecken geht, kann das auffällige Folgen haben. Die Pflanzen werden selbst bei gewissenhafter Pflege im Laufe der Jahre immer größer. Schneidet man bis aufs Holz, bleiben sie braun und unansehnlich.

Bisher seien jedoch die Rückschnitte in der erforderlichen Frist erfolgt, heißt es in der Sitzungsvorlage des Gemeinderates. Etwa 40 Prozent des Gemeindegebietes – Hartwaldstraße über Lindengreppe und alle Grundstücke östlich der Luitpoldstraße und Kirchstraße sowie Unterfeld I und II – sind demnach bereits abgearbeitet worden.

Eigentümer in Mering St. Afra sollen ihre Hecken zurückschneiden

Nun hätte es im Meringer Ortsteil St. Afra weiter gehen sollen. Die Eigentümer zu großer Hecken erhielten im August entsprechende Post. Im Dezember kontrollierte der Bauhof und forderte Eigentümer, die noch nicht oder nicht weit genug zurückgeschnitten hatten, mit Frist zum 31. Januar, noch einmal auf, ihrer Pflicht nachzukommen. Diese Frist ist nun also abgelaufen. Wenn der geforderte Rückschnitt noch nicht erfolgt ist, kann der Bauhof selbst eine Firma damit beauftragen und dies den Eigentümern in Rechnung stellen.

Das sorgt im Ortsteil St. Afra für Ärger und Unverständnis. In einer Vielzahl von Schreiben und mit Unterschriftenlisten wandten die Betroffenen sich an die Gemeinde und forderten, dass auch der Gemeinderat sich mit dem Vorgehen noch einmal beschäftigen solle. Sie halten den geforderten Rückschnitt bis zur Grundstücksgrenze für unangemessen und verweisen darauf, dass keine Behinderung entstehe, wenn die Hecken nur wenige Zentimeter in den öffentlichen Straßenraum ragen.

Verärgerte Heckenbesitzer aus Mering im Gemeinderat

Einige der Heckenbesitzer waren in die Gemeinderatssitzung gekommen, um die Diskussion zu verfolgen. Das Gremium sollte laut Sitzungsvorlage den alten Beschluss noch einmal bekräftigen, nämlich, dass Hecken und Sträucher und alle sonstigen Anpflanzungen gemäß dem Straßen-und Wegegesetz zurückgeschnitten werden müssen.

Als Entscheidungshilfe zeigte Bauhofleiter Claudius Hirner einige Fotos aus Mering St. Afra. Diese illustrieren, wie gerade bei viel Schnee die Hecken in die Wege hängen und Fahrzeuge des Bauhofs kaum noch durchkommen. Zu sehen waren aber auch sehr gepflegte Hecken, die nur wenig in den Gehwegbereich ragten.

Mit deutlichem Unbehagen reagierten viele der Gemeinderäte auf die geforderte Entscheidung. Grünen-Sprecherin Petra von Thienen meinte, dass sie bei den gezeigten Beispielen nirgends eine massive der Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit sehen könne. „Wir wollen alle nicht, dass die Leute stattdessen Mauern um ihre Gärten bauen“, sagte sie. Sie äußerte sich zuversichtlich, dass die Verwaltung in der Lage sei, gemeinsam mit den Leuten eine Lösung zu finden.

CSU-Fraktionssprecher Georg Resch wunderte sich über die Widerstände, schließlich gebe es ein eindeutiges Gesetz. Er fügte jedoch auch an: „Natürlich kann man da Fingerspitzengefühl walten lassen und das tut der Bauhof sicher auch!“. Dem Gegrummel aus dem Zuhörerraum war zu entnehmen, dass die Anwohner in St. Afra dies anders empfinden.

Auch Florian Mayer (CSU) meinte: „Wir brauchen keinen neuen Beschluss, wir stehen hinter dem Bauhof. Aber in der Praxis muss eben der Bauhof entscheiden“.

Bürgermeister Hans-Dieter Kandler schimpfte: „Das ist ein jämmerliches Rumgeeier“. Und Bauhofleiter Hirner klang schon fast verzweifelt. „Was ist Augenmaß?! Das sieht jeder anders“, sagte er. Das einzige, woran er sich halten könne, sei die Rechtslage und die sieht die Grundstücksgrenze als maßgeblich an.

Reiner Heinrich (SPD) fügte an, dass es ein Schlag ins Gesicht sei, für alle die sich daran halten, wenn man hier in diesem Bereich von St. Afra nachgebe. Letzten Endes rang sich der Gemeinderat – mit der Gegenstimme von Florian Mayer – doch dazu durch, seinen Beschluss von 2017 noch einmal zu bekräftigen – sehr zum Unmut der betroffenen Eigentümer.

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