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Kissing

08.07.2017

Heimische Heilkräuter mit besonderer Kraft

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2 Bilder
An der Pflanze riechen, schmecken und fühlen dürfen die Teilnehmer der spirituellen Kräuterwanderung in Kissing.
Bild: Manuela Krämer

Über 20 verschiedene Gewächse entdeckten die Teilnehmer bei der spirituellen Wanderung am Weitmannsee. Uwe Bublies aus Kissing erklärt, was gegessen werden kann.

Einst ist er künstlich entstanden – durch den Kiesabbau der Firma Weitmann. Nun wachsen am beliebten Badesee in Kissing viele Kräuter. Gleich neben dem Restaurant, wo an heißen Tagen Sonnenhungrige liegen, breitet sich ein Teppich aus Braunelle und Gänsefingerkraut aus. Letzteres erkennt man an seinen gefiederten Blättern.

In den unscheinbaren Bodendeckern stecken ungeahnte Kräfte: Verdauungsbeschwerden und Atemwegserkrankungen lassen sich mit den Pflanzen lindern. Wenige Meter weiter begegnet man dem Alant kurz vor der Blüte. Früher war er ein bekanntes Asthmamittel und in fast jedem Bauerngarten Zuhause, erklärt Natur- und Yogalehrer Uwe Bublies, der die Kräuterwanderung leitet.

Nebenan streckt das heimische Eisenkraut seine starren Stängel gen Himmel: „Unsere heimische Variante der Verbena hat viele Bitterstoffe, wirkt stärkend für Leber und Galle und wurde früher zur rituellen Reinigung der Tempel verwendet“, weiß Bublies. Die kraftvolle Verwandte der südamerikanischen Zitronenverbene schmeckt bitter. Was denn von einer Heilpflanze essbar sei und wie viel, fragt eine Teilnehmerin. „In der Regel können Blüte, Blätter und Wurzel verwendet werden“, erklärt der Naturlehrer. Im Frühjahr, wenn Blätter und Stängel noch zart sind, sei die Kraft der Kräuter am stärksten. Verwenden könne man sowohl „frisch Gezupftes“ als auch Getrocknetes. Nur Hahnenfußgewächse sollten getrocknet verwendet werden.

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Bublies lädt zum ganzheitlichen Betrachten der Pflanze durch Riechen, Fühlen und Schmecken ein, denn „Pflanzen tragen ihre Aura mehr nach außen, als wir Menschen“, sagt er.

So wirke ein Tee aus der Weidenrinde, wie Aspirin, doch ohne Nebenwirkungen, weil man so alle Wirkstoffe samt ätherischer Öle der Pflanze zu sich nimmt, statt, wie in der Tablette, einen Bestandteil. Ein paar Grundregeln im Umgang mit Wildkräutern gibt es doch: Nur pflücken, was man gut kennt, nicht zu viel von einer Pflanze und am besten mehrere Kräuter zusammen essen.

„Aussehen, Geschmack und Geruch sagen eine Menge über Pflanzen aus“, erklärt Bublies und zeigt auf eine Brennnessel: „Sie wehrt sich, indem sie bei Berührung ihr Nesselgift abgibt. So wird sie nicht gefressen. Doch giftig ist sie nicht, im Gegenteil, eher blutreinigend und stoffwechselanregend.“ Eine Teilnehmerin zeigt, wie sie Brennnessel-Samen erntet: „Die nussig schmeckenden Körnchen kommen bei mir als Gewürz auf den Tisch“. Bei den meisten Teilnehmern stehen Heilkräuter auf dem Speiseplan, dennoch gibt es auch Neues zu entdecken, als zum Beispiel Bublies den Unterschied zwischen dem giftigen Riesen-Bärenklau (Herakleum) und der Engelwurz (Angelika) zeigt. Auch dieser Doldenblütler wurde früher als Heilpflanze angebaut, weil sie einen kräftigen Schutz gegen Viren bieten kann. Momentan hat die Engelwurz am Weitmannsee dicke, fleischige Samenstände.

„Ist ja lecker“, staunt sogar Marion Lehmann. Die Besitzerin der „Bio Emma“ auf dem Augsburger Stadtmarkt ist extra aus Langenneufnach angereist und zeigt sich begeistert über die Vielfalt der Heilpflanzen: „Fast nach jedem Schritt findet man hier ein weiteres Kraut.“ Unverständlich erscheint dagegen ihr und anderen Teilnehmern die geplante, womöglich vierspurige, Osttangente. Sie bedroht laut Umweltschützern Flora und Fauna der Kissinger Heide.

Als Uwe Bublies zur Gehmeditation seine japanische Meditationsflöte Shakuhachi erklingen lässt, wird die Stille „laut“: der Galgenbach gurgelt, die Gräser und Blätter rauschen.

Wenig später – und ein paar duftende Kräuter kauend – machen sich die Teilnehmer auf ihren Heimweg zurück in den Alltag. Die spirituelle Kräuterwanderung hat Spaß gemacht, denn sie weckt nicht nur alle Sinne, sondern ist auch sehr lecker, so das allgemeine Fazit. „Und das Vergissmeinnicht?“, fragt eine Teilnehmerin. „Giftig aber sehr schön“, schmunzelt Bublies.

Kontakt Die freien Treffen mit Yogalehrer Uwe Bublies und Heilpraktiker Ludwig Kneißl finden regelmäßig am ersten Samstag und am zweiten Sonntag im Monat statt. Interessierte können sich unter Telefon 08233/8880 anmelden.

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