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Friedberg-Rederzhausen

07.10.2019

Hermann Köllensperger kochte schon für Willy Brandt

Seniorchef Hermann Köllensperger sorgt jeden Tag in der Metzgerei in Rederzhausen für das Mittagessen. Die Küche ist sein Reich.
Bild: Sabine Roth

Plus Hermann Köllensperger liebt seinen Beruf seit 60 Jahren. Er arbeitet noch jeden Tag in der Metzgerei der Familie in Rederzhausen mit.

Sein Alter sieht man Hermann Köllensperger nicht an. Jeden Morgen um 9.30 Uhr kommt er in die Metzgerei und greift seiner Familie unter die Arme, vor allem kümmert er sich um das warme Mittagessen. „Ich koche in der Woche für mehrere hundert Leute, außer ich bin im Urlaub oder krank“, sagt der 77-Jährige.

Seine Gerichte gibt es in einer großen Auswahl. Man muss sie zu Hause nur noch aufwärmen. Auf seine bayerische Schürze mit der Aufschrift „Berufskoch und Metzgermeister Hermann Köllensperger“ ist er besonders stolz. Dazu trägt er eine Kochhaube in weiß.

Als unsere Redaktion bei ihm zu Besuch war, bereitete er zwei Steaks mit selbst gemachten Bandnudeln, Oliven und Tomaten sowie Kräutern zu. Am liebsten verwendet er Rapsöl, denn das „ist das Olivenöl der Deutschen. Es enthält viel Vitamin A“. Dieses Fett brauche man für das Gehirn. Chemie kommt beim Meisterkoch nicht in Frage: „Bei mir ist alles selbst gemacht.“

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Die Eltern von Hermann Köllensperger hatten eine Wirtschaft in Ottmaring

All seine Erinnerungsstücke, die Pokale, Urkunden sowie zahlreiche Bilder hat er stolz auf den Tischen zurechtgelegt und er blickt gerne auf sein Berufsleben zurück. „Das Kochen habe ich von der Pike an gelernt. Das ist mein Leben“, so Köllensperger, der in einer Wirtsfamilie aufgewachsen ist. Seine Eltern hatten das Gasthaus Waldhorn mit angeschlossener Metzgerei in Ottmaring.

Für ihn kam deshalb nie etwas anderes in Frage. Als junger Mann begann er deshalb nach der Schule mit einer Metzgerlehre begonnen. Das war vor über 60 Jahren. Seinen Gesellenbrief machte hat er im Jahr 1956. Danach ging er als Koch im Hotel Ost in Augsburg in die Lehre.

In Kissing arbeitete er im Gasthaus Gunzenlee

„Diese beiden Berufe ergänzen sich sehr gut“, sagt er. Sein Weg führte den jungen Koch nach der Ausbildung ins Gunzenlee nach Kissing. Dort waren sogar hochkarätige Politiker wie Willy Brandt und Thomas Goppel zu Gast, erinnert er sich gerne zurück. Im Gunzenlee lernte er unter anderem von einem chinesischen Koch, wie man eine Ente ohne Messerschnitt entbeint und gefüllt zubereitet. „Meine Enten sind auf jedem Büfett seitdem wahre Meisterstücke, da sieht man keine Naht.“

Seine Meisterprüfung im Metzgerhandwerkschloss er im November 1964 mit „sehr gut“ ab. Dann ging er nach Bad Wiessee an den Tegernsee in ein Hotel, anschließend verschlug es ihn in den hohen Norden nach Kiel. „Da oben war es mir aber zu windig“, sagt Köllensperger lachen. Er kam zurück und stieg in die elterliche Metzgerei ein. Neben dem Hauptgeschäft in Rederzhausen gab es eine Filiale in Friedberg neben Foto Hatzold. „Da habe ich den jungen Hausfrauen gerne Tipps gegeben, was sie kochen sollen.“

Immer wieder nahm er an internationalen Kochkunstschauen teilgenommen und wurde mit Gold ausgezeichnet. Während seiner Geschäftstätigkeit war er zudem 29 Jahre lang Obermeister der Metzgerinnung in Aichach-Friedberg. Auch für diese Leistung hat er die höchste Auszeichnung bekommen.

Die Metzgerei Köllensperger aus Rderzhausen hatte als erste einen Partyservice

Als einer der ersten Metzgereien im Landkreis bot Köllensperger Mitte der 1980er Jahre einen Partyservice an. Auf großen Empfängen lernte er so viele bayerische Politiker kennen, darunter den damaligen Kultusminister Hans Maier, Wirtschaftsminister Anton Jaumann und CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep. Egal ob Politiker oder Normalbürger: Seine Kunden waren für ihn immer Könige. Weil er auch ihnen vieles beibringen wollte, gab er 15 Jahre lang im Keller seines Wohnhauses Kochkurse.

Legendär sind seine bunten Platten und sein Hummer sowie seine Steaks, die gefüllte Ente, seine Kraftbrühe und die doppelte Kraftbrühe. All seine Rezepte hat der Senior in einem dicken Ordner gesammelt. Da kommen einige hundert zusammen, die mehrere Bücher füllen würden.

Seine Frau Hedwig ist für ihn die wichtigste Person in seinem Leben. Seine drei Kinder sind alle ins Geschäft mit eingestiegen. Sohn Christian ist auch Metzgermeister geworden und führt heute die Metzgerei. Seine Tochter Alice ist Fleischereifachverkäuferin und für die Leitung des Geschäfts zuständig. Und seine Tochter Heike ist ebenfalls Fleischereifachverkäuferin, aber auch Steuerfachangestellte. Sie ist überwiegend im Verkauf, hilft aber auch in der Buchhaltung aus.

„Auf meine Kinder bin ich sehr stolz. Sie sind alle sehr tüchtig. Ohne sie wäre all das nicht gegangen“, sagt der Seniorchef, der sich jeden Tag freut, in der Metzgerei das Mittagessen zubereiten zu dürfen. Und das soll noch lange so bleiben, wenn es die Gesundheit zulässt.

In unserer Serie über Seniorchefs von Unternehmen berichteten wir auch über:

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