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Steindorf

15.01.2019

Hier braut der Indianer sein Bier

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Gemütlichkeit unterm Bisonkopf: Berry (links) hat seinem Lokal mit vielerlei indianischen Gegenständen ein ganz besonderes Ambiente verliehen. 
Bild: Heike John

Im kleinen Hofhegnenberg hat Brave Eagle sein Cheyenne-Reservat ausgerufen. Wie der 72-Jährige mit deutschen Wurzeln eine neuen Heimat fand.

Jeden Freitagabend bietet Hofhegnenberg, ganz am südöstlichen Rande des Landkreises Aichach-Friedberg gelegen, für Kneipengänger einen außergewöhnlichen Anziehungspunkt. Denn nur einmal wöchentlich öffnet dort eine Wirtschaft im wilden Osten ihre Pforten: Der Wirt ist Indianer, heißtBrave Eagle und er schenkt selbstgebrautes Bier aus.

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Hofhegnenberg ist nicht der einzige Ort in der Region, wo es (fast) so zugeht wie im Wilden Westen. Bekannt geworden ist das „Four Corners“ in Untermeitingen durch seine regelmäßigen Country-Konzert und anderen Events. Nun hat also auch vor gut zweieinhalb Jahren Brave Eagle gleich am Ortseingang von Hofhegnenberg seine Zelte aufgebaut. Ganz unscheinbar duckt sich das alte Häuschen, von Steindorf kommend, am Straßenrand. Nur die Feuerstelle und ein Totempfahl im kleinen Garten weisen darauf hin, dass sich in dem Gebäude etwas Besonderes verbirgt. Wer die Tür aufzieht und in das niedrige Gebäude eintritt, wird gleich herzlich begrüßt. Denn Brave Eagle, der sich bürgerlich Berry nennt, pflegt indianische Gastlichkeit. „Du kommst rein und bist sofort mit dabei“ – so beschreiben Gäste ihren Eindruck.

Jeder Winkel zeugt von der indianischen Herkunft des Wirts

Zunächst schart man sich vorwiegend um die Bar, im Laufe des Abends füllen sich dann auch die beiden kleinen Gasträume. Hier zeugt jeder Winkel von der indianischen Herkunft des Wirts, Federschmuck, Felle und Fotos zieren die Wände, Traumfänger baumeln von der Decke und zwischen Bison- und Büffelschädel fühlt sich so mancher Besucher wie in einem Tipi in der weiten Prärie.

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Vieles gehört zu Berrys Familiengeschichte, der vor 72 Jahren im US-Bundesstaat Wyoming als Sohn einer Cheyenne-Indianerin und eines deutschen Gastarbeiters geboren wurde. Seine indianischen Wurzeln verleugnet er längst nicht mehr. „Ohitika Wanbli“ prangt in großen Buchstaben auf einem Schild über der Theke – „Kühner Adler“, Berrys Cheyenne-Name.

Dieses hatte auch schon in Schmiechen seinen festen Platz, wo Berry einige Jahre sein selbst gebrautes Indianerbier ausschenkte und die Mitglieder des Indian Culture Clubs um sich scharte. Dort musste er weichen und fand in Hofhegnenberg einen neue Heimat. „Ursprünglich wollte ich mal Innenarchitektur studieren, doch es kam anders“, erzählt Berry. Dass er einen guten räumlichen Blick hat, kam ihm bei der Einrichtung seines neuen Domizils zugute. Vieles probierte er in seinem Berufsleben aus, so spielte er auch in Indianer-Filmen wie „Der Schuh des Manitu“ mit und sammelte jede Menge Erfahrung als Gastronom und auch in der Braukunst.

Besucher aus Günzburg schnuppern indianische Atmosphäre

Und noch etwas kann der Indianer von Hofhegnenberg gut: zuhören. „Er hat so eine ruhige Art und ist trotzdem humorvoll. Die Mischungs macht’s“, beschreibt ein Stammgast. „Man kommt rein und alles passt. Das ist ein Gefühl, das lässt sich nicht beschreiben“, schwärmt Caro. Mit ihrem Mann Uli nimmt sie sogar den weiten Weg von Günzburg auf sich, um indianische Atmosphäre zu schnuppern.

Apropos schnuppern. Von Zeit zu Zeit wird ein Räucherbündel aus getrocknetem Salbei angezündet und damit die Kneipe ausgeräuchert. Nach Indianerglauben soll dies von negativen Schwingungen und schlechten Energien befreien. Abgesehen vom guten Geruch ist dies kaum nötig. „Hier kommen nur nette Leute her und wir sind fast wie eine Familie“, findet Manni, der gleich im Nachbarhaus wohnt. Da brauchts noch nicht mal eine Friedenspfeife. Auch Eugen von gegenüber ist freitags immer da und steht dann gerne auch mal hinter der Bar.

Der Kachelofen verbreitet angenehme Wärme und Caro will eigentlich gar nicht mehr raus in die Kälte, um nach Günzburg zurückzufahren. Schnell wurde sie auch Mitglied im Indian Culture Club, der bei Berry sein Vereinslokal hat.

Der Totempfahl im Garten weist auf die besondere Gastwirtschaft in Hofhegnenberg hin.
Bild: Heike John

„Hier ist einfach alles stimmig“, findet Daniel Drechsel. Der 32-Jährige ist seit einem Jahr dabei und hat nun das Amt des Vereinsvorstands. Seit August ist auch der Anbau für die Ein-Mann-Brauerei fertig und endlich kann wieder das Cheyenne Beer ausgeschenkt werden. „Ich betreibe die „kleinste Brauerei östlich des Mississippi“, sagt Brave Eagle und lacht. In seiner Cheyenne Beer Factory hat er mittlerweile fünf verschiedene Bierkreationen vom süffigen Fassbier bis zum leichten Pils.

Kontakt Herzog-Wilhelm-Straße 2 in Hofhegnenberg, Telefon 08202/7282615, kontakt@indianculture-club.de; Jeden Freitag ab 18 Uhr öffnet das Vereinsheim für jedermann. Ausgeschenkt wird selbstgebrautes Cheyenne Bier.

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