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Steindorf

03.09.2019

Hochwasserschutz: Der Damm in Steindorf steht

Hochwasserschutz
3 Bilder
Der Damm für den Hochwasserschutz in Steindorf ist fertiggestellt: Im Bild der Durchlass, der die Wasserzufuhr in den Ableitungsgraben und den Schmitterbach steuert.
Bild: Philipp Schröders

Plus Der Schmitterbach hat in der Vergangenheit verheerende Schäden in der kleinen Gemeinde angerichtet. Nun wird der Kernort vor Hochwasser geschützt. Wie das funktioniert.

Eigentlich ist die Hochwasserschutzanlage in Steindorf schon seit zwei Jahren einsatzbereit. Eine offizielle Einweihung nach der Fertigstellung des Großprojekts gab es aber noch nicht. Erst vor Kurzem haben die beauftragten Unternehmen und das Ingenieurbüro die Schlussrechnung bei der Gemeinde eingereicht. „Die Firmen sind alle ausgebucht und haben daher etwas länger damit gewartet“, sagt Bürgermeister Paul Wecker und schmunzelt. Der Kernort wird bereits seit Ende 2017 geschützt.

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Der Schmitterbach fädelt sich mitten durch Steindorf. Auf den ersten Blick wirkt er harmlos. Doch beim Pfingsthochwasser 1999 und im Jahr 2006 trat er weit über die Ufer und richtete massive Schäden an. Teilweise seien Grundstücke noch in 100 Meter Entfernung betroffen gewesen, sagt Wecker.

Ein 190 Meter langer Damm in Steindorf

Nun haben Arbeiter südlich von Steindorf einen rund 190 Meter langen Damm errichtet, der teilweise über dreieinhalb Meter hoch ist. Im Notfall staut er das Wasser in einem Rückhalteraum – vor allem Felder – der ein Volumen von über 56.000 Kubikmetern umfasst. Die reinen Bau- und Planungskosten sind mit rund 2,2 Millionen Euro deutlich geringer ausgefallen, als ursprünglich gedacht. Vor dem Baubeginn im März 2017 waren 2,6 Millionen Euro angesetzt. Laut Wecker stellte sich während der Arbeiten heraus, dass der Untergrund für das Vorhaben besser geeignet war, als ursprünglich angenommen. Daher konnten die Kosten gesenkt werden.

Für eine Gemeinde, die gerade mal rund 960 Einwohner hat, ist das aber immer noch eine stolze Summe, auch wenn die Kommune nicht alles selbst stemmen musste. Der Freistaat unterstützt das Projekt mit 1,4 Millionen Euro. Weckers Parteikollege, der CSU-Landtagsabgeordnete Peter Tomaschko, hatte sich dafür eingesetzt, dass Steindorf als sogenannter „Raum mit besonderem Handlungsbedarf“ eingestuft wird. Dadurch erhielt die Gemeinde mehr Fördergelder. „Ich glaube, das ist ein gutes Beispiel, wie man den ländlichen Raum nachhaltig fördert und damit auch sagt, die Gemeinden gerade im Land sind uns sehr wichtig“, erklärt Tomaschko.

Steindorf wird durch einen Damm vor Hochwasser geschützt. Im Video erklärt Bürgermeister Paul Wecker, warum der Abschluss des Projekts so wichtig ist.
Video: Philipp Schröders

Bürgermeister Wecker ist froh, dass das Vorhaben reibungslos umgesetzt wurde. „Das war ein wesentlicher Schritt für die Entwicklung in der Gemeinde.“ Nun seien die Betriebe und Gebäude im Kernort geschützt. Von den Anliegern habe es keine Einwände gegeben. Auch die Landwirte hätten die für den Damm benötigten Grundstücke – nicht alle waren im Besitz der Gemeinde – hergegeben. Für Verwunderung sorgte, dass beim Bau des Damms zahlreiche Granitsteine verwendet wurden. Andere Bauten dieser Art bestehen fast ausschließlich aus lehmigen Aufschüttmaterial. Wecker erklärt, dass das mit der speziellen Bauweise in Steindorf zusammenhängt. Als Maßstab für den Katastrophenfall gilt ein Hochwasser, das statistisch alle 100 Jahre wiederkehrt – ein sogenanntes HQ 100. Sollte es aber doch zu einem noch schlimmeren Vorfall kommen, zum Beispiel einem HQ 500, muss gewährleistet sein, dass der Damm nicht weggespült wird. In Steindorf wird das durch die Granitsteine verhindert, das Wasser fließt im absoluten Extremfall gleichmäßig über den Rand des Damms.

Der Damm für den Hochwasserschutz in Steindorf ist fertiggestellt: Im Bild der Durchlass. Bei Hochwasser halten die Holzstämme Treibholz ab.

Insgesamt sind 4500 Tonnen Granit verbaut worden, dazu kommen 2000 Tonnen Beton und 4800 Kubikmeter Dammschüttmaterial. Im Ort wurden zwei neue Durchlässe beim Weiherweg und der Kirchstraße errichtet. Unter dem Gelände der Firma Oilquick und der Hauptstraße verläuft der Schmitterbach nun durch Rohre.

Die Anlage in Steindorf wird automatisch gesteuert

Der Durchlass am Damm wird vollkommen automatisch, aber mechanisch, gesteuert. Ein Stromanschluss musste nicht verlegt werden. Ein Schwimmer, ein viereckiger Kasten, regelt inwieweit der Schieber den Durchlass zum Ableitungsgraben öffnet oder schließt. Gemeindemitarbeiter müssen im Grunde nur zur Wartung hinaus. Inzwischen fügt sich der Damm in die Landschaft ein. Sowohl der Wall selbst als auch die Flächen ringsherum sind grün. „Ich bin froh, dass Gras darüber gewachsen ist. Das schaut neu relativ furchtbar aus dieser technische Hochwasserschutz“, sagt Wecker. Als Auflage musste die Gemeinde Ausgleichsflächen schaffen. Sie ließ in der Nähe des Damms einen großen Blühstreifen anlegen. Wecker spricht von rund 2500 Pflanzen. Zudem wurden ein halber Hektar Wald wieder aufgeforstet und eine kleine Allee mit Eichen geschaffen.

Mitten durch das Gebiet verläuft die Ablaufmulde, die bei Hochwasser den gedrosselten Abfluss in den Schmitterbach leitet. Der kleine Graben ist auch begrünt und inzwischen teilweise kaum mehr erkennbar. Wecker ist mit dem Ergebnis sehr zu frieden. „Ich habe schon positive Rückmeldungen bekommen. Vorher war das intensive Landwirtschaft, jetzt ist es fast ein kleines Naherholungsgebiet“, sagt er.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Hochwasserschutz: Steindorf schafft zwei Kunststücke

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