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Friedberg

05.10.2019

Hohe Mieten erschweren den Zugang zum Schloss

Die Schlossbrücke kann in den Stadt- oder anderen Farben beleuchtet werden. Dieses und andere architektonische Details machen den Charme aus. Allerdings können sich viele die Mieten nicht leisten.
Bild: Peter Fastl

Plus Ein Jahr nach der Wiedereröffnung ist klar: Die Friedberger mögen ihr „neues“ Schloss. Einige Wünsche haben Kulturschaffende und Nachbarn jedoch noch.

Irgendwann im Sommer wurde es Josef Metzger, der neben dem Schloss wohnt, zu viel. Zwar war die Privatparty nachts um 2 zu Ende, doch bis um 4 Uhr schepperte es auf der Brücke, als der Caterer seine Ausstattung einlud. Solche Vorkommnisse waren es, die die Nachbarn vor der Sanierung gefürchtet hatten.

Wie sehen sie die Situation jetzt? Metzger sagt: „Wir sind froh, dass wir damals den Kampf geführt haben.“ 365 Veranstaltungstage im Jahr, das wäre zu viel gewesen. Nachdem Metzger und drei weitere Kläger gegen die Stadt juristisch vorgegangen waren, gab es eine außergerichtliche Einigung (165 Veranstaltungstage, bestimmte Schlusszeiten).

Vor einem Jahr wurde das Friedberger Schloss neu eröffnet. Die Kosten für die jahrelange Sanierung liegen nach jetziger Schätzung bei fast 24 Millionen Euro.

Mit dem Kompromiss könne man leben, doch in manchen Punkten müsse man nachbessern, so Metzger. So sei die Straße Im Tal entgegen der Vereinbarung immer dann nicht mit Pollern gesperrt, wenn Großveranstaltungen in der Stadtmitte stattfinden. Das sorge für viel Verkehr. Insgesamt habe man „gefühlt 20 Mal mehr Leute“ (und Lärm) als früher.

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Das Schloss entzweite Friedberg

Nicht nur Nachbarn hatten im Vorfeld Probleme gesehen. Das Schloss entzweite die Stadt, die CSU initiierte ein Bürgerbegehren. Ein Jahr nach der Wiedereröffnung, scheint das großteils Schnee von gestern. Claudia Eser-Schuberth von den Grünen drückt es so aus: „So viel die Leute geschimpft haben, so sehr werden nachfolgende Generationen uns loben.“ Lob gibt es vor allem für Architektur, für das vielfältige Programm und die Arbeit des Schloss-Teams um Sonja Weinfurtner und Petra Volles. Ein Aber hat jedoch fast jeder auf der Zunge.

Die Grünen etwa hatten sich für das Konzept des „Bürgerschlosses“ eingesetzt. „Schließlich haben es alle Bürger bezahlt.“ Deswegen fordern sie, die Mieten nochmals zu senken. 300 Euro für eine zweieinhalbstündige Infoveranstaltung in einem der Stuckzimmer – das konnte sich die Partei nicht leisten.

An den Kosten wird es wohl auch scheitern, dass die „Bürger für Friedberg“ im Rahmen der „Nacht der Sterne“ das Schloss bespielen. 2000 Euro für die Säle und den Hof, das gehe nicht, so Franz Reißner. Er habe aber nicht versucht herunterzuhandeln. „Wir haben die Mieten und die müssen gezahlt werden“, meint der SPD-Stadtrat.

Mieten und komplizierter Belegungsplan schrecken auch den Heimatverein ab. Vorsitzende Regine Nägele: „Es ist wunderschön geworden, aber so heimelig wie früher, wo man einfach mal einen Vortrag für 50 Leute dort machen konnte, ist es nicht mehr.“ Auch ihren Geburtstag feierte Nägele woanders – zu teuer. Ob der Aufwand an Wachleuten, die viel Geld kosten, wirklich immer sein müsse, fragt sie sich.

Am besten fahren Kulturschaffende, wenn die Stadt als (Mit-)Veranstalter auftritt. So beim Gitarrenfestival von Stefan Schmidt – er hätte das mehrtägige Format sonst nicht stemmen können. Publikum und Interpreten seien von der „superschönen Location“ begeistert gewesen. Es soll eine Neuauflage geben. Dass Zwangspause wegen der Landesausstellung ist, kommt ihm gelegen. „Das ist bei Festivals oft so.“

Friedberg soll keine Kopie sein

Kunstschulleiterin Rose Maier Haid organisiert die „Friedberger Kunstausstellung“ für die Stadt – heuer erstmals im Schloss. Schwierig sei die Vielzahl der Veranstaltungen, sagt sie. Wegen einer Privatfeier habe sie zu wenig Zeit für die Hängung gehabt. Prinzipiell habe sich das Kulturzentrum gut entwickelt. „Erst wirkte es wie eine Kopie der Stadthallen in anderen Städten, aber jetzt kristallisiert sich mit der Rilke-Tagung bzw. der Liedermacherschule das Besondere heraus.“ Das sei wichtiger als eine Veranstaltung nach der anderen. „Dann kommt eh keiner mehr.“

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57 Bilder
So feierlich wurde das Friedberger Museum eröffnet
Bild: Peter Fastl

Eher zu viele Leute kamen, als Tanja Großmann im Rahmen des Altstadtfestes eine Lesung hatte. Weil die Obergrenze durch parallele Theateraufführungen erreicht war, wurden ihre Besucher abgewiesen. Dieses Kuddelmuddel müsse man lösen, fordert sie. Auch Großmann hatte im Vorfeld die Stimme für kleine, selbstorganisierte Formate erhoben, doch: „Der Preis ist die Gretchenfrage – und er liegt weit über dem, was man sich leisten kann.“ Weil Großmann auch schon als Sängerin im Schloss auftrat, hat sie einen großen Wunsch für den Rittersaal, den sie mit vielen Befragten teilt: „Hier muss die Akustik nachgebessert werden.“

Die CSU Friedberg hatte ein Bürgerbegehren initiiert

Insgesamt scheint das Schloss jedoch auch seine größten Kritiker überzeugt zu haben, darunter die CSU, die ein Bürgerbegehren gegen den Großen Saal und die Verlegung des Museums initiiert hatte und nur in den Substanzerhalt investieren wollte. Nach seinem Empfinden laufe es sehr positiv, so Fraktionschef Thomas Kleist. Der Saal sei gelungen. Er hat dort schon mehrere Empfänge, wenn auch noch kein Konzert besucht. Für eine genaue Bewertung will er die Schlussrechnung des ersten Jahres abwarten. „Klar ist: Wir erhöhen das Defizit durch jede städtische Veranstaltung.

Lesen Sie auch den Kommentar: Das Schloss bereichert – das kostet

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