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Kissing

24.01.2021

Ilse Bartl feiert in Kissing ihren 100. Geburtstag

Selbst hinter der Maske ist das strahlende Gesicht der 100-jährigen Ilse Bartl zu erkennen. Schwiegertochter Melanie und Sohn Christian Bartl links sowie Einrichtungsleiterin Ulrike Werlitz und Pflegedienstleiter Klaus Prim (rechts) stießen auf das Wohl der Jubilarin an.
Foto: Heike John

Plus Zum 100. Geburtstag gibt es für Ilse Bartl viele Geschenke – und in diesen besonderen Zeiten noch die zweite Corona-Impfung.

Gleich frühmorgens wurden vier Blumensträuße ins Haus Gabriel geliefert, später brachte der Postbote noch einen ganzen Stapel Glückwunschbriefe und Päckchen ins Kissinger Seniorendomizil. Ministerpräsident, Landrat und Bürgermeister, aber vor allem die große Familie und viele Freunde gratulierten Ilse Bartl auf diesem Wege zu ihrem hundertjährigen Geburtstag. Dass sie ihr Jubiläum pandemiebedingt nicht wie geplant groß feiern konnte, nahm die attraktive und gesellige Dame im Rollstuhl mit Gelassenheit.

Wer Krieg, Flucht und Vertreibung erlebt und sich aus nichts eine neue Existenz aufgebaut hat, lässt sich von einem Virus nicht so schnell unterkriegen. Aus Mährisch Schönberg im Sudetenland stammend wurde Ilse Bartl 1946 ausgesiedelt und kam zusammen mit Bruder und Mutter sowie ihrem Ehemann und den beiden kleinen Söhnen nach Blumenthal. Dort bewohnten sie bei der Försterin zu sechst zwei Zimmer.

Bis vor fünf Jahren lebte sie in Hochzoll

Kalt sei es im Winter gewesen, so weiß Sohn Christian aus den Erzählungen seiner Mutter, überall waren Eisblumen an den Fenstern, und sie habe Angst gehabt, dass er als damals Neugeborenes erfrieren würde. Allmählich gelang es der Familie, sich eine neue Existenz aufzubauen, Ehemann Rudolf Bartl fasste beruflich Fuß als Gymnasiallehrer, wurde später auch Schulberater für Schwaben, und die Familie zog 1965 in ihr eigenes Haus in Hochzoll.

Bis zu ihrem 99. Lebensjahr lebte Ilse Bartl dort, und erst ein Sturz führte dazu, dass sie seit einem Jahr auf den Rollstuhl angewiesen ist. Darum zog sie im März vergangenen Jahres ins Haus Gabriel in Kissing, dem Wohnort ihres Sohnes Christian. Das Heim kennt die Jubilarin bereits durch ihren inzwischen verstorbenen Ehemann, der gleich ab Eröffnung der Einrichtung 2009 für zweieinhalb Jahre dort Bewohner war. "Sie haben hier ein sehr schönes Haus, und ich fühle mich wohl", sagte Ilse Bartl an Einrichtungsleiterin Ulrike Werlitz und Pflegedienstleiter Klaus Prim gewandt, die der Jubilarin mit einem großen Geschenkkorb gratulierten.

Das Haus Gabriel in Kissing gehört zu den voll belegten Pflegeinrichtungen im Landkreis.
Foto: Anton Schlickenrieder (Archivfoto)

In jeder Hinsicht positiv sei sie, gesellig und an allem interessiert, schwärmen die Pflegekräfte von der hundertjährigen Bewohnerin. Ob Biathlon oder Tour de France, die Seniorin schaut sich alles im Fernseher an und kann mitreden. "Ich höre allgemein, dass ich noch fit bin", stellte Ilse Bartl mit einem charmanten Lächeln fest. "Ein Rollstuhl ist eine gute Sache, auch wenn ich ihn nicht mag." Ihre große Leidenschaft ist jedoch die Musik.

Sie hatte einen ganz besonderen Wunsch

Gerne wäre Ilse Bartl Pianistin geworden, doch der Krieg hat ihre Pläne zunichtegemacht, und auch danach war kein Geld für die Musik da. "Jahrzehntelang hat sie kein Klavier gehabt", erzählte Schwiegertochter Melanie Bartl. "Irgendwann haben wir ihr eines gebracht, und sie hat sich gleich drangesetzt und sofort die schwersten Stücke von Chopin und Liszt darauf gespielt." Im Kirchenchor sang Ilse Bartl als Altsolistin. "Sie ist ein musischer Mensch durch und durch", so schildert ihre Familie. Bei jeder Feier spielte sie ein Ständchen am Klavier, und Anlässe gab es viele, denn neben den beiden Söhnen, Sohn Werner lebt in Konstanz, hat Ilse Bartl fünf Enkelsöhne und sieben Urenkel. Auf diese ist sie besonders stolz, denn darunter sind nach der langen Reihe an männlichen Nachkommen nun auch fünf Mädchen. Noch bis zuletzt hoffte die Familie, der geliebten Oma und Uroma zum Hundertsten einen großen Empfang vor dem Kissinger Rathaus geben zu können. Ihre Chordamen aus Hochzoll hätten ein Ständchen gesungen, ein Trompetensolo war geplant, und viele Herzluftballons sollten zum Himmel steigen. "Das holen wir nach, das läuft uns nicht davon", sagte Ilse Bartl lächelnd. "Heute ist erst mal die zweite Corona-Impfung."

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