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Aichach-Friedberg

21.07.2020

Im Wittelsbacher Land sterben die Eschen ab

Auf Gut Mergenthau bei Kissing mussten bereits im Frühjahr 45 Alleebäume abgeholzt werden. Sie waren vom Eschentriebsterben befallen.
Bild: Philipp Schröders (Archiv)

Plus In ganz Europa sind die Bäume vom Pilz befallen. Das „falsche weiße Stengelbecherchen“ treibt auch in der Region sein Unwesen.

In Asien ist der Pilz schon immer weit verbreitet, jedoch nicht schädlich. Doch in den vergangenen Jahren wurde er nach Europa eingeschleppt und zerstört dort die Eschen. Was kann man gegen den Schädling tun?

„Im ersten Moment erst mal gar nichts“, sagt der Eurasburger Förster Rudolf Brandl. Gegen den Pilz Hymenoscyphus pseudoalbidus sei kein Kraut gewachsen, abholzen sei die einzig sinnvolle Methode. Der ehemalige Leiter des Forstamts Augsburg, Hartmut Dauner zeigt sich von der Situation sehr betroffen: „Die Esche war eine unserer stabilsten Bäume. Dazu war ihr Holz vielseitig einsetzbar.“

Solche Löcher frisst der Pilz in die Stämme der Esche.
Bild: Philipp Schröders

Der Befall sei sehr extrem, die Bäume seien großflächig betroffen. Besonders junge Bäume im Alter zwischen 15 und 20 Jahren seien sehr anfällig. Aber auch ältere Bäume würden dem Pilz nach einiger Zeit erliegen. Zu erkennen sei der Befall durch ockergelbe Verfärbungen an den Zweigen, ausbleibender Belaubung und absterbender Äste. Dies führe auch dazu, dass die zu fällenden Bäume im Sommer markiert werden müssen, im Winter sei der Schädling durch die fehlende Belaubung oft nicht eindeutig erkennbar.

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Doch selbst das Fällen der Bäume gestalte sich nicht einfach, da der Pilz die Wurzel abfaulen lässt. Brandl warnt deswegen vor dem Einsatz von Motorsägen: „Wenn ein Baum beim Fallen, einen anderen Befallenen auch nur streift, kann dieser umkippen.“ Das sei sehr gefährlich für die Menschen, die die Bäume fällen. Dazu könnten marode Äste aus der Krone abstürzen und die Arbeiter verletzen. Abholzen müsse man sie trotzdem. Die Eschen würden sonst die Verkehrssicherheit gefährden, da sie bereits durch einen Windstoß niederstürzen könnten. Gerade an hochfrequentierten Straßen und Wegen müsse unbedingt darauf geachtet werden. „Sollte ein Baum umfallen und die Sicherheit auf Wegen und Straßen gefährden, so haftet der Grundstückseigentümer“, so der Eurasburger.

Kaputte Eschen sind große Gefahr für Menschen und Häuser

Beispielhaft dafür sei der Friedberger Stadtwald. „Die Gefahr für die Menschen und auch für die Häuser ist zu groß. Die Eschen an der Lechleite müssen gefällt werden“, sagt Hartmut Dauner. Die Rodungen sollen in der Bevölkerung immer wieder auf Unverständnis stoßen, jedoch würde es keine andere Option geben.

Ein Förster zeigt einen geschädigten Trieb einer Esche.
Bild: dpa

Trotzdem seien die Auswirkungen dramatisch. Es fehle eine wichtige Baumart, der Lebensraum für Tiere werde kleiner, dazu komme der wirtschaftliche Verlust, da die Eschen nicht mehr vermarktet werden könnten. Das alles sei für den Eurasburger Förster auch eine Begleiterscheinung der Globalisierung: „Der Schädling wurde in den vergangenen Jahren aus Japan nach Europa eingeführt.“

Daran seien wir alle nicht unschuldig. Die Ausmaße des Eschentriebsterbens seien vergleichbar mit denen der Ulmen vor einiger Zeit. Da sei zwar ein Käfer verantwortlich gewesen, dieser habe aber auch einen Pilz mitgebracht. Die Ulmen seien dann großflächig aus dem Landschaftsbild verschwunden. Ähnliches droht nun mit der Esche. Horizonte in den Wäldern könnten auf lange Sicht nicht vermieden werden.

Die Ulmen sind schon verschwunden

Die letzte Chance könnten einige, gegen den Pilz resistente, Bäume sein. Forscher schätzen, laut dem pensionierten Leiter des Forstamts Augsburg, den resistenten Anteil auf ein Prozent. Diese würden momentan bereits untersucht und sollen zurück gepflanzt werden, sollte sich deren Resistenz bestätigen.

Diese Esche ist von einem Pilz namens Falsches Weißes Stängelbecherchen befallen. Er lässt die Triebe absterben und ist für den Baum lebensbedrohlich.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa (Archiv)

Andernfalls würde die verfügbare Baumpalette weiter schrumpfen. „Die Eichen sind vom Prozessionsspinner befallen, die Ulmen schon seit einiger Zeit verschwunden und nun die Eschen. Die verbleibenden Möglichkeiten halten sich in Grenzen“, sagt Dauner, der selbst ein Naturschutzreservat nahe Günzburg besitze.

Es bleibt nur eine Möglichkeit

Unpassend aber seien für Rudolf Brandl die Kommentare bezüglich der Rodungen. „Die Menschen urteilen, obwohl sie sehr schlecht informiert sind. Dafür ist ihre Meinung umso ausgeprägter“, sagt er. Jeder der sich mit dem Thema auseinandersetzt wisse, dass es keine andere Möglichkeit geben würde, als die Bäume zu fällen. Auch wenn diese Maßnahmen sich natürlich niemand wünsche.

Das Eschentriebsterben lässt sich nicht aufhalten: Nun müssen Gefahren gebannt werden: Das schreibt Redakteur Gerald Modlinger in seinem Kommentar - Pilzbefall im Wittelsbacher Land: Der Tod der Eschen ist nicht aufzuhalten

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