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Friedberg

22.01.2021

Impfungen bei Pro Seniore in Friedberg: Endlich immun gegen Corona

Auch Einrichtungsleiterin Jeanette Kleespies (rechts) ließ sich bei Pro Seniore vom mobilen Impfteam immunisieren. Mehrere Mitrabeiter und Bewohner wurden nun zum zweiten Mal geimpft.
Bild: Nikolai Röhrich

Plus Für manche Senioren und Mitarbeiter des Pflegeheims Pro Seniore in Friedberg ist es bereits die zweite Corona-Impfung. Warum die Impfbereitschaft steigt.

Altersheime erinnern gerade an Hochsicherheitstrakte. Vor der Seniorenresidenz Pro Seniore in Friedberg-Süd wimmelt es von Hinweisschildern, vor dem Eingang steht ein Sicherheitsmann. Besucher von Senioren, die nur einzeln und mit Termin für maximal eine halbe Stunde eingelassen werden, müssen einen Schnelltest auf das SARS-CoV-2-Virus über sich ergehen lassen. Durch die Impfungen könnte sich das bald ändern. Und tatsächlich, als an diesem Vormittag das mobile Impfteam angerückt ist, geht auf einmal alles sehr schnell.

Pro Seniore ist wegen Corona-Ausbruch früh mit dem Impfen dran

Im großen Saal der Einrichtung werden Tische und Stühle gerückt, Laptops aufgebaut und Spritzen präpariert. Es riecht nach Desinfektionsmittel. Bewohner und Mitarbeiter tragen FFP-2 Masken und warten auf die langersehnten Impfungen gegen das Corona-Virus.

Die Corona-Impfungen wurden in Friedberg von der Vitolus GmbH durchgeführt. Zuständig für den Pieks mit der Impfnadel waren Daniel Pfeiffer, Isabel Rueda und Nora Hummel (v.l.).
Bild: Nikolai Röhrich

Seit dem Sonntag nach Weihnachten sind mobile Impfteams in Pflegeheimen im Landkreis im Einsatz, bei Pro Seniore sind sie diese Woche bereits zum dritten Mal. Das Haus war unter den ersten, in denen geimpft wurde, weil dort Corona ausgebrochen war. Vier Tote hatte es gegeben. Mitarbeiter und Bewohner, die am ersten Termin im Dezember eine Dosis erhalten hatten, bekommen nun ihre zweite Impfung. Zuständig ist ein achtköpfiges Team aus Ärzten und weiteren Fachkräften der Firma Vitolus. Diese wird auch die Impfzentren in Dasing und Aichach betreuen, die demnächst öffnen sollen.

"Für mich ist es heute bereits die zweite Impfung", erzählt Anja Schweyer, überregionale Leiterin des Pflegedienstes von Pro Seniore. Für eine optimale Immunisierung gegen das Virus sind zwei Impfdosen notwendig, die im Abstand von 21 Tagen verabreicht werden müssen. "Bedenken hatte ich keine", so Schweyer. "Ich war eher glücklich, da ich eine Familie zu Hause habe. Bis jetzt hat es mich noch nicht erwischt, aber wenn man in Hotspots arbeitet, ist die Ansteckungsgefahr natürlich sehr groß."

Michaela Gertner und ihr Vater Manfred Ritter ließen sich gemeinsam in der Seniorenresidenz Pro Seniore Friedberg gegen Corona impfen.
Bild: Nikolai Röhrich

Auch Michaela Gertner und ihr Vater Manfred Ritter lassen sich vom Team der Vitolus GmbH impfen. Gertner arbeitet in der Verwaltung des Altersheimes, Ritter verbringt hier als Bewohner seinen Lebensabend. Für Ritter ist es bereits die zweite Dosis, Gertner wird nun zum ersten Mal geimpft.

Vater und Tochter lassen sich in Friedberg gemeinsam gegen Corona impfen

"Ich habe mich erst später impfen lassen, weil ich es wichtiger fand, dass erst einmal die Bewohner und Pflegekräfte drankommen", erklärt die Verwaltungsmitarbeiterin. Vor der Entscheidung hat sie sich im Internet über mögliche Nebenwirkungen informiert. "Natürlich gibt es bis heute keine Daten über Langzeitnebenwirkungen", räumt sie ein. "Aber schließlich geht es doch darum, dass wir alle wieder ein normales Leben führen können."

Für den Senioren Manfred Ritter bedeutet die zweite Impfdosis ein wohltuendes Maß an Sicherheit: Die Ansteckung von Geimpften mit mit SARS-CoV-2 ist sehr unwahrscheinlich, und wenn doch, ist der Krankheitsverlauf weniger dramatisch. Dass ihr Vater aufgrund der Impfung keine zusätzlichen Freiheiten bekommt, stört Michaela Gertner nicht. "Privilegien wegen Impfungen würden den alten Menschen ohnehin nicht viel bringen. Erst einmal sollte dafür gesorgt werden, dass für genügend Bürger ein Impfstoff vorhanden ist", meint sie.

Die Corona-Impfungen wurden in der Seniorenresidenz Pro Seniore von der Vitolus GmbH durchgeführt. Vor der Gabe der Impfdosis mussten Formulare und Impfpässe vorgezeigt werden.
Bild: Nikolai Röhrich

So gut wie alle 105 Bewohner sind nun mindestens einmal geimpft, sogar eine 103-jährige Frau. Viel diskutiert wird die mangelnde Bereitschaft von Pflegepersonal, sich impfen zu lassen. Von nicht einmal der Hälfte ist die Rede. Doch bei Pro Seniore in Friedberg sei das anders, betont die Einrichtungsleiterin Jeanette Kleespies, Leiterin des Altenheims. Die Einstellung habe sich geändert, seit der ersten Impfung Ende Dezember wollten sich immer mehr Mitarbeiterinnen impfen lassen. "Nur zwei Mitarbeiterinnen lassen sich auf keinen Fall impfen. Dem stehen mindestens 50 meiner Kollegen entgegen, die mit der Impfung einverstanden waren", erzählt sie. 87 Mitarbeiter hat das Haus, 20 waren mit Covid-19 infiziert und werden deshalb momentan ohnehin nicht geimpft.

Das Personal des Altersheims Pro Seniore zeigt hohe Impfbereitschaft

"Wir hoffen, dass wir durch die Impfungen mehr Freiheit bekommen, dass unser Haus wieder geöffnet werden kann und wir mit den Bewohnern wieder Ausflüge machen können", sagt Kleespies. Die Heimleiterin erhält an diesem Tag ebenfalls ihre zweite Impfdosis. "Ich lasse mich auch impfen, damit Kindergärten und Schulen endlich wieder aufmachen können", erklärt die Residenzleiterin.

Auch Mitarbeiter mit Migrationshintergrund begrüßen laut Kleespies die Impfungen. "Wir haben Kollegen aus Syrien, Mazedonien und der Ukraine. Die haben es nun leichter, ihre Familien im Ausland zu besuchen." Nach einem nervenaufreibenden Ausbruch des Virus in ihrer Residenz hat die Leiterin durch die Impfungen nun auch weniger Sorge, erneut zum Corona-Hotspot zu werden. "Die Angst ist kleiner, wenn geimpft wird", sagt die 42-Jährige.

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