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Berufe

07.01.2019

In Friedberg arbeitet Bayerns einzige Glasermeisterin

Glasermeisterin Lucie Fritz zeigt stolz auf ihr Meisterstück: den keltischen Naturgott „Cernunnus“. Es hat seinen Platz im Fenster der Werkstatt von Glasbau Fritz in Derching gefunden.
Bild: Sabine Roth

Plus Lucie Fritz hat im Familienbetrieb ihr Handwerk von der Pike auf gelernt. Wenn individuelle Konstruktionen gefragt sind, gehört sie zu den begehrten Fachleuten.

Glas schleppen, Alu sägen, große Glaskonstruktionen bauen und zu den Baustellen fahren. So sieht ein Arbeitstag von Lucie Fritz aus. Auch wenn es im Winter zugig und kalt ist, ihr gefällt die Arbeit. Alles andere wäre langweilig.

Man würde es kaum glauben, wenn die schlanke junge Frau in ihrer Arbeitskleidung und ihren Arbeitsschuhen in der 800 Quadratmeter großen Werkstatt am Rande des Gewerbegebiets in Derching sieht. Doch für die 1,65 Meter-Frau ist nichts zu schwer. Vom Glasschneider bis zur computergesteuerten Säge bedient sie alle Geräte, die sie für ihre Arbeit braucht. Berührungsängste hatte Lucie Fritz nie. Die Werkstatt und ihre männlichen Kollegen hat sie sehr lieb gewonnen. Arbeiten in einer Männerdomäne ist ihr in die Wiege gelegt. Bei ihrem Großvater Michael Fritz, der die Firma Glasbau Fritz vor 48 Jahren gegründet hat, ist die heute 24-Jährige quasi zwischen Glasscheiben aufgewachsen. Und sie war schon als Kind lieber auf dem Fußballplatz als beim Ballett.

Familienbetrieb in dritter Generation

Die Familie ist stolz auf ihre frischgebackene Glasermeisterin. Dass die 24-Jährige den Familienbetrieb in dritter Generation weiterführen möchte, freut ihren Vater Anton, ihre Tante Michaela und ihren Onkel Edmund um so mehr. Und dass sie einmal als Glaserin zu arbeiten würde, das wusste Lucie Fritz schon immer. Das stehe sogar schwarz auf weiß in einem Brief, den sie in der Schule als Aufsatz schrieb. „Das war in der fünften Klasse“, erinnert sie sich.

Nach ihrem Realschulabschluss stand sie eines Tages in der Werkstatt und sagte: „Ich möchte den Betrieb übernehmen. Papa, zeig mir doch mal alles.“ Daran erinnert sich Tante Michaela Fritz noch gut. Ihren Weg dahin ebnete sich ihre Nichte Lucie über die Ausbildung zur Glaserin im Fachbereich Verglasung und Glasbau, die sie verkürzte und nach zwei Jahren als Glasergesellin abschloss.

Hundert Entwürfe für einen Naturgott

Nach mehreren Gesellenjahren ging es im Oktober 2017 auf die Meisterschule nach Vilshofen. Ihr Meisterstück: eine Bleiverglasung benannt nach dem keltischen Naturgott „Cernunnus“ - Gott der Natur, des Schutzes und der Unendlichkeit des Seins. Vier Monate hat sie für ihr fantasievolles Objekt jedes Wochenende im Keller ihrer Tante Iris, die Glaskünstlerin ist, gearbeitet. Dort konnte sie die Entwürfe zeichnen und anschließend die vielen bunten mundgeblasenen Antikgläser zu einem schönen Ganzen zusammensetzen. „Ich war nie zufrieden und habe bestimmt an die hundert Entwürfe gemacht“, erinnert sich die frischgebackene Glasermeisterin.

In Landau durfte sie ihre Abschlussarbeit mit elf weiteren Absolventen präsentieren. „Ihre Meisterstücke setzen sich ab durch außergewöhnliche Qualität bei ihrer Verarbeitung und durchdachte Formgebung. Sie verdeutlichen ihre Ideenvielfalt und ihren Sinn für Gestaltung und Funktionalität“, lobte Karl-Heinz Moser, Vizepräsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, die Prüfungsleistungen. In 680 Unterrichtsstunden perfektionierten die Glaser im Vollzeitkurs ihre handwerklichen Kompetenzen in Theorie und Praxis. Lucie hat einen Beruf mit Zukunft ergriffen. Glasermeister sind gesucht. „Wenn keine Lösung von der Stange, sondern individuelle Konstruktionen gefragt sind, gehören sie zu den begehrten Fachleuten“, blickte Moser positiv in die Zukunft.

Lucie Fritz steht bereits in den Startlöchern. Ein paar Jahre möchte sie noch gemeinsam mit ihrem Vater Anton Erfahrungen sammeln. Dann werde sie die Firma übernehmen und als Chefin regieren. Sie freut sich schon darauf. Einen eigenen Auszubildenden hat sie bereits.

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