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Kissing

17.01.2019

In Kissing werden viele Bäume gefällt

Zwischen Auensee und verlorenem Bach wird in den kommenden Wochen abgeholzt. Förster Rudolf Brandl und zweite Bürgermeisterin Silvia Rinderhagen erläutern die anstehenden Arbeiten.
Bild: Gönül Frey

Plus Auf einem Hektar Wald hat die Gemeinde Kissing Brennholzparzellen versteigert. Die Käufer beginnen bereits mit dem Abholzen.

Idyllisch liegt das kleine Wäldchen zwischen verlorenem Bach und Auensee in der Wintersonne. In den kommenden Wochen ist es mit der Beschaulichkeit jedoch vorbei. Dann werden die Gehölze zu einem großen Teil gefällt. „Der erste Eindruck ist schlimm“, warnt Rudi Brandl. „Aber in zwei Jahren sieht es toll aus!“, verspricht der Leiter des Forstreviers Eurasburg.

Er betreut seit vielen Jahren die Waldflächen der Gemeinde Kissing, die diese Aufgabe an das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) als Dienstleiter übertragen hat. Wie Brandl erklärt, wird eine solche Fläche etwa alle 20 Jahre auf den Stock gesetzt, um den Wald gesund zu erhalten. Vor allem Haselnuss und Weißerle wachsen auf dem nun betroffenen rund ein Hektar großen Areal. Ihre Beseitigung ermögliche es einer neuen Generation Bäume heranzuwachsen, erläutert der Förster. Oberstes Ziel sei es, den Waldzustand zu erhalten und zu verbessern. Der Förster und zweite Bürgermeisterin Silvia Rinderhagen appellieren deswegen bei Spaziergängern und Naturliebhabern um Verständnis für die Maßnahme.

Fällarbeiten sorgen schnell für Proteste

Denn die Gegend um Auensee, Lech und Weitmannsee ist als Naherholungsgebiet sehr beliebt. Und gerade Fällarbeiten sorgen schnell für Proteste. „Das Problem ist mittlerweile, den Leuten zu erklären, dass ein Mensch mit Motorsäge nicht automatisch böse ist“, sagt der Förster. Würden diese Arbeiten nicht gemacht, würde sich der Gesamteindruck des Waldstücks auf Dauer deutlich verschlechtern, erklärt er.

Brandl hat außerdem einzelne, besonders wertvolle Bäume mit blauer Farbe gekennzeichnet. Diese sind für Axt und Säge tabu. Birken, Ahorn und einzelne optisch markante Weiden bleiben somit stehen.

Denn das AELF übernimmt die Fällungen nicht selbst. Vielmehr hat der Förster das Areal in Parzellen unterteilt, die von der Gemeinde versteigert wurden. Die Interessenten hatten vorher bereits die Gelegenheit, die markierten Bereiche zu besichtigen, am Dienstag kamen sie dann unter den Hammer. „Die Nachfrage war sehr gut. Insgesamt sind 1500 Euro zusammen gekommen“, berichtet Brandl. Rund 35 Bieter haben mitgesteigert, die meisten stammen aus Kissing. Und das Gute für die Gemeinde ist, dass die Käufer das Holz gleich selbst schlagen.

Schon einen Tag nach der Versteigerung wird es in dem Waldstück lebendig. Erste Brennholz-Stapel sind bereits aufgeschichtet. Auch der Kissinger Leo Wohlmuth hat zwei Parzellen ersteigert. Er heizt zu Hause mit einem Kachelofen. Wer bereit ist, selbst anzupacken, habe hier die Gelegenheit günstiger an Brennholz zu kommen, meint er. Die Familie Wohlmuth hilft bei der Arbeit zusammen und kann die Stämme mit ihrem Oldtimer-Traktor abtransportieren.

Kissinger will am Wochenende loslegen

„Ich will mir jetzt nur mal anschauen, was ich mir für Arbeit eingekauft habe“, sagt der Kissinger. Wenn das Wetter passt, will er am Wochenende loslegen. Denn die Zeit eilt schon etwas. Die Käufer müssen ihre Arbeiten nämlich bis zu einem Stichtag Anfang März beenden, damit sie die Brut der Vögel nicht stören. Wohlmuth würde sich wünschen, dass nächstes Mal die Versteigerung schon früher im Jahr stattfindet. „Im Dezember hatten wir viele schöne Tage, da hätten wir schon einiges schaffen können“, sagt er.

Insgesamt verfügt die Gemeinde Kissing über 65 Hektar Wald, das meiste davon Auwald auf dem Lechfeld. Seit etwa zehn Jahren setzt Rudi Brandl hier bei der Verwertung auf die Versteigerung von Brennholzparzellen. „Das spricht Leute an, die den Ehrgeiz haben, ihr Holz selber zu schlagen“, hat er gemerkt. Besonders beliebt sei das in Mering. „Da läuft das sehr gut. Die machen ein richtiges Happening draus“, erzählt er. Da die Käufer nach Fläche zahlen und nicht nach Ster Holz, werde sehr gründlich auf den Parzellen gearbeitet, ist die Erfahrung des Försters. Nur die kleineren Zweige und Totholz bleiben einfach liegen. Das ist sogar gewollt, denn sie dienen wieder zahlreichen Insekten und anderen Tieren als Lebensraum.

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