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Merching

29.11.2020

In Steinach bleibt die Angst vor dem "Absaufen"

Die Überschwemmungsgebiete der Paar und Steinach sollen neu festgesetzt werden - in Merching hatte der Rat große Bedenken.
Foto: Christina Riedmann-Pooch

Plus Die Überschwemmungsgebiete der Paar und Steinach werden neu festgesetzt. Im Merchinger Gemeinderat sorgt die Situation nach dem Bau des Rückhaltebeckens für Unmut.

Große Beachtung fand im Merchinger Gemeinderat die neue Festsetzung der Überschwemmungsgebiete an Paar und Steinach. Dort wurden neben dem räumlichen Umfang auch die Bestimmungen zur Vermeidung von Schäden und zum Schutz vor Hochwasser getroffen. Die Gemeinde Merching war nun aufgefordert, Stellung zu nehmen - der Rat äußerte einige Bedenken und lehnte die Festsetzung einstimmig ab.

Unberührt blieben in der Diskussion der Bereich Wasserschutz selbst. Umso mehr wurden die Überschwemmungsgebiete beleuchtet: In Merching betrafen die Änderungen vor allem die Fluren Merchings - innerorts blieben die Gebiete der Paar nahezu unverändert. Dies war Anlass für den ersten Einwand: Martin Wecker gab zu Bedenken, dass auf dieser Karte wohl kein faktisches, also kein reales nachgewiesenes Gebiet als Grundlage gedient haben könne - denn einige landschaftliche Veränderungen, gerade wie etwa der Durchfluss an den Paarbrücken, seien darauf nicht berücksichtigt. Auch die Neufestsetzung der Überschwemmungsgebiete zeigt insbesondere auf Steinacher Flur, die das Gebiet um das Steinacher Rückhaltebecken betreffen, nur geringfügige Änderungen. Diese erschienen ihm gerade wegen der neuen Situation mit dem neuen Hochwasserschutzdamm nicht schlüssig.

Mering und Kissing profitieren vom Rückhaltebecken

Ein Blick auf die neuen Überschwemmungsgebiete zeigt aber auch, dass in den Nachbargemeinden Mering und Kissing, die vor allem von dem Hochwasserrückhaltebecken in Steinach profitieren, einige Überschwemmungsgebiete nun aufgehoben sind. Diese Flächen werden nun sogar als Baugebiete in Mering und Kissing eingeplant - für viele in Merching ein rotes Tuch. So erinnerte auch Monika Scheibenbogen an die Bereiche, die in Mering gefährdete Überschwemmungsgebiete waren - und nun durch die neue Einstufung in Mering und Kissing als Bauland dienen.

Sollte ein Hochwasser kommen, habe vor allem Steinach mit den Folgen der Überschwemmung das Nachsehen. Es dürfe auch nicht mehr passieren, dass etwa Kühe, die auf Steinacher Flur weiden, plötzlich mit den Hufen im Wasser stehen, wie es schon der Fall war. Um die Gefahr, dass man in den Ortschaften Mering und Kissing so mit ufernahem Bauland verfahren könne, habe man - unabhängig vom eigenen Empfinden - von Anfang an gewusst, kommentierte Luichtl. Trotzdem dürfe man nicht zulassen, „dass Steinach absäuft“. Steinach müsse ebenso wie Mering und Kissing vor Hochwasser geschützt werden.

Wertverlust durch den Damm bei Grundstücken in Steinach

Denn der Preis, der in Steinach dafür gezahlt wurde, betraf nicht nur das Hochwasserrückhaltebecken: Der Wertverlust, den der Bau dieses Damms für die betroffenen Grundstücke in Steinach nach sich zieht ist immens - und der Schutz für Steinach selbst ist bis heute nicht gewährleistet. Dies führte Josef Failer aus: Zwar habe sich die Situation für die Unterlieger deutlich verbessert - einige Grundstücke auf Steinacher Flur hätten dafür enorme Verschlechterungen erfahren: Der Wert der Grundstücke sei enorm gesunken - für diese könne kein marktgerechter Verkehrswert mehr erzielt werden, machte er deutlich.

Sicher könne man dies im Nahhinein nicht mehr gerecht lösen - Fakt sei jedoch, dass die Eigentümer nur für den Ernstfall, entschädigt werden würden. Besonders nachdenklich habe ihn dies im Fall des „Harthofes“ gemacht: Hier hätten die damaligen Besitzer vor Jahren mit dem Wasserwirtschaftsamt kommuniziert, die jetzigen Besitzer wären überhaupt nicht einbezogen worden.

Steinacher fürchten weiteren Ausbau des Rückhaltebeckens

Unabhängig von dieser Gemeinderatssitzung wurden in der Vergangenheit diese Befürchtungen auf vielen Versammlungen zum Hochwasserschutz deutlich gemacht: Insbesondere diejenigen, die ihre Felder und Grundstücke auf Steinacher Flur haben, empfanden die Maßnahmen, die mit dem Hochwasserschutz zusammenhängen als oktroyiert. Ihre größte Angst ist nach wie vor, dass Mering und Kissing dem Eigenschutz nicht nachkommen und Geldmangel vorschieben könnten. Im Fall eines massiven Hochwassers hätte man vor allem in Steinach mit den direkten Auswirkungen eines Rückstaus zu kämpfen und nicht in den Unterlieger-Gemeinden, die auf Gebieten Häuser errichten, die eigentlich seit sehr langer Zeit bekanntlich im Überschwemmungsgebiet der Paar liegen - und zum Teil noch vor weniger als einem Jahrzehnt als relativ wertloses Land verkauft wurden. Das Horrorszenario wäre für Steinach, dass man dann im Fall einer Überschwemmung einfach das vorhandene Hochwasserbecken noch weiter ausbauen könnte - denn auf einem Plan sehen derartige Projekte anders aus, als in der Realität.

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