Newsticker
Kanzlerin Merkel stellt sich hinter Armin Laschets Vorstoß für einen "Brücken-Lockdown"
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. In der Kapelle am Badanger stecken viele Geschichten

Kissing

12.01.2020

In der Kapelle am Badanger stecken viele Geschichten

Das Altarblatt in der Kapelle am Badanger in Kissing.
2 Bilder
Das Altarblatt in der Kapelle am Badanger in Kissing.

Aus Dank für die Heilung von schwerer Krankheit wurde diese ungewöhnliche Kapelle in Kissing erreichtet.

Zwischen dem Altort von Kissing und Neukissing steht am Badanger neben der Bahnhofstraße die kleine offene Votivkapelle zu den „Sieben Zufluchten“. Der Zerstörungswut und der Nichtbeachtung preisgegeben, lassen sich trotzdem noch viele Andachtsformen ablesen.

Die Inschrift unter dem beschädigten Altarbild berichtet von der Entstehung der Kapelle. Ihren Ursprung hat sie in einem Waffenkreuz, das der in Kissing geborene Pflegjäger zu Friedberg Georg Wörschi 1679 errichtete. Als sein Sohn Jakob Wörschi, kurfürstlicher Regimentsfeldscherer (also ein Bader für die Versorgung der Wunden von Soldaten), todkrank in Peterwardein in Ungarn darniederlag, gelobte er eine heilige Messe in Altötting und die Wiederherstellung des Kreuzes in Kissing.

Weil er aber eine Kapelle zur Andacht besser fand, ließen er und sein Bruder Melchior Wörschi 1706 eine Kapelle mit einem Vesperbild bauen. Georg Wörschi war inzwischen Bürger und Wundarzt in Aibling, sein Bruder Bürger zu Friedberg.

Der Pfarrer von Kissing stiftete 25 Gulden

Nachdem der Pfarrer von Kissing, Paulus Heinzlmair, für den Unterhalt 25 Gulden gestiftet hatte und sich der Dechant als höherer Geistlicher für die Fertigstellung einsetzte, erhielt sie am 10. September 1707 die bischöfliche Genehmigung. Als Jakob Wörschi 1713 wieder von einer tödlichen Krankheit getroffen wurde, gelobte er eine Wallfahrt, eine heilige Messe zu „denen hochheiligen großwunderthätigen sieben Zufluchten in Eiselfing nebst Wasserburg in Bayern“ und eine Abbildung der „Sieben Zufluchten“ in der Kapelle.

Die Kapelle am Badanger in Kissing existiert seit mehr als 300 Jahren.

Er erhielt seine Gesundheit wieder und stattete 1714 die Kapelle mit dem Gemälde aus. Im selben Jahr wurde die Kapelle den „Sieben Zufluchten“ geweiht, die bei genauem Hinsehen auf dem ramponierten Altarbild zu erkennen sind. Alle Elemente, die das Bildmotiv der“ Sieben Zufluchten“ ausmachen, sind enthalten: die Heilige Dreifaltigkeit, die Muttergottes, das heilige Altarsakrament in einer strahlenden Monstranz; der Gekreuzigte, die Erzengel, alle Heiligen mit den 14 Nothelfern und die Armen Seelen im Fegfeuer. Das ursprüngliche Gnadenbild der Kapelle, eine Pietà (um 1706 von Bartholomäus Öberl), befindet sich in Verwahrung.

Die heilige Kümmernis ist in Kissing zu sehen

Das Arma-Christi-Kreuz an der linken Seitenwand ist eine Form des Andachtsbildes des meditativen Nacherlebens der Passion Christi. Im Zusammenhang mit der Kreuzverehrung steht der Kümmerniskult. An der rechten Seitenwand gegenüber dem Arma-Christi-Kreuz hängt eine Holzplastik der Heiligen Kümmernis in Volto-Santo-Art aus dem frühen 18. Jahrhundert. In eine gegürtete Tunika gekleidet, gekrönt, mit dunklem Bart und offenen Augen, schwebt sie majestätisch mit ausgestreckten Armen aufrecht vor dem Kreuz.

Die Legende erzählt von der schönen Königstochter, die missbraucht wurde und zwangsverheiratet werden sollte. Sie fühlte sich zu Gott hingezogen und von ihm auserwählt. Ihr erzürnter Vater warf sie ins Gefängnis, wo sie Gott um Hilfe bittet. Da erhörte sie Gott und ließ ihr einen Bart wachsen. Der erzürnte Vater beschloss daraufhin, dass sie wie Gott sterben soll – am Kreuz. Die Legende erzählt weiter von dem armen Geigerlein, dem sie ihren goldenen Schuh zuwarf, als er vor ihrem Bild in einer Kirche in Holland spielte. Eine große Geschichte also, die in der Kapelle erzählt wird. Das ist nur einer der Gründe, warum man sich besser um sie kümmern sollte. \u0009Gabriele und Hubert Raab

Das Buch von Gabriele und Hubert Raab

„Kapellen im Wittelsbacher Land“, Wißner-Verlag, 190 Seiten, viele Fotografien. Das Buch ist im Verlag vergriffen. Es sind jedoch Exemplare im Landratsamt vorrätig (Kontakt: katharina.martin@lra-aic.fdb.de) sowie teilweise auch im örtlichen Buchhandel.

Serie über Kapellen in Aichach-Friedberg

Über besondere Kapellen in Aichach-Friedberg berichten wir in einer Serie.

Lesen Sie auch die anderen Folgen:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren