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Friedberg

12.11.2019

Ist dieser Schulweg von Wulfertshausen nach Friedberg gefährlich?

Die Strecke zwischen Friedberg und Wulfertshausen zu einer weiterführenden Schule ist nach Meinung einer Mutter für ihre Kinder aus mehreren Gründen nicht zumutbar.
Bild: Tom Trilges

Plus Eine Mutter klagt, weil der Schulweg von Wulfertshausen nach Friedberg auf dem Rad unzumutbar sei. Helikopter-Eltern oder berechtigte Sorge?

Die Klägerin vor dem Verwaltungsgericht in Augsburg ist Anwältin und Mutter von zwei Kindern. Ihre Familie lebt in Wulfertshausen, die beiden gehen aber in der Friedberger Innenstadt auf eine weiterführende Schule. Die Frau sagt, ihr sei die Eigenständigkeit ihrer Kinder wichtig. Das Problem: Aus ihrer Sicht ist der Schulweg entlang der Wulferichstraße und der Aichacher Straße schlicht zu gefährlich. Es gibt ein Gesetz, das in Ausnahmefällen eine kostenlose Beförderung zur Schule gewährt. Doch greift es in diesem Fall?

Schulweg nach Friedberg: Streit vor Gericht um die Länge

Zunächst galt es zu klären, ob die Route mehr als drei Kilometer lang ist. Dann nämlich würden die Kosten ohnehin erstattet. Zur Distanz gab es unterschiedliche Auffassungen. „Ich bestreite die Ansicht, dass der Weg kürzer ist“, sagte die Anwältin. Ihr seien mehrere Berechnungen des zuständigen Landratsamtes vorgelegt worden, alle mit unterschiedlichen Ergebnissen. Sie selbst komme wiederum zu einem ganz anderen Schluss. Das Landratsamt hatte aber trotz geringfügiger Abweichungen immer eine Distanz von rund 2,5 Kilometern festgestellt – deutlich unter der erforderlichen Grenze. Die Mutter wiederum ging von 3,1 beziehungsweise 3,2 Kilometern aus. Sie hatte jedoch ihrer Meinung nach gefährliche Abschnitte ausgelassen und dort eine Alternativroute vorgesehen.

„Umwege einzurechnen, kann nicht die Grundlage sein“, betonte der Vorsitzende Richter Wolfgang Lorenz. Vielmehr gelte es, den kürzesten Weg herauszufinden. Sofern dieser unter dem Grenzwert liegt, müsse dann entschieden werden, ob Ausnahmen zum Tragen kommen und dennoch ein kostenfreier Schulweg gewährleistet werden muss. „Das Gericht sieht es als unstrittig, dass die drei Kilometer unterschritten sind“, so Lorenz.

Ist dieser Schulweg von Wulfertshausen nach Friedberg gefährlich?

Mutter: Schulweg aus Wulfertshausen nach Friedberg gefährlich

In der Folge ging es also darum, ob die im Gesetz verankerten Ausnahmen greifen. Zwei Optionen gibt es: einen zu beschwerlichen oder einen zu gefährlichen Weg. Zu beschwerlich sei er nicht, darüber herrschte Einigkeit.„Ich sehe aber die Gefährlichkeit aus mehreren Gründen gegeben“, meinte die Klägerin. Einerseits führte sie an, Schüler seien eine grundsätzlich besonders gefährdete Personengruppe. „Das Oberverwaltungsgericht in Nordrhein-Westfalen sieht das anders und dieser Auffassung folgen die Gerichte tendenziell seither auch“, gab Richter Lorenz dazu zu bedenken.

Die Mutter aus Wulfertshausen wurde aber auch konkreter: In den Jahren 2017 und 2018 habe es zusammen in Augsburg und Friedberg sechs Fälle gegeben, in denen Kinder auf dem Schulweg von Erwachsenen angesprochen worden seien. „Müssen wir wirklich warten, bis dabei mal etwas passiert?“, fragte sie. Der Weg von Wulfertshausen nach Friedberg sei zudem an vielen Stellen nur schwach beleuchtet und wegen der hügeligen Landschaft gerade in Kurven kaum einsehbar. Leitplanken könnten darüber hinaus den Blick auf den Radweg, auf dem ihre Kinder täglich fahren, versperren, erläuterte die Frau. Zusätzlich gehe die Strecke teils durch den Wald oder an Feldern entlang.

Kostenerstattung für den Schulweg: Sind Eltern übervorsichtig?

Letztlich argumentierte die Wulfertshauserin auch mit dem vielen Verkehr. „Tatsächlich ist das Aufkommen mit etwa 4600 Fahrzeugen pro Spur am Tag vergleichbar mit einer Staatsstraße“, räumte der Verkehrssicherheitsbeauftragte der Polizei im Landkreis Aichach-Friedberg, Thomas Schmid ein. In seiner Beurteilung kam er trotzdem zu dem Resultat, dass weder die Gefahren durch den Verkehr noch durch mögliche Straftaten in dem Bereich außergewöhnlich hoch seien. „Ich beobachte, dass Eltern ihren Kindern immer weniger zutrauen. Ein gewisses Restrisiko wird aber immer bleiben“, sagte Schmid.

Schon während der Beratungen des Gerichts erklärte die Anwältin und Mutter aus Wulfertshausen: „Ich werde wohl kein Recht bekommen. Aber da müsste man im Zweifel an das Gesetz ran.“ Tatsächlich lehnte das Gericht den Antrag auf einen kostenlosen Schulweg ab, die Klägerin kann nun das Oberverwaltungsgericht anrufen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Prozess um Kinder aus Friedberg: Eltern müssen das Loslassen lernen

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