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Merching

07.01.2019

Jede Krippe ist für sich ein Kunstwerk

Die aus Lindenholz kunstvoll geschnitzte Darstellung der Geburt Christi fand viele Bewunderer auf dem Merchinger Krippenweg.

Zum dritten Mal zeigen die Merchinger ihre Schätze her. Mal stehen sie im Schaufenster, mal in der Küche und manchmal auch unter freiem Himmel.

Der Stern zeigt den Weg durch das dichte Schneetreiben – fast wie damals den Hirten oder den Heiligen Drei Königen. Er zeigt den Weg zu den Merchinger Krippen, die am Wochenende wieder um Bestaunen einluden.

Gleich nach der Andacht in der St.-Anna-Kapelle geht die erste kleine Gruppe los: Jeder in seinem Tempo, jeder, wohin er will. Darunter auch Klara und Siegfried Schamberger mit ihren Kindern und den Großeltern Regina und Franz Kern, die gleich in der Bücherei beginnen. Dort ist unter anderem eine Krippe speziell für Kinder zum Anfassen von Susanne Burgardt ausgestellt, aber auch eine, die Familie Schamberger besonders am Herzen liegt: Klara Schambergers Vater Franz hat die Krippe aus Lindenholz selbst geschnitzt. Jedes Weihnachten gab es als Geschenk eine Figur, zuletzt einen Gockel. Er erzählt, dass er das Schnitzen als Schüler in St. Ottilien von Bruder Waldo lernen durfte - und es im Grödner Tal perfektionierte. Seine Enkel Felix, Anna und Sarah sind sichtlich stolz auf ihn, als alle die anspruchsvolle Schnitzarbeit loben.

Oma und Opa als Krippenfiguren

Doch es gibt noch so viel zu sehen: etwa im Pfarrsaal eine Kugelkrippe von Hans Kistler oder die bäuerliche Krippe von Andreas Kerber. Die südamerikanischen Krippen aus Ton, die im Blumenladen ausgestellt sind, sind nicht ganz der Geschmack von Sarah: „Sie sind so dunkel!“ Im Anknerhof gefällt es ihr bedeutend besser: Dort belegt die größte Krippe fast die ganze Küche: „Gut eineinhalb Tage baut mein Mann Johann die Krippe auf - da darf keiner helfen!“, verrät seine Frau Gabi. Fasziniert erkundet Sarah die Krippe mit dem Mühlrad, das sich tatsächlich dreht, streichelt vorsichtig einer Ziege über das Fell und bewundert mit ihrer Schwester das kleine Häuschen mit dem Krautgarten. „Oma! Ich hab dich gefunden!“, schreit sie auf einmal entzückt auf und deutet auf eine Figur, die vor dem Häuschen sitzt. Die Oma lächelt und antwortet zufrieden: „Der Opa ist auch da hinten, schau nur.“

Bei Familie Schiffmann ist die Krippe zwar deutlich kleiner, aber der fachkundig angelegte Garten findet zahlreiche Bewunderer. Besonders unter den Mitgliedern des Gartenbauvereins, die in der Gruppe zahlreich vertreten sind. „Schaut nur, wie perfekt das Holz gestapelt ist. Und die kleine Werkstatt - so sauber eingerichtet!“, begeistern sich die Erwachsenen. Anna bewundert die Krippe aus Zinn, Sarah das goldene Fatschenkindl, das Berta Schiffmann selbst hergestellt hat und entdeckt ganz besondere Kerzen mit einer Krippe. „Die Kerzen zündet man aber nicht an?“, fragt sie. Berta Schiffmann schüttelt schmunzelnd den Kopf. Die sind aus Holz gedrechselt - nur die Krippenfiguren, die dort Herberge gefunden haben, sind nicht selbst gemacht erklärt sie.

Nach und nach macht sich die Gruppe wieder auf den Weg. Jeder hat sein eigenes Tempo. Genau wie sich es Horst Ankner, der mit Sabine Schrom den Krippenweg initiiert hat, gewünscht hat. Irgendwie trifft man sich doch immer wieder. Bei ihm selbst ist unter anderem eine großzügige alpenländische Krippe zu bewundern, die auch mit ihrer kunstvollen Hintergrundmalerei beeindruckt. Als ihre Mama schließlich zur nächsten Station weiter will, ist die kleine Sarah gar nicht einverstanden. „Ich hab noch gar nicht alles gesehen!“, protestiert sie.

Die Krippe in der Glasflasche

Mitinitiator Horst Ankner könnte wohl tatsächlich selbst eine eigene Krippenausstellung bestreiten: zauberhafte Miniaturkrippen in Rahmen, Holzfunden, Laternen, sogar in einer Flasche, liebevoll drapiert und mit geheimnisvollen Lichtern in Szene gesetzt. Geschmackvolle Dekorationen, meist aus Naturmaterialien wie Moossterne, die mit Plätzchenformen ausgestochen wurden und auf Holzscheiben liegen. Schließlich stapft die kleine Gruppe doch weiter durch das wirbelnde Schneetreiben, denn der nächste Stern bei Familie Schrom ist nicht weit.

Als sich die Tür öffnet sind alle erst einmal überwältigt: Dort glitzert und funkelt es so prächtig in allen Farben von einem riesigen buntgeschmückten Christbaum, der sich bis in die erste Etage erstreckt - nicht nur die Kinder vergessen im ersten Moment fast die Krippen - dabei ist die orientalische Krippe von Sabine Schrom eine einzige Pracht in Gold und Farbe: Neben der Heiligen Familie ist vom Magier bis zum Römischen Legionär alles detailverliebt ausstaffiert. Orientalische Krippen sind die Passion der Restauratorin und Kirchenmalerin: An ihrer arbeitet sie fast seit 20 Jahren, erzählt sie.

Heimelig ist es bei den Schroms und warm, aber noch ist der Krippenweg nicht zu Ende. Bei Paul Grundler knistert ein gemütliches Feuer im Vorgarten. Die beiden Krippen, eine davon sogar mit beweglichem Schmiedehammer, befinden sich draußen. Sogar echtes Brot gibt es dort. Genau wie normalerweise im Schaufenster der Bäckerei Storch, wo jetzt hinter nassen Scheiben die Krippe von Erich Bernhard wartet, die mit geschnitzten Figuren im Heiligen Land unter Palmen dargestellt ist.

Ein harter Weg für die schwangere Maria

Draußen wird die Kälte deutlich spürbar - die vorletzte Station des Krippenwegs führt in den Hof von Familie Spicker. Dort gibt es in einer Krippe, die aus dem Grödner Tal stammt sogar einen Wegweiser nach Bethlehem. „Es muss ein harter Weg für die schwangere Maria gewesen sein.“, seufzt jemand aus der Gruppe mitfühlend. Von den Strapazen ist bei der Krippe, die im ehemaligen „Wenzel“-Schaufenster ausgestellt und sich in Besitz von Doris Christian befindet, gar nichts zu spüren: Die Krippenfiguren, die aus Salzburger Modell gefertigt und in kostbare Kleider gehüllt sind, sind einfach nur unglaublich schön.

Welche Krippe gefällt den nun am besten? „Jede für sich ist ein Kunstwerk“, meint Josefine Peter spontan. „Opas ist am schönsten“, ist Anna überzeugt. Ihre Mama lacht, dann sagt sie. „In jeder einzelnen steckt so viel liebevolle Arbeit. Eins steht fest: Der Krippenweg lebt.“

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