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Friedberg

11.09.2017

Jeder Sommer hat seine Plage

Die Marmeladenschälchen auf der Mauer sollen die Wespen von den Gästen des Friedberger Altstadtcafés Weißgerber fernhalten.
Bild: Luisa Sako

Viele Menschen haben das Gefühl, dass es dieses Jahr besonders viele Wespen gibt. Wie hält man sie sich am besten vom Leib?

Gelb-schwarz und mit lautem Brummen kommt sie angeflogen: die Wespe. Ein ungeliebter Gast im Café oder bei Grillabenden auf der heimischen Terrasse. Manchmal fragt man sich da, warum das nervöse Insekt überhaupt eine Existenzberechtigung hat. Karl-Heinz Waldmüller vom Imkerverein Friedberg weiß, weshalb Wespen für Natur und Mensch unentbehrlich sind. Zum einen ist die Wespe wie Bienen und Hummeln wichtig für die Bestäubung von Obstbäumen und anderen Nutzpflanzen. Zum anderen jagt und fängt sie andere Insekten, die die Menschen dann nicht mehr belästigen können. „Sie ist im Netz der Tiere ein wichtiges Glied“, sagt Waldmüller.

Doch wie verhindert man, dass man von einer Wespe am Essen gehindert wird? Zunächst muss man wissen, dass die staatenbildenden Insekten bei der Entwicklung vom Ei zum fertigen Insekt Eiweiß benötigen. Hummeln und Bienen begnügen sich mit pflanzlichem Eiweiß. Wespen und Hornissen hingegen verfüttern tierisches Eiweiß an ihre Brut. Die erwachsenen Tiere brauchen Kohlenhydrate. Sie suchen nach süßen Sachen wie Marmelade.

Die Nester der Gemeinen Wespe und der Deutschen Wespe – die zwei in Deutschland am häufigsten vorkommenden Arten – darf man übrigens nicht einfach so entfernen. Das müssen Schädlingsbekämpfungsfirmen übernehmen, im Notfall sogar die Feuerwehr. So lautet zumindest die offizielle Regelung.

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Wespenköniginnen bauen ihre Nester im Frühjahr an trockenen Stellen wie im Rollladenkasten oder auch mal im Bienenhaus, wie Waldmüller berichtet. Sie vermischen dazu ihren Speichel mit abgetragenem Holz und formen graue, ballonartige Nester. Die sind klar von den senkrechten Wabenplatten der Bienen zu unterscheiden. Vielen Menschen fällt es allerdings schwer, die herumfliegenden Hautflügler auseinanderzuhalten. Wespen sind auffallend schwarz-gelb gefärbt, Bienen dagegen haben eine schwarz-graue Färbung.

Und was tun Gastronomen gegen die Plagegeister und für den Schutz ihrer Gäste? Im Friedberger Altstadtcafé Weißgerber hat man sich für den Innenraum ein spezielles Gerät angeschafft. Durch ein bläuliches Licht angelockt, fliegen die Insekten in eine Art Käfig und versuchen, sich auf den Metallstangen im Inneren niederzulassen. Dabei erhalten sie von diesen einen Stromschlag und verbrennen. Im Freien stehen auf der Mauer Schälchen mit Marmelade, die die Wespen und Bienen von den Kunden fernhalten sollen.

Wie soll man sich verhalten, wenn man bereits gestochen wurde? Die Mitarbeiterinnen in der Ludwig-Apotheke in Friedberg wissen, was zu tun ist. Zuerst muss man beobachten, ob man auf den Stich allergisch reagiert, um einen anaphylaktischen Schock auszuschließen. Sollte eine allergische Reaktion vorliegen, braucht der Betroffene ein Antiallergikum. Die Einstichstelle kann zum Beispiel mit einem Kühlpack gekühlt und mit einem antiallergischen Gel eingestrichen werden, um ein starkes Anschwellen zu verhindern.

Halbierte Zwiebeln, die auf die Einstichstelle gelegt werden, helfen, das Gift aus der Wunde zu ziehen. Es selbst herauszudrücken, sollte man nicht versuchen. Man würde es eher in das umliegende Gewebe drücken, sagt Johanna Bradl. Da bleibt nur, Ruhe zu bewahren: Vielleicht sieht es nächstes Jahr wieder besser aus.

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