1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Jugend und Politik – geht das?

Gesellschaft

28.09.2017

Jugend und Politik – geht das?

Früh übt sich: die Merchinger Mittelschüler haben sich wie viele weitere Jugendliche in Deutschland an der Juniorwahl beteiligt. Dabei werden sie schon früh an politische Themen herangeführt.
Bild: David Clauß

Politikverdrossenheit bei jungen Leuten? Fehlanzeige. Im Landkreis gibt es zahlreiche junge Menschen, die etwas verändern wollen und deshalb einer Partei beigetreten sind. Was sie motiviert.

Die Jugend engagiert sich nicht mehr und ist politisch desinteressiert. 2009 lag die Wahlbeteiligung bei den 18- bis 25-Jährigen bei 62,8 Prozent, 2013 waren es noch 60,8 Prozent. Aktuelle Zahlen zur diesjährigen Bundestagswahl liegen noch nicht vor. Doch junge Leute aus dem Landkreis setzten den sinkenden Zahlen etwas entgegen.

In Kissing gründete sich im Juli eine Ortsgruppe der Jungen Union und auch die Grünen haben seit dem Sommer eine neue Gruppe, die grüne Jugend Aichach-Friedberg. Die Beweggründe, warum junge Menschen einer Partei beitreten und sich politisch engagieren, sind verschieden. Doch der Wunsch, etwas zu verändern, verbindet sie alle.

Politische Zusammenarbeit kann etwas bewegen

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

„Ich wollte konkret etwas unternehmen und mich gegen den aufkeimenden Rechtsruck engagieren“, sagt Christiane Färber. Die 17-Jährige ist Gründungsmitglied der grünen Jugend Aichach-Friedberg und im Vorstand aktiv. „Für mich war von Anfang klar, dass die Grünen die ansprechendste Partei sind“, sagt die Meringerin. Denn ihr liege der Umweltschutz besonders am Herzen. Die neue Ortsgruppe zählt sieben Mitglieder, alle zwischen 18 und 20 Jahre alt. Um noch mehr Leute von ihrer politischen Arbeit zu überzeugen, steht sie mit dem Meringer Jugendparlament in Kontakt. „Außerdem gehen wir zum Stammtisch der Großen und versuchen dort, Mitglieder zu gewinnen“, so Färber.

Der 17-Jährigen ist die politische Zusammenarbeit wichtig, denn darin sieht sie Chancen, wirklich etwas zu verändern. Gemeinsam mit den anderen diskutiert sie, was im Landkreis verbessert werden kann und überlegt sich klare Konzepte. Eines davon wollen sie bald in Angriff nehmen. Mit leuchtenden Männchen soll die Sicherheit an Zebrastreifen erhöht werden.

Veränderung beginnt im Kleinen

Für Claudia Egger aus Friedberg gab die Flüchtlingskrise den konkreten Anlass für ihr politisches Engagement. „Ich habe damals bei der Betreuung mitgeholfen, habe die Hetze mitbekommen und wollte klar zeigen, wo ich politisch stehe“. sagt die 21-Jährige. Im August 2016 trat sie den Jusos Aichach-Friedberg bei, die derzeit 47 Mitglieder zählen. Denn die stünden für eine tolerante und solidarische Gesellschaft. „Ich kann mich mit den Werten der SPD voll identifizieren, das war bei den anderen Parteien nie der Fall“, so Egger.

Ihre Entscheidung war gut überlegt. Bevor sie Mitglied wurde, informierte sie sich über alle Parteien und machte Praktika bei der CSU und SPD. „Wenn man etwas verändern will, fängt es im Kleinen an“, betont die 21-Jährige. Ihr ist es wichtig, nicht nur alle vier Jahre zur Wahl zu gehen, sondern auch die Zeit dazwischen zu nutzen, um aktiv zu werden. „Nur schimpfen hilft nichts“, sagt Egger. Ihrer Meinung nach sind viele Jugendliche politisch interessiert, aber die Entscheidung, einer Partei beizutreten, sei ein weiterer Schritt. „Es ist nicht einfach, wenn man selbst noch gar nicht weiß, welche Werte man vertritt“, so Egger. Sie hält die U18-Wahl für einen guten Ansatz, um Jugendliche zu motivieren, sich frühzeitig mit den verschiedenen Parteien auseinander zu setzten.

Mehr Mitbestimmung vor Ort

Nicolas Schwald hat das getan. Seit zwei Jahren ist er Mitglied der Jungen Union, seit Juli Vorsitzender der Ortsgruppe in Kissing, die er mit einem Freund gründete. „Wenn man sich für seine Umwelt interessiert und mitwirken will, muss man sich politisch engagieren“, so der 22-Jährige. „Ich mag keine Leute, die nur meckern.“ Er kann sich mit den konservativen Werten der CSU gut identifizieren. „In Bayern muss man nicht mehr so viel verändern, sondern eher bewahren“, findet der 22-Jährige.

Als Mitglied der Kissinger Jungen Union will er frischen Wind in die langjährig SPD-regierte Gemeinde bringen. Er würde sich freuen, einmal einen Sitz im Gemeinderat zu bekommen und mitbestimmen zu können. Schwald findet, dass viele junge Leute politisch interessiert seien, aber oft die Einstellung herrscht, man könne sowieso nichts ändern. Entsprechend schwierig sei es, neue Leute zu gewinnen. Doch mittlerweile zählt seine Ortsgruppe elf Mitglieder.

Auch Ralph Kilian aus Mering hat sich dafür entschieden, einer Partei beizutreten. Der 23-Jährige ist seit 2015 Mitglied in der Jungen Alternative Bayern und dort als Landesschatzmeister tätig. Zur AfD zog es ihn, weil mit ihr eine Aufbruchsstimmung einherging, die ihm gefiel. „Sie waren jung, frisch, in den sozialen Medien präsent und hoben sich mit ihren Themen von den anderen Parteien ab“, so Kilian. Die AfD habe ihm das Gefühl gegeben, es bewege sich etwas.

Von den rechtspopulistischen Parolen will sich der 23-Jährige aber klar distanzieren. Die seien auch für viele AfD-Mitglieder eher verstörend und oft nur eine Strategie, um mediale Aufmerksamkeit zu erhaschen. Zudem spiegelten sie nicht das Programm der Partei wider. Ihm geht es vor allem darum, dass sich auf Bundesebene etwas ändert. Dass das möglich ist, habe die Wahl gezeigt.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Auch_die_Nikolaust%c3%bcten_f%c3%bcr_die_Kinder_der_Tafelkunden_konnten_zur_Freude_von_Ingrid_Engstle_durch_eine_Spende_wie_die_von_Apotheker_Felix_Rehm_gef%c3%bcllt_werden.tif

Zahnbürstenverkauf bringt Geld für die Tafel

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden