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Bildung

04.07.2016

Junge Flüchtlinge brauchen Begleitung

Die Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr (hinten, Dritte von links) besuchte die Übergangsklasse der Mittelschule Friedberg. Unser Bild zeigt sie mit (von links) Sozialpädagogin Verena Wagner, Klassenleiterin Claudia Krause und Schulleiterin Claudia Faßnacht (ganz rechts).
Bild: Monika Mendat

Welche Schlüsse die SPD-Landtagsabgeordnete Simone Strohmayr aus ihrem Besuch an einer Übergangsklasse im Landkreis zieht

Ende April gab es an den Grund- und Mittelschulen im Freistaat insgesamt 642 Übergangsklassen mit 11200 Schülern. Diese Antwort erhielt die SPD-Fraktion auf eine Anfrage im bayerischen Landtag. Die Mittelschule in Friedberg bietet für die siebte bis neunte Jahrgangsstufe eine Übergangsklasse im Ganztag an, von der sich die Abgeordnete Simone Strohmayr jetzt bei einem Besuch persönlich ein Bild machte. „Es bedarf erfahrener Lehrkräfte, ausreichender Lehrerstunden und verlässlicher Begleiter“, lautete anschließend ihr Fazit.

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Aufgrund der hohen Nachfrage während des Schuljahrs wurde in Friedberg ein zusätzlicher Deutschförderkurs installiert, der mittlerweile wie eine zweite Übergangsklasse fungiert. In den fünften und und sechsten Klassen gibt es keine Übergangsklassen, sondern Deutschförderunterricht.

Die Schülerinnen und Schüler kommen aus Eritrea, Syrien, Afghanistan, Italien oder Slowenien. Viele von ihnen sind unbegleitet in Deutschland. Die Voraussetzungen sind höchst unterschiedlich. Einige haben bereits gelernt, dialektfrei Deutsch zu sprechen, andere haben noch nie eine Schule besucht. Die 17-jährige Nour aus Syrien zum Beispiel stand kurz vor dem Abitur, als sie gemeinsam mit ihren Eltern die Heimat verließ. Sie kommt nächstes Jahr in die 9M. Schulleiterin Claudia Faßnacht ist überzeugt davon, dass die hochintelligente Schülerin das Abitur schaffen wird. Auch andere Jugendliche wechseln im kommenden Jahr in Regelklassen.

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Begleitet werden sie dabei von Klassenleiterin Claudia Krause und Sozialpädagogin Verena Wagner. Sie sind mit gesundheitlichen Beschwerden, etwa posttraumatischen Störungen, ebenso konfrontiert wie mit Eltern, die sich aufgrund der Lebensumstände ihrer Verantwortung nicht gewachsen fühlen. Eine weitere Herausforderung ist für die Pädagogen häufig ein anderes Regel- und Werteverständnis. „Deswegen ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur Lesen und Schreiben lernen, sondern auch, wie man seinen Platz ordentlich hält, dass Müll in den Mülleimer gehört und dass auch Buben aufräumen müssen“, so Klassenleiterin Krause. Verena Wagner macht inzwischen eine Zusatzausbildung zur Traumapädagogin. Allerdings hat sie nur einen befristeten Vertrag. „Ich muss jedes Jahr zittern, ob ich übernommen werde“, sagt sie. Dabei seien gerade feste Bezugspersonen so wichtig.

Claudia Krause regt zudem an, die Mittelschule etwa durch Berufspraktika zu ergänzen, um die jungen Menschen länger positiv begleiten zu können. Die Landtagsabgeordnete Strohmayr hält darum mehr Lehrerstunden und ein größeres Budget für notwendig.

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