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Landmannsdorf

19.12.2020

Kahlschlag im Landmannsdorfer Forst empört Spaziergänger

Die Baumfällungen im Landmannsdorfer Forst sorgen für Ärger bei den Spaziergängern. Was steckt dahinter?
Bild: Carmen Jaspersen, dpa (Symbolfoto)

Plus Im Wald bei Landmannsdorf wird abgeholzt. Spaziergänger kritisieren unpassierbare Wege und ein zerstörtes Erholungsgebiet. Was zuständige Ämter und Förster sagen.

Auch im zweiten coronabedingten Lockdown treibt es die Menschen vor die Tür. Im ländlich geprägten Wittelsbacher Land heißt das vor allem: in den Wald. Wenn dort jedoch statt der erhofften Schönheit der Natur ein Haufen gefällter Bäume und verdreckte Wege anzutreffen sind, sind die Spaziergänger sauer.

So erging es dem Friedberger Markus Hamberger, der gemeinsam mit seiner Frau den Landmannsdorfer Forst als Naherholungsgebiet nutzt und vom derzeitigen Zustand des Waldes wenig begeistert ist. Hamberger, der jedes Wochenende mehrere Stunden im Forst verbringt, berichtet von Kahlschlag und matschigen Wegen, die noch im Frühjahr erneuert worden seien. Der Friedberger meint, in den vergangenen Jahren noch nie ein solches Ausmaß an Abholzung erlebt zu haben.

Ein Großteil des Landmannsdorfer Waldes gehört zum Revier der bayerischen Staatsforsten, einem Unternehmen, das die Waldflächen des Freistaats Bayern unter Aufsicht des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) bewirtschaftet. Auf den Flächen des Freistaats führen die Staatsforsten gerade eine Entnahme älterer Bäume durch.

Regelmäßiges Ausholzen ist in der Forstwirtschaft gängige Praxis

Rudolf Brandl, der beim AELF für das Revier Eurasburg und damit auch für den Landmannsdorfer Forst zuständig ist, erklärt die Hintergründe der Durchforstungsmaßnahmen. Bei der momentanen Abholzung handle es sich nicht um eine dauerhafte Entwaldung, sondern lediglich um eine übliche Verjüngungsmaßnahme. „Jeder abgeholzte Quadratmeter wird wieder zu Wald“, so Brandl. Durch den Einschlag bekämen jüngere Bäume die Möglichkeit nachzuwachsen, und langfristig könne so mehr Vielfalt in die Fläche gebracht werden.

Gerade wegen der klimatischen Veränderungen ist das Ausholzen laut Brandl notwendig. Der in Deutschland vorherrschenden Baumart, der Fichte, setzt die Trockenheit im Zuge des Klimawandels beträchtlich zu. Nachgepflanzte alternative Baumarten sollen das deshalb befürchtete Forststerben verhindern. Zuvor muss jedoch für Nachfolgegenerationen im Wald erst einmal Platz geschaffen werden.

Die Fichte ist der Brotbaum der deutschen Forstwirtschaft: die heimische Art wächst gut, wird teils finanziell gefördert und ist beliebt als Bauholz. Doch klimatische Veränderungen machen dem Flachwurzler zu schaffen.
Bild: Sophie Richter

Nicht immer seien daher herumliegende Bäume ein Grund zu Besorgnis über forstliche Misswirtschaft, merkt Brandl an und berichtet von einer Bürgerin, die sich vor einiger Zeit nach dem Anblick von Verwüstung im Meringer Wald empört an die Politik wandte, bevor sich herausstellte, dass das Chaos ohne menschliches Zutun von Sturm Sabine angerichtet worden war.

Robert Bocksberger, Leiter der Landsberger Zweigstelle der bayerischen Staatsforsten, die auch den Landmannsdorfer Forst bewirtschaftet, kann die Beunruhigung von Spaziergängern jedoch verstehen. „Holzerntemaßnahmen haben immer ein wenig Baustellencharakter“, räumt er ein. „Aber in der Regel ist nach ein paar Wochen nichts mehr zu sehen.“

Die Wege seien durch die Holzernte zwar verdreckt, jedoch nicht nachhaltig geschädigt, so Jakob Weiß, Leiter der Abholzung auf den Landmannsdorfer Flächen. „Natürlich ist das für Waldbesucher nicht besonders schön, aber unsere Wege sind eben auch Wirtschaftswege“, sagt Weiß. Auch seien die momentanen Maßnahmen ein regelmäßiges Vorgehen und die Menge der Holzernte liege im Rahmen der forstwirtschaftlichen Planung durch die bayerische Staatsforsten und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Im Landmannsdorfer Forst wird auch auf privaten Flächen abgeholzt

Neben der Abholzung auf den staatlichen Flächen wurden im Landmannsdorfer Forst jüngst auch rund zwei Hektar Privatwald gefällt, wie Jakob Weiß berichtet. „Ein solcher Eingriff kann für Laien schlimm aussehen. Aus forstwirtschaftlicher Sicht ist dem Besitzer aber nichts vorzuwerfen“, meint der Forstwirt. Bei Wirtschaftswäldern sei es bloß natürlich, ältere Bäume zu entnehmen, sobald jüngere bereit seien, ihre Nachfolge anzutreten, erklärt er. „Das ist wie bei der Weizenernte in der Landwirtschaft: Sobald das Getreide reif ist, wird geerntet.“

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