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Immobilien in Friedberg

23.02.2018

Kein Baustopp für Friedberger Sozialwohnungen

Bei den Friedberger Sozialwohnungen liegt noch kein Stein auf dem anderen. Trotzdem gibt es bereits 750 000 Euro Kosten.
Bild: Peter Fastl

Die Friedberger Grünen fordern eine „Denkpause“ für das Projekt, das immer teurer wird. Doch damit stehen sie im Stadtrat alleine da. Warum?

 Auch wenn in den städtischen Sozialwohnungen an der Afrastraße noch kein Stein auf dem anderen liegt, wurde dort schon viel Geld ausgegeben. 750000 Euro flossen bereits in Voruntersuchungen und an Planer. Und die Kosten für das Projekt steigen. Bleibt Friedberg damit seinem Versprechen treu, günstigen Wohnraum zu schaffen? Diese Frage stellte Grünen-Fraktionsvorsitzende Claudia Eser-Schubert im Stadtrat. Die Grünen befürchten: nein.

Deshalb hatten sie einen Antrag gestellt, den Bau der Sozialwohnungen zu stoppen und eine „Denkpause“ einzulegen, in der Alternativen geprüft werden. Optimierungsmöglichkeiten sehen sie bei der Verankerung der zwei Wohnblocks, die wegen des schwierigen Untergrunds sehr teuer ist. Auch die Tiefgaragenplätze, die jeweils 75000 Euro kosten, seien nicht unbedingt nötig. Sie schlagen oberirdische Alternativen oder eine Änderung der Stallplatzverordnung für Sozialwohnungen vor. Notfalls müsse man überlegen, die Gebäude anders zu situieren oder sogar woanders zu errichten.

67 Wohnungen entstehen

Durch die Verzögerung gerate man in ein Dilemma, räumte die Politikerin ein. Doch den Grünen laufen die Finanzen zu sehr aus dem Ruder. Sie fordern: „Wir müssen den Planern sagen, was wir wollen und was es kosten darf.“ Wie berichtet, werden die Kosten für die 67 Wohnungen samt Tiefgarage mit 20,5 Millionen Euro veranschlagt. Beinhaltet sind 1,8 Millionen, die die Stadt in Form des Grundstücks einbringt.

Der Freistaat zahlt einen Zuschuss von 30 Prozent der förderfähigen Kosten einschließlich des Grundstückswerts. Für weitere 60 Prozent kann die Kommune ein zinsgünstiges Darlehen in Anspruch nehmen. Zehn Prozent muss sie als Eigenanteil aufbringen, wofür auch das Grundstück herangezogen werden kann. Laut diesem Modell ist das Gebäude nach 30 Jahren bezahlt. Zins und Tilgung sollen durch die Miete erwirtschaftet werden.

Keine „Slum-Bebauung“

Den meisten Parteien gefällt dieses Modell. Und so schmetterten sie den Antrag der Grünen ab, denn, wie es SPD-Fraktionschef Roland Fuchs ausrückte: „Der Zug ist abgefahren.“ Seine Partei befürworte das Projekt. Es sei wichtig, dass auch Sozialwohnungen qualitätvoll sind, damit keine „Slum-Bebauung“ entsteht. Dem pflichteten Thomas Kleist und Johannes Hatzold für CSU und Freie Wähler bei.

Wolfgang Rockelmann (Fraktionsgemeinschaft Parteifreie, FDP, ÖDP) beurteilte das Thema differenzierter. „Die Antragsteller haben leider in vielen Punkten recht“, bestätigte der Architekt. Die Fraktionsgemeinschaft hatte den Grünen sogar zustimmen wollen, änderte aber in der Sitzung ihre Meinung, und zwar wegen eines Hinweises von Baureferent Carlo Haupt. Dieser hatte erläutert: „Wenn wir jetzt alles auf Null stellen, müssen wir auch neue Förderanträge stellen.“ Ob die Förderung nochmals erteilt würde – daran bestehen Zweifel.

8,35 Euro Durchschnittsmiete

Das jetzige Projekt sei dagegen förderfähig, berichtete Bürgermeister Roland Eichmann ( SPD). Die Regierung von Schwaben habe die vergleichsweise hohen Kosten bei einer Besprechung zwar angesprochen aber akzeptiert. Und das auch im Hinblick auf die daraus resultierende Durchschnittsmiete von 8,35 Euro pro Quadratmeter, die um einiges über dem liegt, was das Jobcenter Empfängern von Sozialleistungen zubilligt.

Weil die hohe Miete ebenfalls diskutiert worden war, rechnete Finanzreferent Wolfgang Schuß den Stadträten vor, dass es auch anders gehe. Es müsse nicht sein, dass die Stadt draufzahlt, um Mieten zu senken. Bei den Preisen sei ein mehrstufiges Modell denkbar. In diesem könnten die solventeren Mieter die anderen subventionieren. Außerdem gebe es andere Möglichkeiten, die Miete zu berechnen. Werden die umgelegten Kosten für das Grundstück, möglichen Mietausfall und Rendite herausgerechnet, sinken die Quadratmeterpreise um 1,95 Euro. Damit liege man nur noch bei 6,40 Euro.

Das ließ ihm der Stadtrat allerdings nicht durchgehen. Von „Schönrechnerei“ sprach unter anderem Rockelmann. Wer Wohnungen vermietet, brauche Ertrag, um diese in Schuss zu halten.

Nachbesserungen geplant

Fazit: Die Wohnungen werden weiter geplant. Allerdings versucht man laut Baureferent, die Kosten der Gründungsplatten zu optimieren. Die Frage ist, ob dies nicht durch einen anderen Faktor aufgefressen wird. Die Arbeiten sind noch längst nicht ausgeschrieben. Angesichts des Baubooms sei zu befürchten, das die Kosten höher liegen als kalkuliert, hatte Bürgermeister Eichmann in einer vergangenen Sitzung gewarnt.

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