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Weitmannsee

19.07.2010

Kissing: Graugänsen geht es an den Kragen

Graugänse im Flug.

Dass sich Mensch und Tier den Lebensraum am Kissinger Weitmannsee teilen müssen, verursachte Probleme. Demnächst wird es wohl etliche Graugänse das Leben kosten. Von Peter Stöbich

Dass sich Mensch und Tier den Lebensraum am Kissinger Weitmannsee teilen müssen, hat während der vergangenen Wochen zu erheblichen Problemen geführt und wird demnächst wohl etliche Graugänse das Leben kosten.

Denn ein Antrag der Gemeinde Kissing auf Verkürzung der Schonzeit ist bereits im Juni von der Unteren Jagdbehörde im Landratsamt genehmigt worden, wie Sachgebietsleiter Johann Greppmeier bestätigt. Er suchte jetzt in einem ausführlichen Gespräch mit Ulrike Schmid nach Lösungen, wie man Badegäste am besten vor der Enten- und Gänsekacke schützen kann. Die Geschäftsführerin des Vereins zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete für die Region Augsburg (EVA) fordert in einem Antrag an Bürgermeister Manfred Wolf eine "bußgeldbewehrte Satzung für das Füttern von Wildtieren".

Denn ebenso wie Grillen oder offenes Feuer ist gemäß einer Hinweistafel mit Benutzungsbeschränkungen auch das Füttern von Wasservögeln aus hygienischen Gründen verboten - "aber erstens hält sich kaum jemand daran", sagt Schmid, "und zweitens gibt es weder Kontrollen noch eine gesetzliche Grundlage, auf der man tatsächlich jemanden bestrafen könnte." Fast jeden Tag müsse sie sich Beschwerden erboster Badegäste anhören, die sich über den Tierkot auf den Liegewiesen beklagen. Doch ihr Appell an die Vernunft der Leute verhalle meist ungehört, so die EVA-Geschäftsführerin. "Denn mit dem Füttern locken sie am Weitmannsee die Tiere erst an, die dann immer zutraulicher werden und sich enorm vermehren."

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Nicht nur Kinder fänden die Jungtiere "einfach süß", auch für viele Senioren besitze das Vögelfüttern eine soziale Komponente - allerdings könne das nicht zulasten der Allgemeinheit gehen, findet Schmid. Das Hygieneproblem wird mittlerweile auch in zahlreichen Blogs und Foren im Internet diskutiert: unter anderem ist zu lesen: "Die Graugänse verunreinigen den Badestrand sowie den Bodengrund im Wasser - die können ganz schöne Brocken verlieren, das glaubt man gar nicht, bevor man es nicht gesehen hat. Der ganze Strand voll und dabei ist der See groß, aber nein, sie müssen da umherwatscheln, wo man eben auch baden kann. Wirklich schade drum, denn liegen kann man da wahrlich nicht."

Es geht nicht darum, "möglichst viele Tiere zu meucheln"

Den offiziellen Stellen gehe es nicht darum, "möglichst viele Tiere zu meucheln", stellt Ulrike Schmid klar. Denn der südliche Bereich des Weitmannsees ist naturbelassen und bietet vielen Wassertieren einen einzigartigen Lebensraum. Doch gegen die Unvernunft vieler Erholungssuchenden sei halt kein Kraut gewachsen: "Da werden Brot, Brezen und Semmeln verfüttert, die Reste verschimmeln auf den Wiesen oder verschmutzen das Wasser." Der im Wasser enthaltene Sauerstoff werde für den Abbau der Verunreinigungen benötigt, was für den See Sauerstoffmangel und dicke Schlammschichten zur Folge habe. Um Lösungen zu suchen, hat sich Schmid sogar mit der "Projektgruppe Wildgänse" an der Technischen Universität München in Verbindung gesetzt.

Außerdem hat die Geschäftsführerin Mitte Juli bei der Gemeinde Kissing den Erlass einer "bußgeldbewehrten Satzung" beantragt, mit deren Inhalt sich die Ratsmitglieder demnächst beschäftigen müssen. Die Frage ist freilich: Wer soll in dem mit öffentlichen Mitteln finanzierten Erholungsgelände künftig auf welche Weise überwachen, dass das Fütterungsverbot tatsächlich eingehalten wird?

Diese Woche will Ulrike Schmid mit dem Kissinger Jagdberechtigten Josef Asam und dem Meringer Kreisjagdberater Karl Grabler über die Möglichkeiten eines Abschusses sprechen. Üblicherweise haben die Tiere bis 1. August Schonzeit, deren Verkürzung die Untere Jagdbehörde aber am 23. Juni genehmigt hat - es könnte den Graugänsen also bald an den Kragen gehen.

Verschlammung des Badeufers

Das ist aber keineswegs das einzige Problem am Weitmannsee: EVA-Vorstandsvorsitzender Christian Knauer beklagt die zunehmende Verschlammung des Badeufers und des Kinderbadebereichs. Ein gewässerökologisches Gutachten soll nun helfen, die Ursachen zu beseitigen und teure bauliche Maßnahmen zu verhindern. Von Peter Stöbich

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