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Kissing

04.04.2021

Kissinger Kirchengemeinde seit über einem Jahr ohne Pfarrer

Der Kirchenvorstand mit dem Vertrauensmann Jürgen Pflügel (links) und Diakon David Mühlendyck übernehmen weiterhin viele Aufgaben in der Emmausgemeinde.
Foto: Christian Gall (Archiv)

Plus Nach dem Weggang von Steffen Schubert ist die Stelle in Kissing immer noch nicht besetzt. Wie die evangelische Emmausgemeinde damit umgeht.

Seit über einem Jahr ist der wichtigste Posten in der evangelischen Emmausgemeinde in Kissing verwaist: die Stelle des Pfarrers. Diakon David Mühlendyck rechnet in absehbarer Zeit auch nicht mit einer Neubesetzung. "Ich denke, wir müssen uns darauf einstellen, noch länger ohne Pfarrer zu sein", sagt er.

Mit Pfarrsekretärin Sabine Theymann-Hauck, Vertretungspfarrer Ulrich Funk, der im Dekanat eine Springerstelle hat, dem Kirchenvorstand und anderen Helfern hält er das Leben in der Gemeinde aufrecht. "Uns bleibt nur ein reduziertes, aber dennoch attraktives Angebot zu machen", sagt Mühlendyck. Gottesdienste halten neben ihm und Vertretungspfarrer Funk auch Manfred Brambach und Jürgen Pflügel als Lektoren.

Neuer Pfarrer in Kissing: Besetzungstermin war bereits am 1. Januar

Nach dem Weggang von Pfarrer Steffen Schubert ist die Stelle in Kissing im kirchlichen Amtsblatt ausgeschrieben worden. Der vorgesehene Besetzungstermin war am 1. Januar dieses Jahres. Bewerbungsgespräche hätten jedoch zu keinem Ergebnis geführt. "Es gab einen sehr geeigneten Kandidaten von einer anderen Landeskirche. Aber anscheinend ist es schwierig, die Landeskirche zu wechseln", sagt Mühlendyck.

Inzwischen sei der Diakon "eher pessimistisch" eingestellt, was die Neubesetzung angeht. Die Zahlen geben ihm recht. Laut Regionalbischof Axel Piper gibt es zunehmend Vakanzen von ein bis zwei Jahren. Der theologische Nachwuchs macht sich rar, die Studierendenzahlen sinken. In den nächsten 15 Jahren wird sich nach Prognosen der bayerischen Landeskirche ihr Personalstand von 2435 auf dann 890 oder gar 754 Pfarrerinnen und Pfarrverwalter reduzieren.

Pfarrer Steffen Schubert bei seinem Abschied von der Kissinger Emmausgemeinde.
Foto: Irmgard Hoffman, Ev.-luth. Deka (Archiv)

Mühlendyck hat sich das Amtsblatt genau angeschaut. "Im Moment sind rund 70 Stellen ausgeschrieben, bayernweit", sagt er. Nicht weit von Kissing entfernt im Augsburger Stadtteil Kriegshaber sucht die evangelische Kirche St. Thomas ebenfalls nach einem Pfarrer. Hier ist die Stelle seit dem vergangenen Herbst unbesetzt. Auf ihrer Internetseite wirbt die Gemeinde mit einer ungewöhnlichen Anzeige. Ein Bild zeigt einen leeren Altar mit den eingebloggten Worten "Ihr neuer Arbeitsplatz?!" Mühlendyck kennt die Anzeige. "Wir haben unsere Ausschreibung aus dem Amtsblatt auf unserer Internetseite veröffentlicht", sagt er. Erfolg bei der Suche hatten beide Gemeinden nicht.

Auch in Kissing muss die fehlende Stelle weiterhin aufgefangen werden - so gut es geht. "Viele sehen nicht, um wie viele Themen es da geht", sagt Mühlendyck. Er zählt auf: "Die Kindertagesstätte, Begräbnisse, Seelsorge, Taufen, Hochzeiten und vieles mehr." Der Diakon sagt aber, dass es der Emmausgemeinde weiterhin gelinge, mit modernen Angeboten Menschen zu erreichen. "Wir haben nun auch mit dem Streamen angefangen." Gottesdienste werden im Internet live übertragen und sind nachher auf der Plattform Youtube abrufbar. Das ganze soll mithilfe eines Fachmanns noch professioneller gestaltet werden. Bekannt ist die Gemeinde zudem für ihre Go-Special-Gottesdienste, die sich auch an kirchenfernes Publikum richteten. Das Team begleitet die Zuschauer zurzeit auf dem Kanal in den Frühling. Dankbarkeit, Glück, Freude, Freiheit und Lachen stehen im Mittelpunkt von fünf Videos. Wer möchte, kann dem Pfarrbüro auch einen Brief senden, in dem steht, für was man selbst dankbar ist. Die Aktion wird bei Facebook und Instragram begleitet.

Corona stellt auch die Emmausgemeinde vor Herausforderungen

In Zeiten von Corona muss die Gemeinde allerdings auch auf die Präsenz im Internet setzen. Der Umgang mit Hygieneregeln, Abständen und maximalen Besucherzahlen ist für alle Glaubensgemeinschaften herausfordernd. Übers Internet lassen sich Gläubige erreichen, die davor zurückschrecken, die Gottesdienste zu besuchen.

Corona stelle die Gemeinde aber auch im Hinblick auf ältere Mitglieder, die keinen Zugang zur digitalen Welt haben, vor Herausforderungen. "Die Leute sind einsam", sagt Mühlendyck. Es sei wünschenswert, sie mehr zu Hause besuchen zu können. "Auch da macht sich die fehlende Stelle bemerkbar." Zudem fürchtet der Diakon, dass die Kontakte zu den Kindern und Jugendlichen einschlafen könnten. Der Konfirmationsunterricht musste vor Kurzem erneut verschoben werden. Nun soll er erst im September stattfinden.

Vor Corona gab es einen festen Kern von knapp 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, mit denen Mühlendyck Zeltlager und andere Angebote organisierte. "Da ist auch die Frage, wie viele dabeibleiben." Dennoch möchte der Diakon nicht zu pessimistisch in die Zukunft schauen. Eventuell gebe es auch einen positiven Effekt, wenn die Umstände wieder normaler werden. "Vielleicht sagen die Jugendlichen auch: 'Endlich ist wieder was los.'"

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