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Kissing

17.07.2020

Kissinger Pfleger kümmern sich um schwerkranke Menschen

Jelena Gorobetz (links), hier mit Mitarbeiterin Kathrin Elbl, betreibt seit sechs Jahren einen Ambulanten Pflegedienst in Kissing. Sie engagiert sich mit Leib und Seele für die Pflege, wie sie sagt.
Bild: Heike John

Plus Der ambulante Pflegedienst Alberta aus Kissing hat sich der Intensivpflege verschrieben. Beatmungsgeräte sind dabei ein wichtiges Hilfsmittel.

Beatmungsmaschinen sind aufgrund der Corona-Pandemie derzeit Dauerthema in den Medien. Doch für die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes Alberta aus Kissing sind diese Instrumente, genauso wie Nahrungspumpen oder Absauggeräte, alltägliche Hilfsmittel in der Versorgung von schwerkranken Menschen in ihrer häuslichen Umgebung.

Sie pflegen Menschen mit amyotropher Lateralsklerose (ALS), neurologischen Muskelerkrankungen, mit COPD und anderen Lungenerkrankungen sowie Krebspatienten. Auch kümmern sie sich um Menschen im Wachkoma oder mit Atemdepression bei Querschnittslähmung.

Pflegedienst aus Kissing bietet Heimbeatmungsservice

„Die Intensivpflege ist die höchste Liga der Pflege“, sagt Jelena Gorobetz. 2014 gründete sie ihren Pflegedienst mit Heimbeatmungsservice in Kissing. Dank einer Vielzahl von Fachkräften kann der Luxus einer kompetenten Einzelversorgung im häuslichen Umfeld auch im schweren Krankheitsfall gewährleistet werden. Oft handelt es sich um Patienten, die aus neurologischen Rehakliniken kommen. Nicht nur betagte Menschen gehören zum Patientenstamm. „Gerade junge Männer werden besonders oft von Muskelerkrankungen befallen. Im schlimmsten Fall wacht man morgens auf und kann sich nicht mehr bewegen“, schildert Gorobetz.

Patienten, die von schweren Schädigungen des zentralen Nervensystems betroffen sind, bedürfen einer fachspezifischen Betreuung und aktivierender Pflege. „Wir kommen zu Menschen, für die 24 Stunden am Tag jemand da sein muss, von Minutenpflege kann da keine Rede sein“, erklärt Gorobetz. „Das sind im Monat 720 Stunden und bedeutet 4,5 Vollzeitstellen“, rechnet die Pflegedienst-Chefin vor. Wichtig für die Pflege zu Hause sei die Erhaltung der Wohnatmosphäre trotz der erforderlichen medizinischen Geräte und auch die Zusammenarbeit mit der Familie.

Viele Pflegekräfte haben eine Zusatzausbildung in Kinderintensivpflege

Prominentes Beispiel einer solchen Intensivpflege war 2015 der ehemalige Lauinger Bürgermeister Georg Barfuß, der an einer seltenen Nervenkrankheit litt, die ihn zum Gefangenen im eigenen Körper machte. Weit über ein Jahr kümmerte sich der Pflegedienst Alberta um den Schwerkranken, der in kleinen Schritten wieder ins Leben zurückfand.

Die aktivierende Pflege kostet viel Zeit und Kraft und bedeutet eine sehr hohe Verantwortung, führt Gorobetz aus. In ihrem Pflegedienst arbeiten deshalb überdurchschnittlich viele examinierte Pflegekräfte mit Zusatzausbildungen in außerklinischer Beatmung oder Kinderintensivpflege. „Im besten Falle können wir einen Schwerkranken auch dazu bringen, nach künstlicher Beatmung und Atemunterstützung wieder selber zu atmen.“ Man spreche vom sogenannten Weaning, einer Art Entwöhnung. „Das ist ein großer Glücksfall und ich verliere damit einen Patienten. Aber ich will keine kommerzielle Pflege betreiben“, betont Gorobetz.

Vor rund 20 Jahren kam Jelena Gorobetz zur Intensivpflege und baute als Mitarbeiterin von Pflegediensten zahlreiche Wohngemeinschaften für Schwerstkranke mit auf.
Bild: Oliver Berg, dpa (Symbolbild)

Seit ihrer Ausbildung an der Krankenpflegeschule St. Petersburg bildete sie sich ständig weiter. „Ich liebe Medizin über alles“, sagt sie. Das Anerkennungspraktikum in Deutschland machte sie in Gelsenkirchen und kam dann mit ihrem Ehemann, einem Fotojournalisten, nach Bayern. In München absolvierte Gorobetz die Heilpraktikerschule und einige Zusatzausbildungen. Vor rund 20 Jahren kam sie zur Intensivpflege und baute als Mitarbeiterin von Pflegediensten zahlreiche Wohngemeinschaften für Schwerstkranke mit auf. Ihr eigenes Unternehmen Alberta trägt den Namen der Oma. „Die war wie ich Krankenschwester und Heilpraktikerin und arbeitete 40 Jahre lang in der ambulanten Pflege.“

Pflegedienst aus Kissing: Auch Angehörige brauchen eine Stütze

2005 kaufte das Ehepaar in Kissing ein Haus. Von dort kommen immer mehr Anfragen zur Medikamentengabe oder Wund- und Katheterversorgung und zur Unterstützung in der Hauswirtschaft, erzählt Gorobetz. Ihre Büroräume hat sie in der Kissinger Bahnhofsallee 13. Als Vorteil ihres kleinen Pflegedienstes sieht sie die Möglichkeit einer sehr individuellen Betreuung. „Wir machen auch mal einen Fahrdienst zum dringenden Zahnarztbesuch möglich, wenn die Angehörigen in der Arbeit sind“, gibt sie ein Beispiel. „Ich bin so zufrieden und habe das Gefühl, sie tun alles für mich“, lobt etwa die 88-jährige Kissingerin Kreszenz Wolf. Zu ihr kommt der ambulante Pflegedienst Alberta zweimal täglich. Ihr Sohn Manfred Wolf ist dankbar für die zuverlässige Betreuung. „Wenn Not am Mann ist, kommt die Chefin auch persönlich und als Ansprechpartnerin ist sie immer greifbar“, lobt er.

Pflegende Angehörige bräuchten genauso Stütze wie Pflegebedürftige, weiß Gorobetz. „24-Stunden-Erreichbarkeit ist für uns Pflicht, denn wenn ein Patient nachts aus dem Bett fällt, kommen wir und helfen“, erklärt sie. „Wir fahren im Stadtgebiet Augsburg und im Landkreis Aichach-Friedberg überall hin, wo wir in rund 20 Minuten sein da können“. Einige ihrer Pflegekräfte in Teilzeit kommen direkt aus Kissing, etwa die gelernte Krankenschwester Kathrin Elbl. „Die Pflege macht mir so viel Spaß, dass ich bei Jelena mitarbeite, obwohl unsere Familie selbst eine Firma hat, in der ich gebraucht werde.“

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