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Schmiechen

25.08.2020

Kleine Katze von dubiosem Verkäufer wird in Schmiechen gerettet

Inzwischen ist der kleine Kater Jaspis aufgepäppelt worden – und ein sehr aufgewecktes Kerlchen.
Bild: Edigna Menhard

Plus Zurzeit werden viele junge Tiere über das Internet verkauft – teilweise von dubiosen Anbietern. Der Fall von Babykätzchen Jaspis in Schmiechen zeigt, wie die Vierbeiner leiden.

Jaspis war gerade mal vier oder fünf Wochen auf der Erde und hatte schon aufgegeben. Das Babykätzchen wollte nichts mehr fressen, war mehr tot als lebendig. Ein Häufchen Elend mit geschwollenen Augen, nicht mal so groß wie eine Hand. Ein furchtbarer Lebensstart, doch das Schicksal meinte es schließlich noch gut mit ihm. Die Katze wurde in Schmiechen wieder aufgepäppelt.

Zunächst war das Samtpfötchen über Ebay-Kleinanzeigen angeboten worden. Zwei Frauen lasen die Anzeige des Portals und holten das Kätzchen in der Nähe von Mindelheim ab. Dass die Sache etwas seltsam war, fiel ihnen zunächst nicht auf, auch weil sie keine Erfahrung mit Katzen hatten. Die beiden wurden von den Inserentinnen im Flur abgefertigt, durften die Mutterkatze nicht sehen. Obwohl die Babykatze wohl schon für jemand anderen reserviert war, drückte die Ebay-Verkäuferin den arglosen Frauen das kleine Häufchen Fell in die Hand mit den Worten: „Was weg ist, ist weg.“ Perplex von dieser Situation zahlten die Kundinnen die geforderten 40 Euro und machten sich auf dem Heimweg, merkten aber bald, dass etwas mit dem Tier nicht stimmte. Der Kleine bewegte sich nicht, lag lethargisch im Korb. Von unterwegs riefen sie die Tierärztin Daniela Rose an und durften das kranke Geschöpf sofort vorbeibringen.

„Damit haben sie dem Kleinen wohl das Leben gerettet“, sagt Katzenexpertin Sabine Maurus, die in Schmiechen alten und behinderten Katzen ein Zuhause gibt, aber auch junge Kätzchen vermittelt. Sie gab dem kranken, verwahrlosten und völlig verflohten Tier den Namen Jaspis, nach einem roten Stein, der als Energie- und Kraftgeber gilt, und begann es aufzupäppeln. Weil es so dehydriert war, dass es nicht mehr schlucken konnte, flößte sie ihm stündlich mit einer Spritze Mutterersatzmilch ins Mündchen, massierte sanft das zarte Körperchen. „Das Leben von Jaspis stand oft auf der Kippe“, erzählt sie. Doch die Pflege hatte Erfolg: Drei Wochen später ist er ein properer, freiheitsliebender Schelm mit zartem Fell, der mit allem spielt, was flattert und sich bewegt.

Babykatze in Schmiechen gerettet: Andere Tiere haben weniger Glück

Andere verwahrloste Tiere haben weniger Glück. Rose, die in Oberottmarshausen ihre Tierarztpraxis betreibt, hat beobachtet, dass seit Corona der Handel mit Rassewelpen aus dem Ausland massiv zugenommen hat: „Die vergangenen Jahre habe ich vielleicht alle paar Wochen so einen Fall gehabt, diesen Montagvormittag alleine sind schon vier solche Tiere zu mir in die Praxis gekommen.“ Das läge daran, dass die Menschen derzeit im Homeoffice arbeiten und sich aus Wunsch nach Gesellschaft einen tierischen Mitbewohner anschafften oder für ihre Kinder Beschäftigung suchten, weil man nicht in den Urlaub fahren könne. Entweder seien sie wirklich extrem arglos oder sie schlügen Warnungen in den Wind, um Geld zu sparen. Denn für einen Rassehund zahle man dann lediglich einen Bruchteil des Züchterpreises.

Doch diese Rechnung gehe nicht auf. Denn so manche Tiere oder auch Rassen seien permanent krank, wie beispielsweise Französische Bulldoggen, die gerade bei jungen Frauen sehr beliebt seien. Auf die Tierhalter kämen dann schwierige Zeiten mit vielen Tierarztrechnungen zu.

Sabine Maurus hat den kleinen Jaspis in Schmiechen gesund gepflegt. Hier ist ein Bild des sehr geschwächten Katers, als sie ihn aufnahm.
Bild: Edigna Menhard

Wer sich diesen Ärger und die Kosten ersparen will, sollte zum Tierheim, einem Tierschutzverein oder zu einem Züchter gehen. Katzenexpertin Maurus rät: „Prinzipiell gibt es sicherlich auch seriöse Anbieter, die ihre Tiere über Ebay-Kleinanzeigen abgeben, aber wer mit Katzen oder Hunden keine Erfahrung habe, sollte lieber von diesem Portal die Finger lassen.“ Prinzipiell erkenne man gute Züchter daran, dass sie ihre Schützlinge erst im Alter ab zwölf Wochen abgeben. Doch Achtung: Denn dubiose Händler lügen oft beim Tieralter. Deshalb, so Maurus, soll man beispielsweise bei einer Babykatze darauf achten, dass sie weitaus größer als eine Hand ist.

Tipp von Expertin: Tiere müssen einen Impfpass haben

Wichtig sei zudem: Die Tiere müssen einen Impfpass haben. Auch hier ist Vorsicht angebracht. So hatte Rose kürzlich den Fall, dass Kunden ein blauer EU-Ausweis von einem angeblich deutschen Züchter mitgegeben wurde, in dem alle Einträge in rumänischer Sprache eingetragen waren. Daran erkenne man, dass die Tiere illegal nach Deutschland gebracht worden seien. Die Vierbeiner hätten dann auch keine Tollwutimpfung, weil die erst im Alter von über zwölf Wochen erlaubt ist. Oft würden den neuen Tierbesitzern auch gefälschte Impfpässe untergejubelt. Misstrauisch sollte man zudem werden, wenn die Einträge zur Tollwutimpfung und dem Mikrochip nicht laminiert seien.

Der Kater Jaspis ist in Schmiechen gerettet worden.
Video: Edigna Menhard

Man muss schon genau hinschauen, wenn man sich ein kleines Hündchen oder eine Babykatze holt. Maurus rät allen, deshalb mit einem neuen Tier zuerst zum Tierarzt zu gehen.

Und in einem Fall wie von Jaspis wurde zudem das Veterinäramt eingeschaltet. Der Kleine hat übrigens ein Zuhause mit Garten gefunden, in das er in ein paar Wochen umziehen wird.

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