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Kunsthandwerk

29.06.2013

Kleine Steinchen und das große Ganze im Blick

Dragan Vucinic sammelt Fossilien und besondere Steine, um sie mit einzuarbeiten.
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Dragan Vucinic sammelt Fossilien und besondere Steine, um sie mit einzuarbeiten.

Dragan Vucinic gestaltet leidenschaftlich gerne Mosaike und denkt dabei auch an große Philosophen

Hügelshart Es sind unzählige Steinstückchen. Nach Material und Farben voneinander getrennt, füllen sie alle möglichen Behältnisse: Kunststoffdosen, frühere Joghurtbecher, leere Farbbehälter, Tablette. Sorgfältig poliert Dragan Vucinic alle diese Mosaiksteinchen an einer Oberfläche mit einer Schleifmaschine. Doch auch wenn jedes Detail wichtig ist, hat er immer das Gesamtbild im Kopf: Ein weiteres Mosaik, das er aus den kleinen Einzelteilen zusammenfügt. Die meisten hat er in Spanien geschaffen. Weitere kommen mittlerweile in Hügelshart dazu, wo Vucinic seit vergangenem Jahr mit seiner Familie lebt. Eine Auswahl seiner Werke ist derzeit bis 16. Juli bei der Israelitischen Kultusgemeinde neben der Synagoge in Augsburg zu sehen.

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Es war ein weiter Weg, der den 53-Jährigen zur Mosaikkunst und in den Friedberger Stadtteil geführt hat. Leidenschaft für Steine scheint er in Bosnien-Herzegowina geerbt zu haben. Zu seinen Kindheitserinnerungen zählt es, wie sein Großvater, ein Steinmetz, über seine Arbeit unter anderem an Reliefen für ein Kloster erzählt hat. Doch zunächst wurde Vucinic Polizist. Wohlgefühlt hat er sich dabei nicht.

Als Sicherheitsmann lernte er 1990 seine spätere Frau Conny als Reiseleiterin in einem Hotel in Montenegro kennen. „Halt!“, war damals das einzige deutsche Wort, das er aus Filmen kannte. Und die beiden halten seitdem aneinander fest. Vucinic begleitete seine künftige Gattin für ein Jahr nach Zypern. Dort hat er den Zauber griechisch-römischer Mosaike richtig für sich entdeckt. Für ihn hat dies mit der Suche nach Schönheit zu tun.

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Auf Zypern folgte Rheinland-Pfalz, wo sich der Bosnier zum Fliesenleger umschulen ließ. Als Handwerker bestritt und bestreitet er seitdem seinen Lebensunterhalt. Gegen Fliesen hat er gar nichts einzuwenden. Natursteine, die er für die Mosaike verwendet, sind für ihn aber lebendiges Material. Damit in seiner Freizeit vor allem am Abend zu arbeiten, empfindet Vucinic als Erlebnis.

1995 entstand das erste Mosaik mit griechischen Ornamenten gedacht als Dankeschön für eine Freundin, die damals etwas für die Flitterwochen organisiert hatte. Niemand hatte Vucinic gezeigt, wie man Mosaike gestaltet. „Doch ich wusste, wie es geht“, sagt der Mosaizist. Erklären kann er sich dies nur mit seiner Leidenschaft für dieses Kunsthandwerk. Für ihn ist dies Elixier für den Geist. Er hat sich viel mit altgriechischer, aber auch moderner Philosophie beschäftigt.

So hält er es bei seinen Mosaiken mit Aristoteles: „Der Anfang ist die Hälfte des Ganzen.“ Die Vielzahl der für ein Mosaik nötigen Steinchen entmutigt ihn nicht. Mit einer Vorzeichnung ist der Anfang gemacht. Und diese Idee behält er fest im Blick. Beim Platzieren der einzelnen Steinchen sucht er die richtigen Farbabstufungen. „Da geht es um Schweigen und Machen“, sagt Vucinic.

So richtig losgelegt als Mosaizist hat er ab 1999 in Spanien, wohin die Familie umgezogen war. In Rincón de la Victoria in der Nähe von Malaga hat er im Rathaus ausgestellt und in der Stadt ist auch ein Mosaik von Vucinic am Eingang zum Gymnasium zu sehen. 2012 erfolgte die Rückkehr nach Deutschland.

Die Familie mit vier Kindern fand ein neues Zuhause in Hügelshart. Auch ein kleiner Arbeitskeller bietet dort genügend Platz für zahllose Mosaiksteinchen. Für Dragan Vucinic ist es sein persönliches Königreich. Dort hat er die volle Gestaltungsfreiheit.

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