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Sportskanone

22.06.2017

Kleiner Mann mit großem Ehrgeiz

Mit seinen elf Jahren ist Patrick Link schon ein sehr erfolgreicher Tennisspieler. Der talentierte Akteur des TC Friedberg wurde unlängst schwäbischer Meister der U12 und kann auch schon auf zwei bayerische Meistertitel verweisen.
Bild: Peter Kleist

Der elf Jahre alte Patrick Link vom TC Friedberg hat schon eine Menge Erfolge vorzuweisen. Was er noch erreichen möchte und warum es einmal im Jahr nach Vietnam geht.

Sportlern merkt man bei Interviews meist gleich an, wie das Spiel gelaufen oder wie es gerade um die persönliche Befindlichkeit bestellt ist. Nach Siegen sind die Protagonisten meist gesprächig, nach gerade erlittenen Niederlagen eher wortkarg und gar nicht erpicht darauf, mit lästigen Reportern reden zu müssen. So gesehen ist der elf Jahre alte Patrick Link vom TC Friedberg eine rühmliche Ausnahme. Er unterhielt sich mit dem Reporter, obwohl er gerade beim Zavadil-Cup eine bittere Niederlage gegen seinen Mannschaftskollegen David Eichenseher hatte einstecken müssen.

„Ich hab’ mich schon wieder beruhigt“, meinte Patrick Link nach seinem Aus im Halbfinale der Altersklasse U12. „Sicher ist er enttäuscht, schließlich hatte er David im Finale der schwäbischen Meisterschaft noch mit 6:2 und 6:2 bezwungen, und jetzt halt mit 5:7 und 5:7 verloren – aber so ist halt der Sport“, erklärte sein Vater Reiner. Ehrgeizig ist Patrick Link also, aber nicht vom Ehrgeiz zerfressen und auch Niederlagen werden mit Anstand hingenommen. Schläger werfen oder demolieren, was bei anderen auch schon in diesen jungen Altersklassen passiert, gibt es bei diesem Talent des TC Friedberg nicht.

Mit viereinhalb Jahren begann Patrick Link mit dem Tennisspielen und das eher zufällig. „Sein Bruder Marcel sollte anfangen und Patrick ging mit und schlug auch ein paar Bälle – und Jiri Zavadil hat gleich sein Talent gesehen und gesagt, dass er weitermachen solle“, so Vater Reiner Link. Und Patrick machte weiter, fand Gefallen an dem Sport in dem man „gefordert und gefördert wird“, wie er meinte. Bald stellten sich erste Erfolge ein und der Elfjährige kann schon auf eine bemerkenswerte Karriere verweisen. In den Altersklassen U10 und U9 wurde er jeweils bayerischer Meister, in der Altersklasse U11 bayerischer Vizemeister in der Halle, belegte beim deutschlandweiten Jüngstenturnier in Detmold 2016 den dritten Platz und eben zuletzt in Bad Wörishofen schwäbischer Meister in der Altersklasse U12. „Da habe ich in der älteren Kategorie gespielt, weil es die AK11 dort nicht gab“, so Patrick Link.

Der junge Tennisspieler investiert viel in seinen Sport: Dreimal in der Woche wird bei Jiri Zavadil trainiert, zudem ist er im bayerischen Talentpool und wird auch im Bezirkstraining gefördert – und immer wieder stehen auch Lehrgänge des bayerischen Tennisverbandes (BTV) in Oberhaching auf dem Programm. Klar, dass in den Sommermonaten dann auch Punktspiele anstehen, der Elfjährige vertritt dabei die Farben des TC Friedberg gleich in zwei Mannschaften – den Knaben und den Junioren.

Und all das funktioniert auch neben der Schule? Immerhin geht Patrick Link aufs Gymnasium, genauer in die 5. Klasse des Holbein-Gymnasiums – der Schule, auf der sein Vater Englisch unterrichtet. „Ja, das klappt gut“, so Patrick und Vater Reiner bestätigt das: „Patrick ist diszipliniert, wenn er vom Training heimkommt, macht er unaufgefordert seine Hausaufgaben. Da mussten wir noch nie dahinter her sein.“ Nur eines „missfällt“ dem Vater: „Meine Lieblingsfächer sind Mathe und Sport“, erzählt Patrick. „Und das, wo doch der Vater Englischlehrer ist“, ergänzt Reiner Link lächelnd.

Vater Reiner und Mutter Thien unterstützen ihren Sohn natürlich – „so weit uns das als schlechten Hobbyspielern möglich ist“, wie Reiner Link mit einem Schmunzeln anfügt. Patricks Vater lernte dessen Mutter in Nha Trang in Vietnam kennen – an einer roten Ampel. „Sie hatte ein Webster-Wörterbuch unterm Arm und da ich Englischlehrer bin, habe ich sie angesprochen“, erinnert sich Reiner Link. Seit 2001 ist Patricks Mutter in Deutschland, einmal im Jahr – im Sommer – geht es immer in den Urlaub nach Vietnam. „Ich verstehe vietnamesisch ganz gut, aber sprechen kann ich es nicht“, so Patrick Link.

Der talentierte Tenniscrack, der die Rückhand als seinen stärksten Schlag angibt und Rafael Nadal als Vorbild nennt, hat noch einige Ziele – am liebsten möchte er bis zur U18 in jeder Altersklasse bayerischer Meister werden. Die Voraussetzungen hätte er sicher: schnelle Beine, Kondition – nur in Sachen Größe ist bei derzeit 143 Zentimeter Körperhöhe nach oben noch einiges an Luft. Will er Profi werden? „Da mache ich mir eher wenig Hoffnungen“, meinte Patrick. Der Elfjährige liebt es auch in seiner Freizeit sportlich, er spielt Fußball beim FC Stätzling und greift auch gerne zum Tischtennisschläger. Außerdem liest Patrick gerne. Doch noch steht eben Tennis ganz hoch im Kurs – auch wenn er einmal im Ausland ist. Unlängst war er zum Tennisspielen in Prag und traf dort Petra Kvitová, die Wimbledon-Siegerin der Jahre 2011 und 2014. Klar, dass sofort ein Foto gemacht wurde. Was dem jungen TCF-Akteur aber nicht so gefiel, war, dass er gegen eine Zwölfjährige verlor – doch solche Niederlagen stacheln Patrick Link zusätzlich an.

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