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Volksfest Friedberg

15.08.2019

Klofrau beim Volksfest: „Manche Gäste tanzen mit uns“

Die Klofrauen Petra Sauter (links) und Anastasia Hutzel arbeiten auf dem Friedberger Volksfest. Besucher begegnen ihnen teilweise unverschämt.
Bild: Alexandra Sieber

Die Mitarbeiter müssen aber auch viel einstecken. Nicht jeder behandelt sie mit Respekt.

Die meisten Besucher des Friedberger Volksfestes nutzen die Toiletten des Bierzeltes. Doch nur wenige schätzen die Arbeit der Klofrauen, die dahinter steckt. Zehn Tage lang putzt das Team, bestehend aus drei Frauen und einem Mann, die Toiletten für die Gäste.

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Die Chefin heißt Petra Sauter, ist 47 Jahre alt und wohnt in Augsburg. Hauptberuflich ist sie Reinigungskraft für das Augsburger Bistum. Schon seit zehn Jahren arbeitet sie in ihrer Freizeit und an Urlaubstagen als Klofrau. Durch eine Bekannte ist sie zu diesem Job gekommen.

„Meine restliche Zeit widme ich meiner elfjährigen Tochter“, verrät Sauter. Auf dem Friedberger Volksfest ist sie seit zwei Jahren dabei. Doch auch auf anderen Festen wie dem Augsburger Plärrer putzt sie.

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Schichtbetrieb vor der Toilette

Sauter ist jeden Tag auf dem Volksfest. Ihre drei Mitarbeiter haben an zwei der zehn Festtage frei. Der Arbeitstag beginnt in der Früh, wenn das Bierzelt öffnet, oder ab 16 Uhr. Die Schichten von Sauter und ihren Mitarbeitern dürfen nämlich nicht länger als acht Stunden sein.

Zu Beginn der Frühschicht desinfizieren die Klofrauen alle Toiletten. Im Laufe des Tages kontrolliert Sauter die Toiletten in regelmäßigen Abständen. „Ich schaue immer nach zehn Minuten nach, ob alles sauber ist. Wenn nötig, putze ich und fülle die Seife oder die Tücher nach“, erklärt die 47-Jährige.

Eine putzt, die andere kassiert

Wenn das Bierzelt abends voll wird, muss das Team zusammenarbeiten. Eine Kollegin ist ständig im Toilettenwagen und putzt. Die andere kassiert draußen ab. Die Mitarbeiterin Maria Gullotta verrät: „Dann wird es immer ziemlich stressig. Jeder hat es sehr eilig und macht sich fast in die Hose.“

Wer das stille Örtchen aufsucht, muss vorher 50 Cent bezahlen. „Kinder bis zehn Jahre, Schwangere und Behinderte sind frei“, sagt Sauter. Wer jedoch denkt, dass die 50 Cent für die Klofrauen sind, irrt sich.

Das Geld geht an den Festzeltbetreiber Karl Asum. Der kauft davon Seife, Papiertücher und be-zahlt das Wasser. Sauter erklärt: „Wenn jemand mehr als 50 Cent bezahlt, ist der Rest unser Trinkgeld. Essen und Trinken im Zelt bekommen wir kostenlos.“

Im Durchschnitt gibt der Friedberger 70 Cent

Im Durchschnitt geben die Besucher 70 Cent. Frauen seien etwas spendabler als Männer, so Gulotta. Das liege womöglich daran, dass Männer nur zahlen müssen, wenn sie die Kabine benutzen. Zusätzlich zum Trinkgeld bekommen die Klo-frauen den Mindestlohn. Der Besucher Lothar Wischnewski sagt: „Ich schätze die Arbeit wirklich sehr und es ist immer sauber. Deshalb gebe ich auch gerne etwas mehr als die verpflichtenden 50 Cent.“

Doch nicht jeder ist so freundlich wie Wischnewski. Abends, wenn die Gäste des Bierzeltes die eine oder andere Maß zu viel getrunken haben, beginnen sie oftmals zu pöbeln oder müssen sich übergeben. Dieses Jahr gab es auf dem Volksfest erst einen schlimmeren Vorfall.

Betrunkener pöbelt und beschimpft die Toilettenfrauen

„Ein betrunkener junger Mann hat vor den Klos alle Leute angesprochen, gegen uns gepöbelt und uns beschimpft“, so Sauter. In solchen Fällen ruft die Augsburgerin die Security. Die Mitarbeiter hätten den Betrunkenen wieder zu seinem Platz begleitet.

Sauter zeigt ein gewisses Verständnis für den Unmut mancher Besucher des Volksfestes: „Man zahlt ja schon für Essen und Trinken. Viele fragen sich da, warum sie auch noch für Toiletten Geld ausgeben sollen.“ Trotzdem ist das Team über jeden Cent froh, den es extra bekommt. „So oft Danke und Bitte sagt man das ganze Jahr nicht“, meint Gullotta lachend.

 Doch nicht alle Besucher zur späten Stunde verhalten sich so unangemessen, wie der junge Mann. Mitarbeiterin Gullotta fügt hinzu: „Wir erleben hier einiges. Manche Gäste beginnen mit uns zu tanzen oder möchten sich einfach nur unterhalten.“

Auf dem Friedberger Volksfest braucht man ein dickes Fell

Klar ist, dass man bei diesem Job ein dickes Fell braucht und er nicht für jeden gemacht ist. Das sieht auch Besucherin Waltraud Mutzbauer so: „Die Toiletten hier sind super sauber und die Aufgabe ist sehr wichtig. Für mich wäre das jedoch nichts, wenn die Betrunkenen anfangen, mich zu beschimpfen.“

Lesen Sie dazu auch unseren Beitrag Volksfest 2019 in Friedberg: Infos zu Programm und Termin

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