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Technik

29.01.2018

Kontaktloses Zahlen verunsichert Kunden in Friedberg

Mit den meisten Bankkarten kann inzwischen kontaktlos bezahlt werden. Kleinere Rechnungen werden innerhalb von Sekunden ohne Bestätigung beglichen.
Bild: Daniel Weber

Kreditkarten haben meist einen Funkchip. Ihr Besitzer kann damit die Rechnung begleichen, ohne die Karte in einen Automaten stecken zu müssen. Welche Erfahrungen haben Friedberger damit gemacht?

 Manfred Indich staunte nicht schlecht, als einer seiner Gäste im Friedberger Restaurant Kussmühle die Rechnung von über 80 Euro bezahlte. Die Bankkarte hatte das Gerät noch gar nicht berührt, da war der Bezahlvorgang schon abgeschlossen - ohne Unterschrift oder PIN-Eingabe. In anderen Fällen war die Rechnung schon bezahlt, bevor die Karte auch nur die Tasche verlassen hatte.

 Zuvor hatte Indichs Kassiergerät ein Software-Update erhalten, das kontaktloses Bezahlen mit NFC möglich macht (siehe Infokasten). Gerade ältere Kunden seien oft verblüfft, wenn ihre Bankkarte von selbst bezahlt, berichtet Indich. Die Frage, die sich vielen stellt: Könnte ein Dieb mit dem passenden Gerät einfach durch die Innenstadt laufen und die Karten der Passanten plündern?

Können Diebe die Daten „plündern“?

Da bestehe keine Gefahr, beschwichtigt Michaela Döringer von der Raiffeisenbank Kissing-Mering. „Kartendaten werden nur bei einem sehr geringen Abstand von wenigen Zentimetern ausgelesen und die Transaktion erfolgt verschlüsselt.“ Zudem schirmten zum Beispiel Münzen im Geldbeutel das Funksignal ab. Bei der Raiffeisenbank muss der Kartenbesitzer ab einem Betrag von 25 Euro eine PIN eingeben und mehr als vier kontaktlose Bezahlungen hintereinander sind ohne PIN nicht möglich. So könnten auch gestohlene Karten nicht beliebig belastet werden, erklärt Döringer. Diese Sicherungsmechanismen seien allerdings von Bank zu Bank verschieden.

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An den Kassen seien Pannen wie das gleichzeitige Bezahlen mit zwei Karten durch technische Vorkehrungen ausgeschlossen. Und nur wenn der Zahlvorgang vom Kassierer autorisiert wurde, könne etwas abgebucht werden. Dass unbeabsichtigt im Vorbeigehen bezahlt wird, sei deshalb nicht möglich.

Unter Datenschützern ist die NFC-Funktion der Bankkarten dennoch wenig beliebt. Vor allem die Tatsache, dass die Karten je nach Anbieter Daten wie Kartennummer, Verfallsdatum und die Beträge der letzten Zahlungen unverschlüsselt an jedes Gerät senden, das ihnen nahe genug kommt, macht Kritiker misstrauisch.

„Insgesamt gut angenommen“

Sensible Daten wie Namen, Adressen oder die Sicherheitsnummer der Karte können so jedoch nicht ausgelesen werden, sagen die Bankexperten. Die Daten genügen auch nicht, um eine Dublette anzufertigen oder bei Onlineshops zu bezahlen. „NFC gilt als sehr sicher“, berichtet Marcus Hupfauer von der Stadtsparkasse Augsburg. „Insgesamt wird die Funktion sowohl vom Handel als auch von Kunden sehr positiv aufgenommen.“ Kritikern entgegnet Hupfauer, dass es einfacher sei, eine Geldbörse mit Bargeld zu stehlen als eine Kartennummer auszulesen, mit der allein noch nichts anzufangen sei. Zudem komme ein Datendieb auch an die Nummer, wenn er eine fremde Bankkarte abfotografiert.

„Der große Vorteil des kontaktlosen Bezahlens via NFC ist die Schnelligkeit“, lobt Hupfauer die Technologie. Ein Bezahlvorgang ohne PIN-Eingabe dauere nur wenige Sekunden. Außerdem sei das Bezahlen hygienisch und sicher, denn man müsse die Karte nicht aus der Hand geben. „Die Kunden haben damit die volle Kontrolle beim Bezahlvorgang.“ Indich sieht das anders, weil die Karte eben auch belastet werden könne, wenn sie sich in der Hand ihres Besitzers befindet.

Die Technik der Zukunft

Döringer fügt hinzu, dass es viele Kunden spannend fänden, die neue Funktion zu nutzen. Mit NFC sei man zukunftssicher aufgestellt: „Kontaktlose Zahlungen werden sich bei vielen Gelegenheiten zum Standard entwickeln.“ Seit Jahresbeginn schreibt Mastercard seinen Vertragspartnern vor, dass EC-Terminals über eine NFC-Schnittstelle verfügen müssen. Die meisten großen Händler nutzen diese bereits, beobachtet Hupfauer.

Wenngleich alle neuen Karten NFC-fähig sind, solle diese Technologie niemandem unbemerkt untergeschoben werden, versichert Hupfauer. „Unsere Kunden erhalten mit der neuen Karte ein Anschreiben, in dem wir umfassend über die Kontaktlosfunktion informieren.“ Döringer ergänzt, dass die NFC-Funktion am Bankautomaten oder in einer Bankfiliale deaktiviert werden könne. Und es gebe Kartenhüllen, die Funksignale abschirmen. Nur wenn die Karte aus einer solchen Hülle gezogen wird, kann ihr Chip kommunizieren.

Ob die eigene Bankkarte einen NFC-Chip besitzt, ist an einem Symbol auf der Karte zu erkennen. Döringer verrät, dass fast zehn Prozent der Bezahlvorgänge ihrer Kunden kontaktlos erfolgen, Tendenz steigend. In Norwegen beispielsweise werde nur noch selten bar und oft kontaktlos bezahlt, erzählt Hupfauer und ist überzeugt, dass sich diese Technologie hier ebenfalls weiter verbreitet. Vor allem bei Großveranstaltungen wie Festivals sehe er Potenzial für den Trend. „Wir gehen aber nicht davon aus, dass das Bargeld in näherer Zukunft aussterben wird.“ 

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