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Friedberg

22.10.2017

Kostenexplosion bei den Friedberger Stadtwohnungen

An der Afrastraße wachsen bereits die ersten Wohnblöcke. Bald sollen die städtischen Gebäude an der Südostecke des Areals folgen. Im Stadtrat wurde jetzt darüber noch einmal kontrovers diskutiert.
Bild: Thomas Goßner

 Für die beiden neuen Blöcke an der Afrastraße sind jetzt über 18 Millionen veranschlagt. Das führt im Stadtrat zu Kritik und hat auch Auswirkungen auf die Höhe der Mieten

Die geplanten städtischen Wohnungen an der Afrastraße werden immer teurer. Die vom Büro 3+Architekten jetzt vorgelegte Kostenberechnung liegt bei knapp 18,7 Millionen Euro – fast doppelt so viel wie bei den ersten Schätzungen. Dazu kommen rund zwei Millionen Euro für das Grundstück. Im Stadtrat gab es deswegen auch kritische Stimmen, wenngleich eine breite Mehrheit nicht an dem Vorhaben rütteln wollte. Es handle sich dabei um ein „Worst-case-Szenario“, sagte Baureferent Carlo Haupt – möglicherweise komme man auch mit geringeren Ausgaben hin. Jetzt sollen unverzüglich der Förderantrag bei der Regierung von Schwaben eingereicht und parallel dazu die Unterlagen für die Baugenehmigung erarbeitet werden.

Architekt Thomas Glogger erläuterte, wie es gegenüber der im Juli genannten Zahl von 16,8 Millionen Euro zu einer weiteren Steigerung kommen konnte. Der größte Teil der Mehrkosten entfällt auf die aufwendige Gründung. Wegen des hohen Grundwasserstands in der Kiesebene müssen über 200 Bohrpfähle gesetzt und die Baugrube ringsum mit einer acht Meter tiefen Spundwand abgesichert werden. Acht Brunnen sind nötig, um das Wasser abzupumpen. Maßnahmen, von denen wenige Meter weiter auf dem Grundstück an der Bahnlinie nichts zu sehen ist. Dort errichtet der Friedberger Bauträger Alois Kolper ebenfalls eine Wohnanlage mit Tiefgarage – ganz ohne Bohrpfähle und Spundwände.

Finanziert wird das Vorhaben mit einem Förderprogramm des Freistaats. 30 Prozent fließen dabei als Zuschuss, für weitere 60 Prozent kann die Stadt einen Kredit in Anspruch nehmen, der über 30 Jahre läuft und fest mit 0,99 Prozent verzinst ist. Die restlichen zehn Prozent muss sie als Eigenkapital einbringen und tut dies in Form des Grundstücks, das mit rund zwei Millionen Euro bewertet ist. Trotz der günstigen Konditionen hat die Kostenexplosion Auswirkungen auf das Mietniveau der 67 Wohnungen. Um ihre Kosten zu decken, müsste die Stadt durchschnittlich 8,32 Euro pro Quadratmeter erlösen. Das ist sogar mehr als die durchschnittliche Miete im Landkreis Aichach-Friedberg, wie aus der jüngsten Veröffentlichung in Spiegel online hervorgeht. Die Kaltmiete liegt über dem Betrag von rund sechs Euro, der für Sozialhilfeempfängern in Friedberg bezahlt wird. Die Stadt hat also zwei Möglichkeiten: Sie kann bei den übrigen Wohnungen, die an Bezieher höherer Einkommen vergaben werden, entsprechend mehr verlangen, um den Ausfall auszugleichen. Oder sie muss, was wahrscheinlicher ist, eigenes Geld zuschießen, damit Transferempfänger hier wohnen können.

„Wir entfernen uns von dem, was wir mal wollten“, kritisierte Claudia Eser-Schuberth (Grüne). Sie machte als Hauptursache für die Kostensteigerung den Bau der beiden Tiefgaragen aus, vor denen die Grünen von vorneherein gewarnt hätten. Die insgesamt 66 Stellplätzen schlagen mit rund 3,4 Millionen Euro zu Buche. „Jetzt kommen wir im schlechtesten Fall die Quittung dafür“, fürchtet sie und kündigte das Nein ihrer Fraktion zu dieser Planung an.

Für die breite Mehrheit des Stadtrats kam allerdings eine Umplanung nicht infrage, zumal ohne Tiefgaragen weniger Wohnungen gebaut werden könnten. „Wo sollen wir die Fahrzeuge unterbringen?“, frage Roland Fuchs (SPD): „Ein Autofriedhof kommt für uns nicht infrage.“ Für ihn ist klar, dass die Stadt für dieses Projekt in die eigene Tasche greifen muss. Thomas Kleist (CSU) plädierte dafür, das Positive in den Vordergrund zu schieben: Die Regierung von Schwaben dränge die Stadt dazu, den Förderantrag zu stellen. „Seien wir optimistisch, dass wir es günstiger bekommen“, wünschte er sich.

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