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01.04.2015

Kühn und modern

Peter Schnur spielt Bach auf der Metzler-Orgel

Bach ist Anfang und Ende aller Musik, hat Jacques Loussier einmal gesagt und dem gewaltigen Orgelschaffen des großen Barockmeisters widmete nun Peter Schnur einen ganzen Abend. Der Organist machte mit seinem dynamischen Spiel und seiner Werkauswahl deutlich, was für ein kühner, „moderner“ Orgelkomponist Bach zu seiner Zeit war.

Die Metzler-Orgel, das konnte das Publikum bei diesem Recital hören, ist von ihrer Disposition und dem Reichtum an Registern und Farben her besonders gut für Barockwerke geeignet. Imponierend begann der Abend mit der Toccata und Fuge h-Moll, einem satztechnischen Meisterwerk, kraftvoll gespielt im dynamisch vorwärtsdrängenden, energischen Duktus. Vor allem das herrliche Präludium stellt an den Interpreten außerordentliche musikalische Ansprüche, wenn eine wahrhaft angemessene Wiedergabe gelingen soll: Es bleibt letztlich ein sehr vielschichtiges, elitäres Stück Musik.

Auch das weit gespannte Fugenthema wusste Schnur überzeugend in seiner Geschlossenheit und Größe darzustellen. Delikat gelang die Bearbeitung von „Dies sind die heil’gen zehn Gebot’“ aus Bachs Clavierübung III. Meditativ und transparent kam der Satz daher und der kanonisch geführte Choral symbolisierte Gesetz und Ordnung.

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Danach folgte die Fantasie nebst Fuge a-Moll, ein Opus, das eher im Cembalolager angesiedelt ist. Imponierend, wie Schnur in der Fantasie kantabel die Grundstimmen ins Feld führte, bevor die Fuge ein silbriges Mäntelchen erhielt. Die Triosonate Nr. 2 in c-Moll BWV 526 schloss sich an, eine der sechs Triosonaten aus einer um 1730 entstandenen Sammlung. Beide Manuale und das Pedal der Orgel werden in diesen Sonaten unabhängig und rein einstimmig verwendet, was die Spielaufgabe für den Organisten erheblich kompliziert. Das Thema im ersten Vivace-Satz zeigt sich spieltechnisch komplex, das folgende Largo wird von einem getragenen, in schreitendem Rhythmus entwickelten Motiv geprägt, das abschließende Allegro bringt der Organist lebendig, aber nicht hastig. Die mit leichter Hand präsentierte Virtuosität von Peter Schnur kommt mit dem Ausdruck heiterer Gelassenheit besonders zur Geltung. Die Choralbearbeitung „An Wasserflüssen Babylon“ folgte.

Zu den kühnsten Schöpfungen Bachs gehört zweifellos die Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542, vor allem die Fantasie, deren erstaunliche Modernität der Organist in seiner Interpretation herausstellte. Der mitreißend strömende Fluss der Musik, der rezitativische Duktus, die steten Wendungen, die Steigerung der Bachschen Klangarchitektur zu mächtiger Wirkung, das alles brachte der Organist zum Schluss imponierend zur Geltung. (riem)

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