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Gewerbe in Mering

22.02.2018

Kuka-Absage: Des einen Freud des anderen Leid

Erst vor zwei Jahren hat Kuka an der Zigspitzstraße in Augsburg sein Entwicklungs- und Technologiezentrum eröffnet. Jetzt will der Robotik-Konzern am Stammsitz sowie im Güterverkehrszentrum (GVZ) Weichen für seine Logistik stellen.
Bild: Sylvio Wyszengrad (Archiv)

Während die Befürworter des Projekts enttäuscht sind, zeigen sich die Gegner erleichtert. Fraktionssprecher Resch (CSU) fürchtet, dass Merings Ansehen durch die Protestaktionen gegen die Ansiedlung gelitten hat.

Kuka kommt nicht nach Mering in den neuen Gewerbepark. Das hat das Unternehmen am Mittwoch offiziell bestätigt (wir berichteten). So gegensätzlich wie in Mering die Einstellungen zur Ansiedlung des Unternehmens waren - so unterschiedlich sind nun auch die Reaktionen auf die Absage.

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Für SPD-Fraktionssprecher Markus David ist es eine schlechte Nachricht: „Wir haben uns sehr ins Zeug gelegt und mächtig auf die Tube gedrückt. Umso enttäuschender ist es, dass es mit Kuka nicht geklappt hat“, sagt er. Wie es weiter geht, das hängt seiner Ansicht nach erst einmal von der Firma Honold ab. Wie berichtet, will diese mit einem Alternativkonzept die Meringer überzeugen. „Wir haben Zeit und Geld investiert und ich erwarte jetzt schon eine schnelle Reaktion von Herrn Honold“, sagt David.

Absage von Kuka bringt Haushalt in Schieflage

Sorgenvoll ist die Stimmung bei Georg Resch, dem CSU-Fraktionssprecher. „Wenn Kuka nicht kommt, dann werden wir auch mit unserem Haushalt ein Problem bekommen“, sagt er. Denn mit der großen Ansiedlung wäre innerhalb eines Jahres das Geld für den Ankauf der Grundstücke zurückgeflossen. Aus diesem Grund würde er es auch befürworten, wenn es zumindest einen größeren Betrieb wie Honold in dem Gewerbepark gibt. „Der braucht ja dann wahrscheinlich nicht mehr ganz so viel Platz wie für Kuka. Fifty-fifty wäre für mich eine gute Lösung“, meint Resch. Im anderen Teil der Fläche könnte man dann kleinere Betriebe und heimisches Gewerbe ansiedeln. Nachdem bisher alles auf Kuka fokussiert war, müssen man sich jetzt erst einmal sortieren.

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Als fatal sieht Resch die Außenwirkung durch die vergangenen Protestaktionen gegen Honold und Kuka. Dies könne andere Firmen abschrecken. „Das tut sich doch keiner freiwillig an“, meint Resch.

Gegner des Projekts waren von Anfang an die Meringer Grünen. Deren Fraktionssprecherin Petra von Thienen hofft nun auf ein neues Konzept. „Wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir hier etwas ganz anderes entwickeln sollten. Ein großes Logistikzentrum passt nicht zu Mering“, sagt sie. Dabei wünscht sie sich mehr Professionalität als bisher. Hemdsärmelig und naiv sei die Projektplanung abgelaufen. Der Bürgermeister habe Tatsachen verschleiert und Zeitdruck aufgebaut. Für die Zukunft bieten die Grünen nun ihre Zusammenarbeit an, um gemeinsam Ideen zu entwickeln, wie es weiter gehen kann. Dabei befürwortet die Fraktion ein kleinteiligeres Gewerbegebiet, das kleinen und mittelständischen Unternehmen Möglichkeiten bietet. „Es kann ja nicht sein, dass wir zehn Hektar Gewerbegebiet haben und nicht in der Lage sind, unsere heimischen Betriebe zu halten“, sagt sie.

Haben die Proteste in Mering Kuka abgeschreckt?

Alle Register gegen die Ansiedlung von Honold und Kuka hat das Aktionsbündnis keine Osttangente (Ako) gezogen. Es organisierte zusammen mit Grünen und Naturschützern Demonstrationen, Infoabende und eine Online-Petition. Sprecher Wolfhard von Thienen sagt: „Wir sind froh, dass zumindest Kuka abgesagt hat“. Nun bestehe die Aussicht, eine vernünftige kleinteilige Gewerbeentwicklung zu machen. Die Online-Petition laufe jedoch weiter, bis klar ist, welche Pläne Honold weiter in Mering verfolgt. Eine für Samstag geplante Unterschriftenaktion hat das Aktionsbündnis aber abgesagt.

War es der massive Protest, der Kuka abgeschreckt hat? – „Ich denke schon, dass es eine Rolle gespielt hat“, sagt Wolfhard von Thienen. Wie stark dies die Entscheidung Kukas beeinflusst habe, könne er nicht beurteilen. „Wir wissen aber aus vielen Bereichen, dass Firmen sehr sensibel auf öffentlichen Protest reagieren“, sagt der Sprecher.

Das Aktionsbündnis empfiehlt, dass die Marktgemeinde einen Projektentwickler für das Gewerbegebiet beauftragt, der Firmen nach Mering holt, die zu der Gemeinde passen. Das würde auch eine wesentlich kleiner strukturierte Architektur ermöglichen, die besser in Landschaft und Ortsbild passe, als drei riesige Logistikhallen, wie sie Honold bisher plant.

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