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Friedberg

09.08.2020

Kunstaktion in Friedberg: Wenn Menschen fast unsichtbar werden

Nahezu mit dem Hintergrund verschmolzen die Menschenskulpturen bei der Performance-Aktion der Friedberger Künstlerin Rose Maier Haid.
Bild: Edigna Menhard

Plus Kunstschüler von Rose Maier Haid zeigen die Performance „Menschenskulpturen“ in der Friedberger Innenstadt. Diesmal verschmelzen sie mit dem Hintergrund.

„Da steht ja noch einer, den habe ich gar nicht gesehen“, das war wohl eines der größten Komplimente, welches die Kunstschüler von Rose Maier Haid bei ihrer Performance „Menschenskulpturen“ vergangenen Samstag zu hören bekamen. Jedes Jahr am Tag des Augsburger Friedensfestes organisiert die Gründerin der Friedberger Kunstschule ein pantomimisches Straßentheater, bei dem vor allem Erwachsene, aber auch einige Kinder zur Skulptur werden und in einer Pose erstarren. Dieses Mal waren sie dabei nahezu unsichtbar.

Denn das Motto lautete „Cherchez. Die Farben Friedbergs“, was die 31 Kunstschüler sehr originell umsetzten. Das Ziel war nämlich, möglichst komplett mit dem Hintergrund zu verschmelzen, an dem sie sich jeweils positionierten, egal ob vor einem Haus, einer Kirche, einer Brücke, einem Briefkasten, einem Geländer, auf einer Treppe oder einer Bank.

Akteure müssen für zehn Minuten stillstehen

Die Performance-Künstler hatten deshalb weiße Bekleidung in den Farben und Formen des Putzes, der Holzwände, der Steine und der Bäume bepinselt. Und nicht nur das: Damit sie sich auch wirklich perfekt in die Hintergründe einfügten, bemalten sie pünktlich ab 9 Uhr in der Friedberger Kunstschule ihre Gesichter, Hände, Füße und jedes Stückchen Haut das zu sehen war, mit Theaterschminke in den entsprechenden Farben, Mustern und Formen. Hier war Präzision gefragt. Denn wenn beispielsweise die Hand teils am Fensterrahmen und teils am Mauerwerk positioniert werden sollte, mussten die entsprechenden Farben, Muster und Formen stimmen.

Das galt dann auch, als sich alle ihre Posen in der Friedberger Innenstadt suchten. Meist halfen Familienmitglieder oder Freunde, damit die Linien auf der Kleidung perfekt mit den Gebäudestrukturen hinter ihnen übereinstimmten. Punkt 11 und dann nochmals um 12 Uhr galt es, für zehn Minuten stillzustehen und sich nicht zu bewegen. Das war teilweise gar nicht so einfach, manche mussten an einem der heißesten Tage des Jahres direkt in der sengenden Sonne ausharren, bei anderen wurde der ausgestreckte Arm doch etwas schwer. Aber alle blieben standhaft, selbst die Kinder.

Unter dem Motto "Cher-chez. Die Farben Friedbergs" startet die Künstlerin Rose Mair-Haid in Friedberg die Menschenskulpturen-Aktion
41 Bilder
Die Farben Friedbergs
Bild: Edigna Menhard

Zur Belohnung spendierte Rose Maier Haid zur Pause ein Eis. Die Abkühlung kam den meisten in der Mittagshitze gelegen, außerdem konnte sie sich über ihre Erlebnisse austauschen.

Viele Komplimente für die Friedberger Kunstschüler

Denn spannend sei, so erzählten mehrere Teilnehmer, wie Passanten auf die Performance reagierten und was sie sagten. Erhofft hatten sie sich – wie sie noch vor der Aktion erzählten – Interesse, vielleicht ein Lächeln oder Schmunzeln. Doch von den Fußgängern und Einkaufenden in Friedberg gab es mehr als das. Viele zeigten sich begeistert und zückten ihre Smartphones, machten Fotos oder sogar Selfies mit den Menschenskulpturen. Manche witzelten, dass dass sie die Künstler gerne ein wenig kitzeln möchten. Im Prinzip hätten fast alle positiv reagiert, erzählen zwei Kunstschüler. Die meisten hätten nachgefragt, was das für eine Aktion sei. Eine Frau sei jedoch verärgert gewesen, weil man ihr ja nicht geantwortet habe.

Kunstschüler von Rose Maier Haid zeigen die Performance „Menschenskulpturen“ in der Friedberger Innenstadt. Diesmal verschmelzen sie mit dem Hintergrund.
Video: Edigna Menhart

Rose Maier Haid zeigte sich mit dem diesjährigen Straßentheater sehr zufrieden, vor allem, weil alles reibungslos geklappt hatte. Denn einige ihrer Schüler waren im Urlaub und sie musst noch spontane Freiwillige suchen: „Es war wunderbar, ich habe ein wildes Friedberg erlebt mit vielen Komplimenten an meine Leute und an ihr Stehen.“ Vor allem hat aber die Aktion ihre Botschaft klar vermittelt: Durch die pantomimische Stille wurden der Trubel der Stadt, die Hektik des Shoppings unterbrochen. Die Menschen schauten sich die Pantomimen an, wurden neugierig, interessieren sich, setzen sich damit auseinander, fragten sich. Und genau das sei so wichtig für moderne Kunst.

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