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Friedberg-Rinnenthal

31.01.2020

Landwirtschaft - nicht schädlich, sondern gut für die Gesundheit

Die Diskussion um die Kindertagesstätte in der Rinnenthaler Griesbachstraße geht weiter.
Bild: Matthias Stegmeir

In Rinnenthal ist ein Kinderhaus in der Nähe von zwei Fahrsilos geplant. Umweltmedizinerin Claudia Traidl-Hoffmann erklärt, was das bedeutet.

Das in Rinnenthal geplante Kinderhaus ist Thema über die Ortsgrenzen hinaus. Für Diskussionsstoff sorgen unter anderem mögliche Emissionen der nahe gelegenen Fahrsilos. Die Umweltmedizinerin Professor Dr. med. Claudia Traidl-Hoffmann von der Uniklinik Augsburg gibt jedoch ausdrücklich Entwarnung: „In diesen konkreten Silos ist Mais und Gras gelagert. Wenn sie korrekt abgedeckt werden – und das ist der Fall –, kann keine Gesundheitsgefahr davon ausgehen, da keine schädlichen Gase freigesetzt werden.“ Die Expertin ging in einem Gespräch mit unserer Redaktion nochmals detailliert auf die Situation in Rinnenthal ein, nachdem eine erste, allgemeine Stellungnahme von ihr vergangene Woche irrtümlich als Interview zum konkreten Fall erschienen war.

Silos in Rinnenthal beinhalten keine Abfälle

Sie betont auch, dass es sich bei dem Inhalt der beiden Silos nicht um Abfall handele, sondern um Futtermittel. In korrekt gehandhabten Silos herrsche bei einem qualitativ hochwertigen Fermentationsprozess ein derart saurer PH-Wert und Sauerstoffmangel, dass dort kein Schimmel entstehe. Traidl-Hoffmann weist darauf hin, dass gerade im Spätsommer und Herbst viele Schimmelpilzsporen in der Luft seien, auch in einer Großstadt wie Augsburg. Dies rühre nicht von Bauernhöfen, sondern sei ein natürliches Vorkommen, das allerdings im Rahmen der veränderten Wetter- und Klimabedingungen europaweit zunehme.

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Landleben und der Kontakt von Kindern mit Landwirtschaft seien wissenschaftlich nachgewiesen gut und wichtig, denn sie verringerten die Wahrscheinlichkeit zum Beispiel von Allergien oder Asthma. Auch für die Wohnhäuser bei diesen und anderen derartigen Silos bestehe keinerlei Gesundheitsgefährdung, sagt die Professorin. „Die vielfältige Umwelt auf dem Dorf, auch Tierkontakt und Bauernhofleben, tun Kindern gut.“

Landratsamt: Keine Gefahr für das Kinderhaus Rinnenthal

Auch der Bayerische Bauernverband hatte sich auf die Berichterstattung unserer Redaktion hin zu Wort gemeldet. Kreisbäuerin Sabine Asum und Kreisobmann Reinhard Herb treten für die BBV-Mitglieder und ihren Berufsstand ein. „Klar ist, dass es auf dem Land immer zu Emissionen kommt. Landauf, landab gibt es unzählige Silos von denen keine Gefahren ausgehen“, beziehen sie klar Stellung.

An der Griesbachstraße in Rinnenthal soll neben dem Sportgelände des BCR ein Kinderhaus entstehen. Das Problem: In unmittelbarer Nähe befinden sich auch zwei landwirtschaftliche Silos.
Bild: Matthias Stegmeir (Archiv)

Matthias Stegmeir, Sprecher der Rinnenthaler Vereine, nimmt die Bauern ebenfalls in Schutz. Er betont, dass mit den Silos alles in Ordnung sei. Auch ein 40-seitiges Gutachten des Landratsamtes habe Befürchtungen, es könnte eine Gesundheitsgefährdung der künftigen Kita-Kinder darstellen, ausgeräumt. Auch sei der Ort nicht entzweit wegen des Baus des neuen Kinderhauses. Die Rinnenthaler Dorfgemeinschaft, die für ihren guten Zusammenhalt bekannt sei, diskutiere sachlich über das Thema – auch mit einigen Anwohnern der Griesbachstraße, die das Projekt kritisch sehen.

Warum ist die Fläche für das Kinderhaus Rinnenthal ein Sondergebiet?

Diese hatten unter anderem die Vermutung geäußert, die Fläche für das neue Kinderhaus sei aus einem besonderen Kalkül von einem allgemeinen Wohngebiet in ein Sondergebiet Kindertagesstätte umgewandelt worden; nämlich weil dort höhere Immissionsgrenzwerte gelten. Die Stadt Friedberg betont jedoch, dies sei keineswegs der Fall.

Baujuristin Lillian Sedlmair erläutert, dass laut Baunutzungsordnung ein Allgemeines Wohngebiet vorwiegend dem Wohnen dienen müsse; andere Nutzungen, auch soziale (etwa eine Kita), sei nur untergeordnet zugelassen. Im Plangebiet sei aber die Kita flächenmäßig dominierend. Ein Baugebiet, das keinem Baugebietstypus der Baunutzungsordnung entspricht, sei hinsichtlich der Art der Nutzung nur als Sondergebiet zulässig. Die Stadt habe daher bei der Festlegung des Gebietscharakters keine Wahl gehabt, wie es teilweise aufgefasst worden sei. Für ein Sondergebiet gebe es rechtlich betrachtet aber keine pauschalen immissionsschutzfachlichen Grenzwerte. Die Gemeinde muss diese unter Einbeziehung aller Gegebenheiten des Einzelfalles festlegen. Hier war zum Beispiel zu berücksichtigen, dass in der Nähe viele Wohnhäuser liegen, aber auch dass durch die Silos und die Ortsrandlage eine Geruchsvorbelastung bestünde.

Lesen Sie dazu auch: Große Mehrheit für das neue Kinderhaus

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