Newsticker

Carneval in Rio fällt wegen Corona-Pandemie aus
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Lieber Gott, segne flott!

24.02.2015

Lieber Gott, segne flott!

Für diejenigen, für die Tischgebete ein Anliegen sind, haben Pallottiner in der Fastenzeit einiges Passendes parat.
Bild: Andreas Schmidt

Mit einer Aktion für Tischkultur ermuntern Pallottiner dazu, sich gemeinsam Zeit zu nehmen. Das Tischgebet ist nicht ausgestorben

Von Andreas Schmidt

Für viele Ältere war es zumindest in ihrer Kindheit noch eine Selbstverständlichkeit: Das Tischgebet vor dem Essen. Manche glauben, dass es inzwischen ausgestorben ist. Doch das ist es nicht: So haben die Pallottiner in Friedberg fast 120 Tischgebete zusammengetragen und teilweise auch neu verfasst. Jetzt in der Fastenzeit werden sie vom Pallottiner-Provinzialat in Friedberg aus über eine Internetseite und über Facebook an Interessierte übermittelt. Das Motto der Aktion lautet zum zweiten Mal nach 2013: „Tischgebet ist Tischkultur“.

Die Idee dazu hatte der heutige Friedberger Kaplan Pallottiner-Pater Steffen Brühl. Ihm ging es da dieser Fastenaktion darum, weniger auf den Verzicht, sondern auf etwas Positives abzuzielen. Tischgebete haben für ihn mit einer Grundhaltung der Dankbarkeit zu tun, wonach nicht alles selbstverständlich ist. Im Auftrag der Pallottiner koordiniert Diplom-Pädagoge Josef Eberhard von Friedberg aus die Aktion und den Internetauftritt. Dort ist mittlerweile die vermutlich größte Sammlung von deutschsprachigen Tischgebeten zu finden. Als Vater von drei Kindern im Alter von 12, 15 und 17 Jahren ist Eberhard bewusst, wie wichtig gemeinsames Essen in der Familie ist. Über das Gebet hinaus geht es ihm um das Gefühl, füreinander da zu sein. Eberhard kennt aber auch die Schwierigkeit, dass sich aufgrund vieler Verpflichtungen manches verläuft. Noch vor zwei Jahren gehörte bei Eberhard zu Hause das Tischgebet dazu. Dafür verwendete die Familie unter anderem einen Gebetswürfel und Karteikarten mit Gebeten. Die Kleinen waren stolz, etwas vortragen zu dürfen. Ihr Lieblings-Tischgebet lautete: „Lieber Gott, segne flott. Amen.“ Auch dem Vater schmeckte das so „pfiffig und kurz“. Inzwischen sind die Kinder größer geworden und ihr Bedürfnis zu beten, hat nachgelassen. „Eine Pflicht darf es nicht sein“, betont Josef Eberhard. Er ist aber weiter überzeugt davon, dass ein Tischgebet guttut, wenn es nicht zur Pflichtaufgabe wird. Gerne würde er darüber auch mit jemandem diskutieren, der zur Aktion auf Facebook geschrieben hatte „Das geht überhaupt nicht!“ Diese Kritik blieb aber bisher ein Einzelfall.

Auf ihrer Tischgebete-Internetseite ermuntern die Pallottiner, den eigenen Stil zu finden. Neben den angebotenen „Fertiggebeten“, werden „frisch zubereitete, selbst gekochte Gedanken“ empfohlen. Und an Stelle des gesprochenen Wortes können auch Stille oder Lieder treten. Viel gebetet wird zu Tisch auch außerhalb von Familien – in Kindertagesstätten unter kirchlicher Trägerschaft. In der Friedberger Kinderkrippe St. Franziskus singen die Kleinen vor dem Mittagessen „Gottes Liebe ist so wunderbar ...“ oder sie beten „Jedes Tierlein hat sein Essen ...“ Krippen-Leiterin Claudia Sageder findet solche Rituale wichtig. Sie geben den Ein- bis Dreijährigen Sicherheit im Tagesablauf und förderten den Gemeinschaftssinn. Bei den Eltern komme dies gut an, so Sageder. Die schon etwas älteren Kindergartenkinder von St. Franziskus formulieren teilweise schon eigene Gebete.

Insgesamt fast 120 Tischgebete und weitere Ideen zur Tischkultur gibt es auf der Internetseite www.tischgebete.de.

Wer mitmachen möchte, kann sich in der Fastenzeit über die Internetseite www.tischgebete.de oder über Facebook (Suchwort Tischgebet) täglich zwei neue Tischgebete zuschicken lassen. Gefragt sind auch selber geschriebene Tischgebete. Unter den Einsendungen wird wöchentlich ein Familienkochbuch verlost.

Zur Internetseite hier

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren