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Flüchtlinge

08.02.2016

Manchmal fühlen sich selbst Helfer hilflos

Im neuen Asyl-Koordinationsrat geht es darum, die Ehrenamtlichen auf immer größere Herausforderungen vorzubereiten

Wegen ihres kranken Babys haben sich Flüchtlinge in Friedberg an eine ehrenamtliche Asylhelferin gewandt. Diese hat sich in dieser Notsituation hilflos gefühlt. Die Helferin hat sich gefragt, ob sie nun verantwortlich ist für die Gesundheit des Babys? Nein, die Verantwortung liege klar bei den Eltern, erklärt die städtische Asyl- und Integrationsbeauftragte Ulrike Proeller bei der ersten Sitzung des neuen Asyl-Koordinationsrats in Friedberg. Das Gremium soll helfen, das Engagement von derzeit etwa 120 Ehrenamtlichen im Stadtgebiet in geordnete Bahnen zu lenken. Damit will man vermeiden, dass in der Asylhilfe etwas doppelt oder dreifach erledigt wird. Durch eine bessere Koordination sollen Helfer zudem auf weiter wachsende Herausforderungen vorbereitet werden. Im Moment sind 330 Asylbewerber in Friedberg untergebracht. Die städtische Asylbeauftragte Proeller informierte darüber, dass einiger Zuwachs zu erwarten ist. Die Erstaufnahmeeinrichtung in Derching soll in Kürze belegt werden. In Stätzling werden in den nächsten Wochen etwa 30 Flüchtlinge erwartet. In einem früheren Firmengebäude in Friedberg-West sind bisher um die 40 Asylbewerber (genehmigt sind 75 Plätze) aus Syrien und Afghanistan untergekommen. Darunter sind gut die Hälfte Kinder. Denn derzeit kommen verstärkt Familien an. Im Jahresverlauf wird nach einer Prognose von Bürgermeister Roland Eichmann die Zahl der Asylsuchenden in Friedberg auf 1000 ansteigen. Dann könnte es laut Stadtpfarrer Pater Markus Hau schwierig werden, alle neu eintreffenden Kinder in Kindergärten und Schulen unterzubringen.

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Es wird also wahrscheinlich immer mehr zu koordinieren geben. Angebote müssen aufeinander abgestimmt sein. So stellte sich jetzt heraus, dass neue Mutter-Kind-Gruppen schlecht angenommen werden, weil zeitgleich Deutschkurse für Mütter laufen. Und manchmal geht auch der Überblick verloren, wer alles in einer Asylunterkunft, zum Beispiel beim Deutschlernen, mithilft.

Entscheidend findet es Stadtpfarrer Hau, dass neue Helfer auf ihre Aufgabe vorbereitet werden. Nachgedacht wird, ob entsprechende Schulungen zur Pflicht werden. Wichtig sei es beispielsweise, dass Ehrenamtliche ihr Privatleben abgrenzen. „Sonst ist die Gefahr groß, zu verbrennen“, so der Stadtpfarrer. Ein ständig erreichbarer Helfer wird etwa auch um Hilfe gebeten, wenn am Wochenende die Heizung ausfällt. Für solche und ähnliche Zwischenfälle fände es der Koordinationsrat sinnvoll, dass es eine zentrale Notfall-Telefonnummer im Landkreis gäbe. Nach wie vor sind die Räume, die zur Unterbringung zur Verfügung stehen, ausgesprochen knapp. Mittlerweile werden auch zunehmend Aufenthaltsräume belegt. Damit fehle Platz für Deutschunterricht, Hausaufgaben und Treffen der Ehrenamtlichen, bedauerte Asylbeauftragte Proeller. „Der Landkreis hat keine andere Wahl“, sagte Stadtpfarrer Hau.

Manchmal fühlen sich selbst Helfer hilflos

Nicht etwa nur Probleme wurden angesprochen in der ersten Sitzung des Koordinationsrats, sondern die Teilnehmer gaben sich auch gegenseitig Tipps. Beispielsweise hat Helferin Ulrike Sasse-Feile in einer Unterkunft Informationen in drei Sprachen aufgehängt, wohin sich Asylbewerber in Notfällen beispielsweise bei Krankheit wenden können.

"Kommentar

Für die für insgesamt 75 Flüchtlinge in Friedberg-West gedachte Unterkunft gibt es einen engagierten Helferkreis. Freiwillige können sich gerne anschließen. Interessierte melden sich bitte bei Ulrike Proeller, Telefon 0821/65073654, Mail ulrike.proeller@friedberg.de. Nach Fertigstellung der Unterkunft werden die Nachbarn eingeladen, um die Bewohner kennenzulernen.

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