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Mering

29.06.2020

Mann würgt Zugbegleiter: So schützt die Bahn ihre Mitarbeiter gegen Angriffe

Zugbegleiter werden immer wieder Opfer von Attacken. Daher lernen sie in ihrer Ausbildung unter anderem, auf Konflikte zu reagieren.
Bild: Sören Stache, dpa (Symbolbild)

Plus In Mering würgt ein Randalierer einen Zugbegleiter. Auf derartige Situationen bereitet die Bahn ihre Mitarbeiter gezielt vor. So soll man sich als Zeuge verhalten.

Dem Randalierer, der in einem Regionalexpress in Mering für Ärger sorgte, ist die Polizei auf der Spur. Laut Zeugenaussagen ist der Störenfried etwa 50 bis 60 Jahre alt und von südländischem Aussehen. Wie unsere Zeitung erfuhr, schreiten die Ermittlungen trotz der vagen Zeugenbeschreibung voran.

Auch der Umstand, dass in dem fraglichen Zug keine Kameras waren, steht einem möglichen Fahndungserfolg wohl nicht im Weg. Der Mann hatte diese Woche herumgegrölt und randaliert und damit auch seine Mitreisenden erschreckt. Diese alarmierten den Zugführer, der einen Zugbegleiter in den hinteren Zugteil schickte.

Da dieser den Unruhestifter nicht beruhigen konnte, verwies er ihn des Zuges. Der Täter verhielt sich jedoch weiter aggressiv und würgte den Bahnmitarbeiter.

Würger in Mering: Wie bereitet die Bahn ihre Mitarbeiter vor?

In diesem Fall zog sich das Opfer äußerlich „nur“ Würgemale am Hals zu. Was in seinem Kopf vorgeht, kann nur er allein sagen. Aber für ebensolche Situationen werden Bahnmitarbeiter gezielt trainiert. „Wir haben zahlreiche Seminare für unsere Mitarbeiter, um sie auf ihre Arbeit vorzubereiten“, so ein Sprecher der Deutschen Bahn auf Anfrage.

Dies sei eine schwierige Aufgabe, seien die Fahrgäste doch ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Denn: „Bei uns kann jeder einsteigen und das wollen wir auch. Auf bestimmte Situationen müssen wir jedoch adäquat reagieren.“ Dazu gehören Gewalt, Anschreien und ein „Verantwortlichmachen für alles“.

Umfassendes Deeskalationstraining sei da unumgänglich. Bahn- Mitarbeiter seien aber keine Polizisten, sondern Dienstleister. Deshalb coache man das Personal in praxisnahen Seminaren. Dabei werden die Mitarbeiter in Extremsituationen versetzt und dabei von erfahrenen Kollegen betreut.

Nach Angriff in Mering: Die Folgen können jahrelang spürbar sein

Oft gebe es ein sehr ähnliches Verhaltensmuster bei Tätern. Wenn man dieses kennt, sei es einfacher, den Punkt abzuschätzen, wann die Situation kippt. Die Bahn arbeite darauf hin, dass jeder die Situation besser einschätzen kann. In anderen Bundesländern tragen Bahnangestellte Schutzkleidung, davon sei man in Bayern jedoch weit entfernt.

Die Folgen von Angriffen sind oft jahrelang spürbar: So können Opfer eine posttraumatische Belastungsstörung davontragen. In der Regel rührt ein derartiges Trauma eher von Unfällen mit Personen her. Doch auch bei tätlichen Angriffen kann ein psychisches Problem entstehen.

Betroffene können dann in eine andere Abteilung wechseln, entlassen werden sie trotz der psychischen Probleme nicht, heißt es. Dafür ist die Bahn bemüht, traumatisierte Mitarbeiter zu betreuen. Zur Unterstützung gebe es nicht nur speziell ausgebildete Psychiater, sondern auch sogenannte Buddys. „Das sind Kollegen, die einen auch mal in den Arm nehmen und sich Sorgen anhören“, erklärt der Bahnsprecher auf Nachfrage.

Oft kann eine Situation jedoch schon leichter zu ertragen sein, wenn man als Zugbegleiter nicht ganz allein ist. Im Meringer Fall half ein anderer Reisegast. „Da hat er richtig gehandelt“, sagt Maik Kaiser.

Bei Gefahr im Zug: Einschreiten: Ja. Die Notbremse ziehen: Nein!

Der Bundespolizist weist aber darauf hin, dass man sich als unbeteiligter Fahrgast stets die Frage stellen solle: Bringe ich mich nicht selbst in Gefahr? Bin ich dem Täter körperlich gewachsen? „Kann ich diese Fragen mit Ja beantworten, ist es sogar meine Pflicht einzugreifen“, sagt Kaiser. „Ich muss es mir aber auch zutrauen.“

Mehr Videoüberwachung ist eine der Konsequenzen, die die Bahn aus der steigenden Zahl an Angriffen auf ihre Mitarbeiter zieht.
Bild: Benedikt Siegert (Archiv)

Eine weitere Möglichkeit sei es, andere Fahrgäste um Hilfe zu bitten und sich den Täter einzuprägen. Kaiser warnt jedoch explizit vor Waffen: „Sogar ein einfacher Kugelschreiber kann gefährlich sein, dann sollte man den Notruf wählen oder den Zugführer verständigen.“

Die Notbremse sollte man dagegen lieber nicht ziehen: „Ein Zug bleibt dann innerhalb von etwa 800 Metern stehen“, sagt Kaiser. „Das kann aber auch mitten im Wald oder auf einer Brücke sein.“ Und damit sei keinem geholfen.

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