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Friedberg

12.09.2019

Manuel Weindl trägt Friedberg im Herzen

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Manuel Weindl mit Frau, Bruder und Schwägerin beim Friedberger Altstadtfest.

Plus Manuel Weindl reist beruflich um die halbe Welt. Dabei lernt er seine Heimat Friedberg noch mehr schätzen. Hier engagiert er sich – und hat eine Sorge.

Wer nie in die Ferne reist, der weiß die Heimat nicht zu schätzen. Diesen Satz gab die Großmutter Manuel Weindl mit auf den Weg. Und dieser Weg führte tatsächlich weit fort. Wie oft er beruflich nach Südamerika reiste (und immer noch reist), lässt sich kaum zählen.

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Doch stets trägt der 51-Jährige Friedberg im Herzen. Er wurde hier geboren, ging hier zur Schule, ist seit seiner Jugend bei den Sportfreunden aktiv, seine Frau Karin führt das Handarbeitsgeschäft Patchwork, die Kinder wachsen hier auf, Weindl engagiert sich beim Aktiv-Ring als Innenstadtkoordinator.

„Wir haben viele Kontakte, man fühlt sich als Friedberger Kind – das ist Heimat“, sagt er. Gerade erst sei das auf der „Friedberger Zeit“ wieder zu erleben gewesen. Trotzdem hat er einige Wünsche an und für die Stadt, in der er so gerne lebt. Die Entwicklung der Innenstadt beschäftigt auch ihn.

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Wunsch für Friedberg: Ein Magnet für junge Menschen

Was er sich hier am meisten wünscht, wäre ein Magnet vor allem für junge Menschen. Die Weindls haben drei Kinder im Teenageralter. Als Vater weiß er, dass für sie ein namhafter Anziehungspunkt fehlt – und man daher in der Stadt nur wenige Jugendliche sieht. Aber auch gutes kostenloses WLAN oder coole „Chill-out“-Plätze könnten seiner Meinung nach zur Belebung beitragen. Ansonsten hört er es nicht so gerne, wenn allzu negativ über das Stadtzentrum gesprochen wird. Leerstände, Problemfall Bahnhofstraße – alles schön und gut (oder eben nicht). Doch Weindl möchte den Blick auf das Positive lenken, den Charme der Stadt, den guten Branchenmix. „Es ist leicht, Gäste nach Friedberg zu holen, sie fühlen sich wohl.“

Manuel Weindl mit Frau, Bruder und Schwägerin beim Friedberger Altstadtfest.

Wichtig sei Kontinuität, das ganze Jahr über müsse etwas geboten sein, müsse die Stadt sich in Erinnerung bringen. Die Marktsonntage mit ihrem neuen Konzept (als Nächstes finden zum Matthäusmarkt am 22. September ein Kürbisfest und ein Oldtimertreffen statt) hätten das gezeigt. Sorgen, dass die Innenstadt verwaist, macht er sich daher nicht. Das Plus seien die vielen inhabergeführten Geschäfte, die Verkauf und Handwerk bzw. Dienstleistung verbinden.

"Der Ton in Friedberg wird rau"

Die Inhaber identifizieren sich mit ihrem Geschäft, die Kunden mit den alteingesessenen Unternehmen – und kaufen deswegen dort ein. Weindl sieht aber auch Defizite, zum Beispiel bei der Digitalisierung. „Viele Unternehmen könnten ihren Fußabdruck im Internet besser darstellen – aber das geht nicht nebenher.“ Deswegen sieht er das Förderprogramm der Rid-Stiftung hierfür sehr positiv. In die Wege geleitet habe es für Friedberg der Citymanager Thomas David.

Der Stadtrat war mit David weniger glücklich und verlängerte seinen Vertrag nicht. „Für uns Geschäftsleute war das ein Schock“, sagt Weindl. David habe sich um vieles gekümmert, vieles bewegt, was von außen nicht ersichtlich gewesen sei – kleine Dinge wie Parkplatzprobleme zum Beispiel. Wie dieDebatte um den Citymanager , aber auch um andere Themen geführt wird, behagt ihm manchmal nicht mehr. „Der raue Ton, unsachlich und sehr persönlich, fällt mir auf“, sagt der 51-Jährige.

In die Politik zu gehen, sei für ihn kein Thema – obwohl Parteien und Gruppierungen verschiedener Richtungen bei ihm angeklopft haben. Im Aktiv-Ring dagegen engagiert er sich seit Langem, vor allem der City-Scheck war sein „Baby“. Neuestes „Projekt“ ist ein Theologiestudium, das er gemeinsam mit seiner Frau Karin, die er seit der Zeit am Gymnasium kennt, begonnen hat. Es ist ein weiterer Schritt in einem eher ungewöhnlichen Werdegang.

Denn nach dem Abitur begann der frühere Schulsprecher nicht wie die meisten ein Studium, sondern absolvierte eine Lehre als Elektromechaniker. „Das hat mich geerdet.“ Danach erst studierte er an der Technischen Universität München Elektrotechnik und Betriebswirtschaft. Später war er jahrelang als Vertriebsleiter großer Firmen für den Nahen Osten und vor allem Lateinamerika zuständig. Es ist ein Kontinent, den er liebt, doch irgendwann merkte er trotzdem, dass das so nicht weitergeht.

Zwischen Friedberg und Südamerika

„Ich bin fast monatlich hingeflogen.“ Dann kamen die Kinder. „Ich habe gesehen, dass ich unwiederbringbare Zeit in Hotels und im Flieger verbringe.“ Seine Frau eröffnete ihr erstes Geschäft. Als einer der ersten Männer nach der neuen Elterngeld-Regelung ging er beim dritten Kind mehrere Monate in Elternzeit, verlängerte diese Phase dann sogar. Mittlerweile ist er seit Langem selbstständig. Nach Südamerika fliegt er immer noch oft, er hat dort eine Handelsvertretung für Rohstoffe der Kunststoffindustrie. Doch es hat sich etwas Grundlegendes verändert. „Wir dachten, wir könnten überall leben. Aber wir gehören hierher. Es gibt keinen schöneren Ort zum Leben.“

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