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Friedberg

04.10.2019

Margit Hummel geht im 30.000-Euro-Dirndl aufs Oktoberfest

Margit Hummel
3 Bilder
Die Schneidermeisterin Margit Hummel aus Friedberg hat sich ein Dirndl für 30.000 Euro anfertigen lassen. Es sei das teuerste auf dem Münchner Oktoberfest.
Bild: Leah Rehklau

Plus Schneidermeisterin Margit Hummel aus Friedberg sagt: Mein Dirndl ist die teuerste Tracht auf dem Oktoberfest 2019.

Die Wiesn ist auch ein großer Laufsteg: Wer hat das schickste, ausgefallenste, sexyste Dirndl? Den Rekord für die teuerste Tracht hält dieses Jahr wohl die Friedberger Schneidermeisterin Margit Hummel. Rund 30.000 Euro habe das historische Kleid gekostet, sagt sie. Die Tracht setzt sich aus vielen verschiedenen Bestandteilen zusammen; sie hat allein schon vier Unterröcke.

Doch Margit Hummel beteuert, es werde trotzdem nicht zu warm, sondern eher luftig. Denn sie trage schließlich den sogenannten „Weiberspeck“ darunter – eine Wulst, die für eine schöne Taille sorgen und die Röcke in Form bringen soll. Trotzdem: Für 30.000 Euro bekommt man locker einen Mittelklassewagen. Wie summiert sich das bei einem einzigen Kleidungsstück?

Die Schneidermeisterin Margit Hummel aus Friedberg trägt auch privat Tracht.
Bild: Leah Rehklau

Die Friedbergerin erzählt, allein jeder der Unterröcke habe 500 Euro gekostet. Außerdem habe sie für die Bluse 3000 Euro hinlegen müssen, da diese handgefertigt wurde. Doch am kostspieligsten seien Arbeitsaufwand und Material gewesen.

Sechs Monate dauerte es, bis das Dirndl fürs Oktoberfest fertig war

Über sechs Monate lang hätten mehrere Personen an dem Gewand gearbeitet. Wertvolle Stoffe wie Wolle, Seide und Baumwolle, die teilweise extra für ihr Projekt gewebt worden seien, wurden verwendet. Das habe sie zwischen 10.000 und 15.000 Euro gekostet. Und: Alles sei Handarbeit gewesen, beteuert sie. Selbstverständlich nach historischem Vorbild geschneidert – ein Steckenpferd der Schneidermeisterin.

Trachtler feiern im Festzelt Tradition auf dem Oktoberfest.
Bild: Matthias Balk

Die Idee für das Gewand hatte Margit Hummel, die „sowieso ein Faible für alte Farben und Techniken“ hat, als sie in einem Museum ein Mieder mit Goldstickerei sah, das ihr besonders gut gefiel. Deshalb ließ sie es sich nachmachen. Die Stickerei sei ebenfalls aus reinem Goldfaden. Dafür hätten sie allein schon drei Monate gebraucht. „Ein Dirndl muss ganz einfach passen“, erklärt die Schneidermeisterin. Daher trage es ausschließlich sie selbst. Auf das Oktoberfest gehe sie aber eher selten. „Das muss ich einfach nicht so oft haben“, sagt Hummel, die auch privat ausschließlich Tracht trägt.

Das 30.000-Euro-Dirndl ist ein sogenanntes „Münchner Mieder“. Es gebe unterschiedliche Trachten-Arten, erzählt die Friedbergerin. Das Dirndl, wie wir es heute kennen und tragen, sei ursprünglich die Kleidung der Mägde, die Lederhose die der Knechte gewesen. Dann gebe es noch das „Heugwand“, eine Tracht, die man, wie der Name schon sagt, zum Heuen trug, da es bei dieser Art der Arbeit nicht so dreckig wurde. Dieses Dirndl sei etwas hochwertiger gewesen.

Oktoberfest 2017 - Trachtenumzug
23 Bilder
9000 Trachtler machen sich auf den Weg zur Wiesn
Bild: Andreas Gebert (dpa)

Erst Mitte des 19. Jahrhunderts habe das bayrische Königshaus die Trachten für den Tourismus bekannt gemacht. Die Fremden sollten sehen, wie die Bauern lebten, und die Trachten erfüllten die damalige Vorstellung eines schönen Gewandes. Daher komme es auch, dass jeder Trachten sofort mit Bayern verbinde.

Ihre Tracht habe, da es ein historisches Kleidungsstück ist, auch kein Bindeband, um eine Schleife zu knüpfen. Denn „die Geschichte mit den Schleifen wurde von der Firma Paulaner erfunden und hat eigentlich nichts mit der Wirklichkeit zu tun“, stellt die Schneidermeisterin klar.

Von Billig-Dirndln hält die Friedberger Schneidermeisterin nichts

Dass die Gewänder eine Renaissance erfahren, viele junge Mädels mehrere Dirndl im Schrank haben, wundert sie nicht: „Das war zu erwarten, denn nach 20, 30 Jahren wird alles wieder modern. Und Tracht ist nie etwas, das nur einmal kommt.“ Von den billigeren Dirndln von Modeketten hält sie allerdings nichts. Sie hätten nämlich nichts mit den echten historischen Gewändern zu tun: „Echte Trachten sind nun mal nicht wirklich eng.“

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