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Unterkunft

23.09.2015

Merching hilft Flüchtlingen

In diesen Containern am Spielplatz vor dem Bauhof werden 16 Flüchtlinge in Merching untergebracht.
Bild: Christina Riedmann-Pooch

16 Asylbewerber werden erwartet, und nun soll sich ein Helferkreis bilden, der die Neuankömmlinge unterstützt

Bürgermeister Martin Walch hat große Sorgen, wenn er an die bevorstehenden Aufgaben denkt, die auf ihn, seine Verwaltung, den Gemeinderat aber auch die Merchinger Bürger zukommen. 16 Asylbewerber werden in den nächsten Tagen in der Gemeinde ankommen. Und bis zum Jahresende sollen es insgesamt 48 Flüchtlinge sein, die in der Gemeinde im Landkreissüden ein Dach über den Kopf finden.

„Für die 16 Flüchtlinge haben wir die Container am Spielplatz vor dem Bauhof für zwei Jahre angemietet“, informierte Walch, „doch für die restlichen Plätze fehlt mir noch der Wohnraum.“ Bislang seien keine Angebote von Merchingern bei ihm eingegangen. Er hoffe, dass er bald geeignete Objekte finde.

Doch angesichts der vielen freiwilligen Helfer, die am Montagabend im Versammlungsraum des Merchinger Feuerwehrhauses kaum Platz fanden, braucht dem Gemeindeoberhaupt nicht bange werden. Sabine Losinger, Leiterin der Ausländerbehörde am Landratsamt Aichach-Friedberg, war begeistert von der Welle der Hilfsbereitschaft, die auf sie zukam. „Sie sind wunderbar vorbereitet, haben ganz viele Helfer, die sich bereitwillig engagieren wollen und Sie werden sehen, dass sich der Rest sicher finden wird“, versuchte Sabine Losinger Mut zu machen.

Sie informierte die Vertreter des Gemeinderates, der Vereine, der beiden Pfarrgemeinden und auch viele engagierte Freiwillige, über die derzeitige Situation im Landkreis. „Noch Anfang 2012 war Asylpolitik kein Thema hier bei uns, doch schon im September war ich mit nichts anderem mehr beschäftigt.“ Habe man Anfang 2015 noch vorsichtig mit 1000 Asylbewerbern gerechnet, so sei diese Zahl mit derzeit 1200 weit übertroffen worden. „Wir bekommen jede Woche 40 bis 50 Personen zugeteilt, die wir unterbringen müssen“, schilderte sie. Bislang sei dies alles gut zu bewältigen gewesen, doch auch der Landkreis komme an seine Grenzen. „Auch wenn wir kleine, dezentrale Einheiten favorisieren, so sind mittlerweile größere Objekte notwendig, um die Flüchtlinge hier gut unterbringen zu können.“ Nur die Gemeinden Baar, Steindorf, Eurasburg und Merching haben im Landkreis bislang noch keine Flüchtlinge aufgenommen, informierte sie.

Sie versicherte den Merchingern, dass sie mit den bevorstehenden Aufgaben nicht alleine gelassen werden und sagte ihnen Unterstützung zu. Es gebe ausführliche Informationsbroschüren, Anlaufstellen für Helfer und Asylbewerber und ein Netzwerktreffen der Helfer im Landkreis Aichach-Friedberg. Die Gemeinde könne zudem von den Erfahrungen der Freiwilligen profitieren, die bereits in der Flüchtlingshilfe aktiv sind.

Die Hilfe koordinieren will Gemeinderat Dr. Werner Schrom. Bevor er jedoch mit seinen Vorschlägen und Informationen begann, erzählte er, warum er sich engagieren will. „Ich war auch ein Flüchtling, ein Heimatvertriebener, und wenn ich ein kleines Kind von zwei Jahren war, so kann ich mich noch an die Zeit gut zurückerinnern, was es heißt, als Flüchtlingskind in einer kleinen Gemeinde eine neue Heimat zu finden“, schilderte er. So hätten seine Eltern ihren eigenen Sohn schon bald nicht mehr verstanden, der sich ganz schnell in dem kleinen Dorf bei Kaufbeuren einlebte und den Dialekt seiner Freunde annahm. „Nicht alle wurden damals freundlich aufgenommen, doch meine Familie pflegte viele Jahre noch Kontakt zu den Familien, die sie so unterstützt hatten.“ Er sagte, dass trotz aller Unterschiede im Glauben, der Kultur und der Sprache, es nur um eines gehe, „die Hilfe für die Menschen in Not“.

Ein Treffen ist für Dienstag, 29. September, um 19.30 Uhr im Feuerwehrhaus anberaumt. Wer mithelfen möchte, kann sich in der Gemeinde oder bei Werner Schrom direkt unter der Nummer 08233/92718 melden.

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