1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Meringer fürchten wegen des Ankerzentrums um ihre Sicherheit

Mering

28.03.2019

Meringer fürchten wegen des Ankerzentrums um ihre Sicherheit

In Mering soll eine Außenstelle des Donauwörther Ankerzentrums an der Hörmannsberger Straße entstehen. In direkter Nachbarschaft plant die Firma Baustolz eine große Wohnanlage.
Bild: Eva Weizenegger

In Mering kommen massive Ängste zur Sprache, die bis zu Vergewaltigung und Mord reichen. Rechtsextreme stören die Veranstaltung zum Ankerzentrum.

Groß sind die Ängste in Bezug auf die Anker-Außenstelle für Flüchtlinge, die in Mering eröffnen soll. Von Sachbeschädigung bis zu Vergewaltigung und Mord reichen die Befürchtungen, die in der eigens einberufenen Bürgerversammlung angesprochen wurden. Gestört wurde die Veranstaltung durch eine auswärtige Gruppe der rechtsextremen Identitärenbewegung, die auf der Bühne ein Banner hisste.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Wie berichtet, will die Regierung von Schwaben an der Hörmannsberger Straße eine so genannte Anker-Dependance zum überlasteten Zentrum in Donauwörth einrichten. Sowohl Regierungspräsident Erwin Lohner als aus auch sein Vize Josef Gediga waren in die Meringer Mehrzweckhalle gekommen, die mit weit über 300 Menschen voll besetzt war. Lohner erläuterte kurz, dass und warum seine Behörde die Räumlichkeiten in der Marktgemeinde unbedingt braucht. Bis Mitte des Jahres wolle man diese zur Belegung bringen. Er sei auch selbst schon darin gewesen: „Und ich finde, dass sich das Gebäude ganz gut eignet!“ – mit dieser Aussage erntete der Regierungspräsident die ersten lauten Protestrufe – es sollten nicht die einzigen an diesem Abend bleiben.

CSU-Landtagsabgeordneter Peter Tomaschko gab noch einmal die Ergebnisse eines Krisengesprächs mit dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann wieder. Wie berichtet, hatte dieser kleine Zugeständnisse gemacht: Demnach solle Mering nicht bis zur genehmigten Kapazität von 176 Flüchtlingen belegt werden, es sollen vordringlich türkische Familien hier untergebracht werden. Zudem soll es eine verstärkte Polizeipräsenz in Mering geben. Ankerzentrum: Kleine Zugeständnisse für Mering

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ankerzentrum Mering: Bürger vermissen konkrete Zusagen

Etliche der Bürgerfragen zielten genau auf diese Zugeständnisse ab, die vielen zu unverbindlich formuliert sind. Denn auch auf hartnäckige Nachfragen, ließen sich die Vertreter der Regierung von Schwaben weder auf eine konkrete Belegungszahl festlegen noch auf eine feste Zusage, dass tatsächlich nur türkische Familien nach Mering kommen. „Wir haben den Eindruck, dass wir hier hinters Licht geführt werden sollen. Es wird beschönigt und beschwichtigt und am Ende des Tages sitzen wir hier mit einer nichtexistenten Polizeistation!“, stellte einer der Zuhörer fest.

Voll bis auf den letzten Platz ist die Meringer Mehrzweckhalle bei der Bürgerversammlung zum Thema Ankerzentrum.
Bild: Gönül Frey

Auf die Frage, wie die vom Innenminister versprochene verstärkte Präsenz in Mering aussehen solle, antwortete Alexander Wagenpfeil, Leiter der Friedberger Polizeiinspektion: „Danke für die Frage. Mir liegen keine Informationen vor, wie man hier konkret verfährt“. Dabei sind in Mering die Sicherheitsängste groß. Etwa zehn bis 15 Minuten braucht die Polizei laut Wagenpfeil, um Friedberg nach Mering zu kommen. „Sollte etwas passieren, dann ist mir das definitiv zu lang“, sagte ein Meringer unter lautem Beifall. Und er wurde noch deutlicher: „Ich habe eine 17-Jährige Tochter und wir alle wissen, was in Mering schon passiert ist“. Damit bezog er sich auf die Vergewaltigung einer 16-Jährigen durch einen Tunesier, der in Deutschland unter falscher Identität Asyl beantragt hatte. Damals herrschte ein Klima der Angst und des Misstrauens, das jetzt teilweise wieder zu spüren ist.

Die Ängste der Meringer: Überfall, Vergewaltigung, Mord

Eine junge Meringern fragte, ob bessere Beleuchtung und Videoüberwachung möglich seien, denn sie habe in den dunklen Ecken Angst: „überfallen, zusammenschlagen, vergewaltigen, ermorden“ – alles mögliche könne passieren, ohne dass jemand dort etwas mitbekomme. Bürgermeister Hans-Dieter Kandler entgegnete, dass man nicht ganz Mering taghell ausleuchten könne, die eigentliche Straßenbeleuchtung sei bereits sehr gut.

Für Unruhe sorgten auch die sehr detaillierten Fragen einer Meringerin zum Mietvertrag. Dieser läuft bis Januar 2027. Wenn keiner kündige, verlängere sich dieser auf unbestimmte Zeit, so die Auskunft von Regierungsseite. Es bestehe dann für beide Seiten die Möglichkeit mit einer Frist von sechs Monaten zu kündigen.

Eine Gruppe der Identitären unterbricht die Meringer Bürgerversammlung zum Ankerzentrum und hisst auf der Bühne ein Banner.
Bild: Gönül Frey

Neben aller Sorge um die eigene Sicherheit, kam auch ein Unbehagen über die Art der Einrichtung zur Sprache. „Ist das so eine Art Ghetto? Werden die bewacht oder haben sie Freiheit?“, fragte eine Bewohnerin aus St. Afra. Und ein Meringer meldete sich zu Wort, der wissen wollte, wie die Kinder auf diesem Areal ohne große Außenflächen überhaupt eine Möglichkeit zu spielen haben. Auf seine Aussage, dass er sich für Flüchtlinge engagiere, erntete er jedoch Pfui-Rufe.

Rechtsextreme Gruppierung nutzt Veranstaltung als Bühne

Denn die Bürgerversammlung, die als Informationsangebot für die Meringer gedacht war, nutzten auch Vertreter der rechtsextremen Identitärenbewegung als Bühne. Sie standen plötzlich auf dem Podium und zeigten unter lautem Johlen aus den hinteren Reihen ein großes Banner mit der Aufschrift: „Perspektiven in den Heimatländern schaffen“. Als alle Aufforderungen nichts halfen, beendete Bürgermeister Hans-Dieter Kandler den Auftritt beherzt. Er stieg auf die Bühne und schloss den schweren Samtvorhang vor den Plakatträgern, um diese dann ohne viel Aufhebens zum Seiteneingang der Halle hinaus zu komplimentieren.

Am Ende schloss der Bürgermeister, der immer wieder klar stellte, dass auch er von der geplanten Einrichtung nicht begeistert ist, mit einem Appell an seine Meringer: „Lassen Sie uns schauen, dass wir die Befürchtungen nicht wahr werden lassen!“ Es gelte diese Belastung so zu meistern, dass sie für Mering nicht zum Schaden werde.

Lesen Sie dazu auch den Artikel: Ankerzentrum für Mering ist beschlossene Sache

Themen folgen
Das könnte Sie auch interessieren