Newsticker
Aktuelle Studie: Einnahme eines Asthma-Sprays bei Covid-19 vielversprechend
  1. Startseite
  2. Lokales (Friedberg)
  3. Merings Einzelhändler kämpfen auch im Lockdown weiter

Mering

25.01.2021

Merings Einzelhändler kämpfen auch im Lockdown weiter

Miriam Wölfle übergibt die vorbestellten Waren an ihre Kundin.
Foto: Edigna Menhard

Plus Der Lockdown ist verlängert - auch für die Meringer Geschäftswelt ist das ein harter Schlag. Warum manche Händler zuversichtlich sind und andere verzweifeln.

Jahr für Jahr verschwindet ein Einzelhandelsgeschäft nach dem anderen aus dem Meringer Innenort. Wenige wackere Läden sind übrig geblieben. Nun, im Corona-Jahr und dem zweiten, scheinbar nicht mehr endenden Lockdown, wird es für diese noch schwieriger, zu überleben.

Merings Geschäfte im Lockdown: "Können nicht mal Fixkosten decken"

Wie hart das ist, erzählt Miriam Wölfle, in deren Bekleidungsgeschäft Winterware auf Abnehmer hofft: "Wir kämpfen tapfer. Dennoch werden wir auch im Lockdown von unseren Lieferanten weiter mit Ware beliefert, und da fließt dann schon mal die ein oder andere Träne beim Auspacken." Um den Kontakt mit den Kundinnen zu halten und um wenigstens einen kleinen Bruchteil der sonst üblichen Umsätze zu erzielen, bleibt das Modehaus in Kontakt mit den Käufern: "Wir versorgen unsere Kundinnen jeden Tag mit Bildern über Facebook, WhatsApp, Instagram sowie über unsere Webseite und liefern die Bestellungen dann mit unseren hauseigenen Kurieren aus oder bieten Abholung nach Vereinbarung direkt am Geschäft an", erklärt die Unternehmerin.

Das sei aber alles nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: "Es reicht nicht mal im Ansatz, um die Fixkosten zu decken. Mal ganz abgesehen von der vorgeordneten Ware, die wir bis zu einem Dreivierteljahr im Voraus bestellen müssen und die man natürlich nicht abbestellen kann." Umso so dankbarer ist Miriam Wölfle über jede Kundin und jeden noch so kleinen Einkauf. Denn der helfe ihr, sich über Wasser zu halten.

 

In einer etwas besseren Situation ist Heike Finger. Die Inhaberin der Buchhandlung Platzbecker ist froh, dass bei ihr die Lage stabil ist: "Sicher ist der Umsatz geringer als sonst, aber die Kosten und Löhne sind gedeckt. Alle Mitarbeiter sind beschäftigt. Die Stimmung ist gut." Dass es so läuft, liege an der Treue ihrer Kunden. Pro Tag habe sie 20 bis 30 Abholungen, dazu Bestellungen über den Onlineshop. Kunden können bei ihr anrufen, sich beraten lassen und Bücher, Gutscheine und andere Waren bestellen. "Insgesamt bewährt sich aber auch unser langjähriger Onlineshop. Mit diesem können wir Click and Collect einwandfrei abwickeln", erklärt sie.

Lockdown: Heike Finger aus Mering gibt im Internet Buchtipps

Bei diesem Konzept kann man online kaufen und die Ware beim stationären Einzelhandelsgeschäft abholen. Zuvor muss man bei Platzbecker jedoch telefonisch oder per WhatsApp einen Termin ausmachen. Dann kann man klopfen oder klingeln, rückwärtig an dem kleinen Fenster in der Kinderbuchabteilung die Ware entgegennehmen und wie üblich bar, mit EC-Karte oder per Gutschein bezahlen.

Wichtig ist: Auch hier muss der Kunde eine FFP2-Maske tragen. Das tut dem persönlichen Kontakt keinen Abbruch: "Wir und viele Kunden freuen sich, dass man sich zumindest am Fenster mal wieder begrüßen und ein paar kurze Worte miteinander sprechen kann", erzählt Heike Finger. Sie ist derzeit aber auch viel unterwegs, denn sie liefert zudem täglich Bestellungen persönlich aus. Um Kunden weiter zu informieren, veröffentlicht das Buchgeschäft auf der Homepage regelmäßig persönliche Buchtipps. "Und wir versuchen, das Schmökern in den Onlineshop und die regelmäßig umdekorierten Schaufenster zu verlagern." Die Einzelhändlerin zeigt sich auch neuen Möglichkeiten gegenüber offen: "Ich versuche, immer technische Neuerungen ins Geschäft zu übertragen und anzuwenden, wie unseren WhatsApp-Business-Anschluss, den mittlerweile auch einige Kunden zur Bestellung und Kommunikation nutzen.“

Mering: Maria Bösl ist im Lockdown froh über ihre Stammkunden

Zuversichtlich zeigt sich auch Maria Bösl mit ihrem Haushaltswarengeschäft: "Wir sind ein alt eingesessenes Geschäft und haben Gott sei Dank viele Stammkunden.“ Diese bestellen bei ihr telefonisch. Die Ware kann man am Geschäft abholen oder wird von Maria Bösl ausgeliefert. Anders als etwa ein Modegeschäft hat sie den Vorteil, dass die Kunden genau wissen, was sie benötigen, weshalb sie auf zusätzliche Marketingaktionen verzichten kann.

Sie hofft aber sehr, dass der Lockdown schnell vorbeigehe, denn sie erwirtschafte derzeit nur einen Buchteil ihrer sonstigen Umsätze. Nach dem ersten Lockdown im Frühjahr habe sie jedoch die Erfahrung gemacht, dass die Kunden sie danach sehr tatkräftig unterstützt haben: "Viele möchten, dass es mit dem Haushaltswarengeschäft weitergeht. Die Leute schätzen uns." Das macht sie optimistisch, dass sie auch dieses Mal mit deren Beistand rechnen kann.

Unverzagt zeigt sich auch Spengler. Als Augenoptiker gilt das Geschäft als systemrelevant und kann normal öffnen. Allerdings habe man das Juweliergeschäft auf Sparflamme gefahren, erzählt Pius Spengler. Man repariere lediglich Uhren oder tausche Batterien aus.

Mering aktuell: Axel Resch sieht die Lage bedrohlich

Als bedrohlich empfindet Axel Resch, Vorstand von Mering aktuell, derzeit die Situation und die politischen Maßnahmen: "Es läuft gerade viel schief. Dass der Einzelhandel immer die Stütze unserer Gesellschaft gewesen ist – das hat man wohl vergessen." Er kritisiert beispielsweise, dass etwa das Konzept Click and Collect zu spät gekommen sei. Das sei zwar eine gute Möglichkeit, doch gerade alt eingesessene Inhaber von Geschäften seien oft nicht technikaffin. Auch sei der Zeitaufwand, einen Internetshop zu eröffnen, hoch. Hier setzt Lothar Haupt von Mering digital ein. Der Verein bietet eine digitale Informationsquelle rund um die Meringer Unternehmen, Gastronomie, Einzelhandel, Ärzte und Dienstleister an: "Wir unterstützen die Händler gerne, allerdings erhalten wir von ihnen so gut wie kein Feedback." Das liege nicht an Mering, sondern er habe das Gefühl, dass es überall in Deutschland eine Lethargie beim Einzelhandel gebe.

Das sei kein Wunder, meint Tilo Treede, Bezirksgeschäftsführer Schwaben des Bundes der Selbständigen Bayern (BDS) mit Büro in Mering: "Es gibt für viele Unternehmen derzeit wenig oder keine Perspektiven. Wenn die Politik keine Öffnungsszenarien vorbereitet, werden viele Einzelhändler aufgeben müssen." Der BDS kritisiert auch, dass der Einzelhandel nicht bei der Novemberhilfe berücksichtigt werde. Die Ankündigung der Überbrückungshilfe III für den Handel sei daher gut, vorausgesetzt sie werde schnell und unbürokratisch ausgezahlt, sonst treibe man die Unternehmen in die Insolvenz. Tilo Treede weist auch darauf hin, dass Hilfen künftig einen Unternehmerlohn enthalten sollten, was bisher nicht der Fall war.

Lesen Sie dazu auch:

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren