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14.03.2009

Mit Herzklopfen das Amt angetreten

Aichach-Unterschneitbach Seit einem guten Jahr versieht Helga Gottschalk als Mesnerin ihren Dienst in der Unterschneitbacher St.-Emmeram-Kirche. "Die Leute wissen gar nicht, was da alles dran hängt", sagt die 43-Jährige, die sich in ihr Amt auch erst einmal einarbeiten musste.

Fast jeden Tag geht Gottschalk den kurzen Weg zur Kirche. Inzwischen schon wesentlich ruhiger, als das am Anfang ihres neuen Amtes noch der Fall war. "Da war ich schon aufgeregt", erinnert sie sich. Denn Gottschalk ist zwar schon immer eine fleißige Kirchgängerin, hat sich aber über die Aufgaben eines Mesners nie Gedanken gemacht. Warum auch? Die gebürtige Pöttmeserin hatte nie auch nur im Entferntesten damit gerechnet, einmal selbst dieses Amt inne zu haben.

Ein beschaulicher Ortsteil

Unterschneitbach ist ein beschaulicher Aichacher Ortsteil mit rund 400 Einwohnern. Der Namenspatron der kleine Kirche ist der heiligen Emmeram, der als Märtyrer verehrte fränkische Wanderbischof Emmeram von Regensburg. Eine Statue des Heiligen, der meist mit einer Lanze und einer Leiter dargestellt wird, steht auf einem Sockel in der Unterschneitbacher Kirche. Auch vom Altar blickt er auf die Kirchengemeinde.

Mit Herzklopfen das Amt angetreten

Ein Anblick, der Gottschalk von vielen Kirchenbesuchen vertraut ist. Als Mesnerin hat sie aber nicht nur ganz andere Einblicke in die einzelnen Abläufe bekommen, sondern betrachtet vieles auch mit anderen Augen. Da ist der prüfende Blick, ob die Kirche schön geschmückt, die Kleidung von Ministranten und Pfarrer in Ordnung und alles am richtigen Platz ist.

All das fällt in ihren Zuständigkeitsbereich. Genau wie der regelmäßige Austausch des ewigen Lichtes, das Bereitlegen der Kleidung für den Pfarrer oder das Verhüllen aller Kreuze am Aschermittwoch. Ein schmaler, eigentlich unscheinbar wirkender Hefter ist dabei ihre wichtigste Arbeitsgrundlage. Stichpunktartig hat die frühere Oberministrantin Verena Fischer darin zusammengefasst, was die Mesnerin für ihre Aufgabe alles wissen muss. Angefangen von Hinweisen für das Kirchenjahr bis zu den Vorbereitungen für Gottesdienste, Taufen, Kommunionen, Trauungen oder Beerdigungen. Für Gottschalk besonders am Anfang eine große Hilfe.

Händeringend habe man vor gut einem Jahr einen Nachfolger für den bisherigen Mesner, Anton Riedlberger, gesucht, erinnert sich die 43-Jährige. Der hatte 30 Jahre lang diesen Dienst versehen und mit 80 Jahren sein Amt zurückgegeben. Der Kirchenpfleger Georg Ostermaier sprach schließlich Helga Gottschalk an, ob sie nicht Interesse an dem Amt hätte. Als auch ihre Schwägerin, die im Pfarrgemeinderat sitzt, ihr zuredete, stimmte die zweifache Mutter schließlich zu. Damit ist sie eine von fünf Mesnerinnen in der Aichacher Pfarreiengemeinschaft.

Für Gottschalk war es gleichsam ein Sprung ins kalte Wasser, denn aus gesundheitlichen Gründen konnte Riedlberger die neue Mesnerin kaum unterstützen. Der Hefter mit den Stichpunkten wurde deshalb ihre wichtigste Stütze. Viel geblättert hat sie seitdem auch in dem Buch "Der Sakristanendienst - ein Handbuch für die Praxis", das ihr der Aichacher Stadtpfarrer, Johannes Schmidt, schenkte.

Hefter und Buch liegen auch heute noch immer griffbereit. Meist nimmt Gottschalk eines oder sogar beide auch mit zur Kirche, um sicherheitshalber nochmal nachschlagen zu können. Wenn Gottesdienste sind, geht sie meist schon 45 Minuten vorher zur Kirche, um alles wirklich in Ruhe vorbereiten zu können. Das ist ihr wichtig.

Sie hat ihren festen Platz

Während des Gottesdienstes hat die Mesnerin ihren festen Platz in der Kirche. "Hier vorne rechts", zeigt sie auf die erste Reihe. Eine Hochzeit und eine Taufe hat sie während ihrer einjährigen Amtszeit schon erlebt. "Am schlimmsten sind für mich die Beerdigungen", sagt die 43-Jährige, die seit 20 Jahren schon in Unterschneitbach lebt.

Mit Herzklopfen hat sie vor gut einem Jahr ihr Amt angetreten. Inzwischen ist es ihr ans Herz gewachsen. "Die Leute sagen, dass ich es gut mache", sagt sie und man hört ihrer Stimme die Freude darüber an.

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