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Stadtrat

23.04.2015

Mit dem Handy auf den Friedhof

Mit der passenden App auf dem Smartphone lassen sich QR-Codes leicht entschlüsseln.
Bild: Foto: Sebastian Heerwart

Die Parteifreien Bürger wollen so das Geschichtsbewusstsein fördern. In anderen Kommunen gibt es das schon. Doch in Friedberg gefällt die Idee längst nicht allen.

Friedberg Name, Geburtsdatum und Todestag – mehr verraten die meisten Gräber nicht über den Menschen, der dort bestattet ist. Dabei böte die moderne Kommunikationstechnik ganz neue Möglichkeiten, findet der Friedberger Stadtrat Siegbert Mersdorf von den Parteifreien Bürgern. Gemeinsam mit seiner Fraktion stellte er darum den Antrag, die Grabstätten bekannter und wichtiger Bürgerinnen und Bürger mit sogenannten QR-Codes zu versehen. Mithilfe der passenden App auf dem Smartphone lassen sich diese weniger Zentimeter großen, quadratischen Zeichen scannen. Über einen Link zur Homepage der Stadt könnte dann mehr über die Person und ihr Wirken in Erfahrung gebracht werden. Im Stadtrat stieß er allerdings auf geteilte Reaktionen mit dieser Idee. Eine Mehrheit mochte sich am Ende gar nicht näher damit befassen.

Als Beitrag zum Geschichtsbewusstsein wollte Fraktionschef Wolfgang Rockelmann den Antrag verstanden wissen, der neben den QR-Codes an den Gräbern auch das Aufstellen von Orientierungstafeln an den Eingängen der Friedhöfe beinhaltete. So sollten Angehörige ohne langes Suchen die Gräber ihrer Verstorbenen finden können. Selbstverständlich sei dabei der Datenschutz zu beachten und auch das Einverständnis der Nachkommen einzuholen.

Der Zeitpunkt für die Initiative ist nach Einschätzung von Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) nicht ungünstig. Die Homepage der Stadt soll ohnehin neu gestaltet werden. Eichmann kann sich vorstellen, wichtige Gebäude ebenfalls mit QR-Codes auszustatten und zu Informationen auf der städtischen Internetseite zu verlinken. Unterstützung gab es auch von den Freien Wählern. Der Friedhof sei das in Stein gemeißelte Gedächtnis der Stadt, sagte Jakob Eichele. Er bedauerte, dass immer mehr Grabstätten von alten Friedberger Familien aufgelassen würden und die schönen Denkmäler verschwinden. „Wir haben eine Wallfahrtskirche und drumherum lauter Industriesteine“, sagte er.

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Energischer Widerspruch kam dagegen von den Grünen „Muss man jetzt auch noch auf dem Friedhof mit dem Handy rumlaufen?“, fragte Marion Brülls. Schließlich handle es sich um einen spirituellen Ort. Wer gezielt forschen wolle, könne die Informationen auch googeln. Der Antrag der Parteifreien sei darum überflüssig. Deren Vorsitzender Wolfgang Rockelmann räumte ein, dass das Wohl und Wehe Friedbergs nicht an diesem Punkt hänge. Andere Städte hätten damit aber positive Erfahrungen gemacht.

SPD-Fraktionschef Roland Fuchs erinnerte angesichts des Altersschnitts im Gremium daran, dass die Stadträte wohl diejenigen seien, die als nächste in den Genuss eines QR-Codes auf dem Grabstein kämen. Dennoch habe für ihn der Vorschlag nicht die allerhöchste Priorität. Manfred Losinger (CSU) schlug scherzhaft die Gründung eines Arbeitskreises vor, der entscheidet, wer wichtig genug für einen eigenen QR-Code ist und wer nicht. Am Ende unterstützten nur die Parteifreien selbst, FDP, ÖDP, die Freien Wähler und einzelne CSU-Vertreter den Vorschlag, der damit nicht die ausreichende Unterstützung erhielt.

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